Full text : 5.1927-1928 (0005)

Zeite 1364

Saar⸗-Sänger-Bund

Ali.

ahhh Nr. “

KLortraits berühmter Zeitgenossen, Bilder zur Geschichte des
Alten Fritz, zu Basedows Elementarwerk, zu Lessings Minna von
Barnhelm. Dem Kunstfreunde erichließt sich in diesem reizvollen
Büchlein eine Stunde hohen künstlerischen Genusses.

der deutschen Literatur-, Kultur- und Thegtergeschichte noch
nehr als das frische Bild eines für ganz Deutschland wich—
igen Lebenskreises: sie geben das schönste Zeugnis einer
dlen, reinen Seele. Im Lichte dieser Memoiren schauen
vir in die Theaterwelt nicht nur Weimars, sondern auch
Mannheims und Berlins, und alle, die in jener Zeit
ür die Bühne von Bedeutung waren, vergegenwärtigen
ich uns mit greisbarer Deutlichkeit. Ergreifend sind die
zelbstzeugnisse über Huldigung und Werbung Karls Augusts
im Karoline Jagemann, die Darstellung ihrer Seelenkon—
likte und ihrer Seelenkämpfe. Der Verlag hat dem Werke
un der gesamten Ausstattung und in der trefflichen und
eichlichen Bebilderung seine ganze Liebe bezeugt. Es wird
illen Literatur- und Kunstfreunden eins willkommene Gabe
ein!

Saarliederbuch des Bundes der Saarvereine, verlegt
»on der Geschäftsstelle „Saar-Verein“, Berlin SW. 11,
Königgrätzerstr. 94, enthält auf 35 Seiten die Texte mit
Verfasserangabe und Kompositionshinweis einer großen
Zahl von Heimatliedern von der, deutschen Saar, die
Jrößtenteils in Zeit schwerster politischer Bedrängnis eiit—
tanden und ausnahmsslos erfüllt sind von warmer
deimatliebe. Verschiedene dieser Schöpfungen — besonders
die volksliederartigen — werden ihren Wert über die
SZtunde hinaus behalten. Wir vermissen den von Hanns
Maria Lux gedichteten und vom Bundeschormeister O.
Schrimpf komponierten Bundesspruch des Saar-Sänger—
Bundes. Er läßt sich vielleicht für eine Neuauflage nach—
hosen, ebenfalls das Saarlied von Thamerus—Schwartz.
Für Feststunden ist das Büchlein sehr verwendbar, wir
egleiten es mit den besten Wünschen. Der von der Ge—
schäftsstelle herausgegebene „Saarfreund“, der Mitteilungen
nus dem Saarland im deutschen Vaterland verbreitet, dürfte
allen Saarländern bekannt sein. Wir möchten aber noch
auf eine sehr hübsche, bildgeschmückte Beilage „Saarheimat—
hilder“ aufmerksam machen. Die uns vorliegende Nummer
enthält einen anschaulich geschriebenen Aufsatz von Fr.
Kloevekorn über „Saarbrücken und St. Johann im 18.
Jahrhundert“ mit Bildern von M. Wentz.

Professor Ernst Rabich, Die Entwicklung der
dyer. Langensalza, Hermann Beyer K Söhne Geyer
x Mann). 80 Seiten. Preis 2,20 Mk. — Der Verfasser
gjibt eine Entwicklungsgeschichte der Oper. Nicht nur das
rein Geschichtsdatenmäßige, der öäußere geschichtliche Ab—
auf wird in möglichster Vollständigkeitt gegeben, sondern
nuch die musikalische Stilgeschichte, der innere Zusammen—
sang der Ereignisse wird hineinbezogen. Der Leser erfährt
»amit auch das Wesentliche über den inneren musikalischen
Lharakter einzelner Opern und Operngruppen. Europa
vird für die Geschichte der Oper als ein Ganzes aufgefaßt,
die Geschichte der Oper also nicht nur in Deutschland ver—
'olgt. Musikalische Ausdrücke werden, soweit es nötig ist,
ꝛrklärt; neu auftretende Ausdrucksmittel der Musik werden
zurch Beispiele eingeführt (z. B. Quarten- und Quinten—
zwölfklänge usw.). Ein Nachschlageverzeichnis gibt Aus—
prachebezeichnungen für frende Namen und Ausdrücke.
die Geschichte der schwer zugänglichen älteren Oper wird
durch Notenbeispiele erläutert. Erfreulich ist, daß auch
die Geschichte der Oper in den letzten Jahrzehnten dar—
gestellt wird. Für die jüngste Gegenwart wird eine Zu—
ammenstellung der Ur- und Erstaufführungen gegeben,
damit der Leser eine ungefähre Vorstellung vom Opern—
chaffen der Gegenwart erhält. Die Schrift wird iedem
Musikliebhaber Freude bereiten.

