Full text : 5.1927-1928 (0005)

—A

saar⸗Sänger⸗Bund IIII

l Nr. 7

rufen glaubt. Er will für die Meister den „Ring“ richten
iür die gleich folgende „Freiung“, bei der sich ein Lehr—
ing zum Meister frei singen kann. Magdalene weist
Walther an Tavid, von dem soll er sich belehren lassen,
wie er, um Eva zu gewinnen, Meister werden kann.
Auch soll er hier Meister Pogner, Evas Vater, erwarten,
der gleich zur Freiung komme. David verspricht sie etwas
Butes aus der Küche, wenn er dem Ritter hilft, und
eilig drängt sie dann mit Evchen fort. Sie kann aber nicht
hindern, daß der Ritter dem Mägdlein noch in glühenden
Worten seine Liebe bekennt und Eva mit innigen Liebes—
worten darauf antwortet ...
Schon ist der Platz für die Freiung durch Vorhänge von
dem Hauptschiff der Kirche abgetrennt. Die herbeikommenden
dehrbuben richten nun die Bänke bei fröhlichem Geplauder,
vährend Walther in dumpfes Brüten versunken ist. David,
der mit müßigen Kinnen zusieht, wird von seinen Kame—
raden tüchtig geneckt, er kümmert sich nicht darum, nur der

er die herzliche Begrüßung zwischen Pogner und dem Ritter
»on Stolzing, der nun bekennt, die Liebe zur Kunst habe ihm
»on seinem Hof nach Nürnberg getrieben, und er möchte
Meistersinger werden. Pogner verspricht, ihn zur Freiung
jorzuschlagen, und nachdem Kothner alle Namen der Meister
rufgerufen hat, eröffnet Pogner Finen ersten Antrag:
zeim Gesangfest am Johannistag, das draußen vor dem
Tor unter Teilnahme der ganzen Bürgerschaft stattfindet,
olf seine Tochter Eva mit allem, was sie habe, dem besten
Zänger als Preis zuteil werden. Er erntet mit seinem Ver—
prechen viel Beifall bei den Meistern, aber seine
Finschränkung, daß die letzte Entscheidung natürlich bei
einer Tochter liege, erregt wieder Beckmessers AMerger.
Zachs schlägt vor, daß bei diesem Wettstreit nicht der
Meister Urteil, sondern des Volkes Stimme zu hören sei,
die wohl eher mit dem Sinn des Mägdleins übereinstimme.
darob sind alle andern Meister entrüstet und in ihrer
x5hre gekränkt, und Pogners ersster Antrag wird un ver—

Meistersingerschule aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts (Alter Holzschnitt)

Ritter, den er, der Bub, belehren soll, fesselt ihn jetzt.
n dem Zwiegesang zwischen Ritter und VLehrbub zeigt
Walther eine so große Unwissenheit über den Meister⸗
gesang, über die Singer, Dichter, Merker, über die ver—
schiedenen „Töne“ und „Weisen“, deren vielerlei seltsame
Namen ihn ganz verwirren, daß David in stolzer Ueber—
legenheit all seine Weisheit auspackt, die er als Lehrbub
Hans Sachsens erlernt und abgelauscht hat. Auf Walthers
berzweifelte Frage, wer nun eigentlich Meister werden
rönne, antwortet er stolz:
„Der Dichter, der aus eigenem Fleiße
zu Wort und Reimen, die er erfand,
aus Tönen auch fügt eine neue Weise:
der wird als Meistersinger erkannt.“
Da faßt Walther Mut: dieser Forderung fühlt er sich ge—
vachsen, und sinnend wendet er sich ab, während Tavid
die anderen Buben zuxrechtweist, die alles falsch aufgeftelft
haben. In die Mitte des Raumes kommt nun das kleine
Bemerk“, und David erklärt dem Ritter, da sitze nachher
der Merker und schreibe die Fehler der Singenden auf
die Tafel, und wer mehr als sieben Fehler begehe, habe
versungen und vertan. In fröhlichem Reigenspiei um—
tanzen die Lehrbuben das Gemerk und singen spöttisch:
„Das Blumenkränzlein gus Seiden fein,
wird das dem Herrn Ritter beschieden sein?“
Beim Eintritt der Meistersinger unterbrechen sie sofort
ihr Spiel und setzen sich still auf die Bank im Hintergrund.
Im Gespräch mit dem Stadtschreiber Beckmesser naht als
erster Meister Pogner, Evas Vater. Beckmesser möchte sich
Evas Hand ersingen und bittet Pogner um seine Für—
prache; denn Evchen darf den werbenden Meistersinger aus—
schlagen, wenn er ihr nicht gefällt, und Beckmesser ift wohl
nicht ganz überzeugt von seiner Werbekraft. Unmutig fießt

indert angenommen. Nachdem sich Beckmesser als Merker
hat eintragen lassen, meldet Pogner den Ritter zur euns
an. Auf die vielen Fragen der Ritter antwortet Walther
mit einem seltsamen Lied?

Am stillen Herd in Winterszeit,
Wann, Burg und Hof mir eingeschneit,
Wie einst der Lenz' so lieblich laächt',
Und wie er bald wohl neu erwacht', —
Ein altes Buch, vom Ahn vermacht,
Bab das mir oft zu lesen;
derr Walther von der Vogelweid',
der ist mein Meister gewesen.
Wann dann die Flur dom zrost befreit
And wieder, kehrt die Sommerszeit,
Was einst in kanger Winternacht
Das alte Buch mir kund gemacht;
Das schallte laut in Waldespracht,
Das hört' ich hell erklingen:
Im Wald, dort auf der Vogelweid',
da lernt ich auch das Singen.
Was Winternacht, was Waldespracht,
Was Buch und Hain mich wiesen,
Was Taͤchtersanges Wundermacht
Mir heimlich wollt' erschließen,
Was Rossesschritt beim Waffenritt,
Was Reihentaänz beim heiteren Schanz
Mir sinnend gab zu lauschen;
Gilt es des Lebens höchsten Preis,
Um Sang mir einzuͤtaufchen.
zu eignem Wort und eigner Weis'
Vill einig mir es fließen
Als Meistersang, ob den ich weiß
kuch Meistern fsich ergießen.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.