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Zaar⸗Sänger-Bund I
—VR
seine Kräfte schnell ab. Der Greis, dem alle 7 Kinder
in den Tod vorausgegangen sind, sitzt meist still brü—
tend über seinen Buͤchern. Er spricht nur mehr wenig,
bis ihn 8ljährig der Tod abberuft.
Bei der großen Menge von Dichtungen, die uns
dans Sachs hinterlassen, ist es nicht verwunderlich, daß
auch vieles Minderwertige darunter steckt. Wo er aber
Broßes, Bleibendes geleistet hat, das ist in seinen
Dramen, und unter ihnen stehen am höchsten seine Fast—
nachtsspiele. Zur Fastnacht war es damals Brauch,
daß die jungen Bürger Nürnbergs von Haus zu Haus
zat doch der Fahrende erzählt, daß er nach dem
Paradies zurückwandern wolle. Kaum ist der Schüler,
roh über seine List, abgezogen, so kommt der Mann
zerein. Nachdem er vernommen, wie sich seine Frau
ibertölpeln ließ, läßt er sein Pferd satteln und eilt
hm nach, um ihm die kostbare Beute abzujagen. Aber
er, der über die Dummheit seiner Frau in Zornes—
vorte ausgebrochen, fällt noch viel „schlimmer herein.
Der fahrende Schüler weiß auch ihn zu überlisten, und
»hne Roß kehrt unser Bäuerlein heim. Wohl packt
ihn auch jetzt wieder die Wut über das „glaubig, doppig
und einfeltig“ Weib, das die Ursache zu diesen großen
Verlusten gewesen ist. Aber bei ruhiger Ueberlegung
muß er sich sagen, daß sie beide Dummheiten begangen
haben, und kommen Mann und Frau zu der Erkenntnis,
daß in der Ehe von beiden Seiten Fehler gemacht
werden, dann, so belehrt Hans Sachs,
„Denn zieh man Schad gen Schaden ab,
darmit man Friedt im Ehstandt hat
und kein Uneinigkeit aufwachs;
das wünscht uns allen Hans Sachs.“
Belehrend ist auch das Spiel vom „Narrenschneiden“.
Fin Arzt tritt auf und erklärt sich bereit, allen kranken
Menschen mit seiner Kunst zu helfen. Da kommt auf
trücken ein Kranker an und klagt dem Arzt seine Not.
Tag und Nacht rumort es ihm im Leibe, keine Medizin
fonnte ihm bisher helfen. Der Arzt erkennt, daß er
Narren im Leibe hat, die „wie Ameis durcheinander
krabbeln“. Will er ihm helfen, so muß er sie ihm
Das Narrenschneiden.
zogen, um Szenen aus dem Alltag zur allgemeinen Be—
iustigung darzustellen. Hans Sachs fand also schon
Fastnachtsspiele vor, aber es waren Spiele, in denen
der Scherz zur Zote geworden war, Schmutzstücke aus
dem Geist des Fastnachtstrubels und Fastnachtsvergnü—
zens geboren. Wiederholt hatte der Rat der Stadt sie
als sündlich, schändlich, der Darstellung zumal vor
Frauen und Jungfrauen als unziemlich bezeichnet, war
gegen sie mit besondern Maßregeln vorgegangen. Hans
Sachsens Verdienst ist es nun, diese Spiele aus Schmutz
und Gemeinheit herausgerissen zu haben. Wohl finden
sich auch bei ihm noch manche Derbheiten, sie ver—
stehen sich aus dem Geist der Zeit, und nirgends wird
er in ihnen gemein. Ja, er will durch seine Spiele
delehren, und gewöhnlich spricht er am Schluß diese
Lehre noch einmal deutlich aus. Unser Meister will,
wie Goethe es in „Hans Sachsens vpoetischer Sendung“
ausspricht:
„Frummkeit und Tugend bieder preisen,
das Bös mit seinem Namen heißen,
richts verzierlicht und nichts verkritzelt,
aichts verlindert und nichts verwitzelt!“
Das beste von Hans Sachsens Fastnachtsspielen ist
das heute viel aufgeführte Spiel vom „Fahrenden
Schüler im Paradeis“. Hier zeichnet der Dichter das
häuerliche Eheleben und die List der fahrenden Schüler.
Zu der Bäuerin, die noch oft ihres ersten guten Mannes
gedenkt, tritt der Schüler, der der staunenden Frau
erzählt, daß er schon weit gereist sei und gerade aus
Paris komme. Die Frau versteht Paradies und er—
undigt sich nach ihrem Mann, den sie nur mit dem
deilach bekleidet, begraben habe. Der gerissene Schüler
malt ihr nun das Bild dieses Mannes, der allein im
Himmel so schlecht bekleidet sei, der allein kein Geld
bei sich habe. So bringt er die leichtgläubige Seele
dazu, ihm gute Kleider und 12 blanke Gulden, dazu
alte böhmische Groschen für ihren Mann mitzugeben,
Der fahrend Schüler im Paradeis.
herausschneiden. Nur ungern entschließt sich der
dranke zu der Operation, und nun zieht der Arzt
inen Narren nach dem andern aus seinem Leibe, den
rufgeblähten Narren der Hoffart, den viereckigen des
Beizes, den dürren, magern, gelben des Neides und
d fort, bis er ihm schließlich das Narrennest entfernt