Erinnerungen der Karoline Jagemann, nebst zahlreichen
disher unbekannten Beiträgen und Bildern aus der Goethe—
zeit, herausgegeben von Prof. Dr. Eduard von Bamberg,
342 Seiten Großoktav, Sibyllen-Verlag, Dresden-A. J.,
Frauenstraße. Preis: Ganzleinen 24 Mk., Halbleder 32,
Hanzleder 48 Mk. — Karoline Jagemann, die berühmte
Primadonna der Goetheschen Aera, die einflußreiche Ge—
liebte Karl Augusts und Freundin Schopenhauers, spielt
im klassischen Weimar eine überaus bedeutsame Rolle. Das
Wesen dieser vielbewunderten, vielgescholtenen Künstlerin
erschöpft sich keineswegs in ihrer verkannten Gegnerschaft
gegen Goethe: sie war die größte Schauspielerin, die je—
mals auf der Bühne Weimars gestanden hat, und ihr
Name ist für immer mit der Geschichte der Goethezeit
lebendig verknüpft. Ueber ihre bisher von der Familie
zeheimgehaltenen und hier zum ersten Male insgesamt
deröffentlichten Erinnerungen, die bei der Lektüre der
Handschrift gekrönte Häupter, wie Ludwig J. von Bayern
und Karl Friedrich von Weimar, sowie Fuͤrsten des Geistes,
vie den Kanzler Müller und Varnhagen, entzückt hatten,
chrieb der ihr befreundete Großherzog Georg' von Meck
lenburg-Strelitz: „Wo soll ich Worte hernehmen, um Ihnen
das große Vergnügen zu schildern, mit dem äich Ihre Blätter
gelesen habe, nicht gelesen, sondern verschlungen. Es gab
keinen Halt mehr. Schicken Sie mir rasch die Fortsetzung,
denn ich bin ganz wild darauf.. . Was Sie über Goethe
agen, begreise ich und sehe ein, daß es gar nicht anders
sein konnte, auch stört es mich gar nicht in dem Bilde,
das ich von dem herrlichen Manne zurückbehalten habe,
einmal, weil ich ihn selbst in seinen steifen und verdrieß⸗
lichen Momenten gesehen habe, in denen er wirklich wie
ein Nußknacker wär, andererseits, weil sich sehr viel zu
seiner Entschuldigung anführen läßt, und endlich weil ich
hn als den interessantesten und liebenswürdigsten Men—
chen im Gedächtnis trage und seine Schatten seit Jahren
n Kauf, nehme ... Ich danke Ihnen, daß Sie mich in das
Allerheiligste Ihrer Seele haben blicken lassen. Warum
varen Sie nicht gegenwärtig, als ich das letzte Wort ge—
esen hatte? Blick, Händedruck, Umarmung würden meine
Empfindung wiedergegeben haben.. .. Auch eine andere
—* hätten Sie gehabt, durch das völlige Einleben in
Ihre Welt mich für eine ganze Weile von der allzu
raurigen Gegenwart abgezogen zu haben ... . So oft
ich dieser Memoiren gedenke, und das wird
o»ft, geschehen, wird mir das Herz höoch auf⸗
schlagen, und jedesmal werde' ich dre Huldi—
zung gegen Sie erneuern.“ Die Memoiren selbst
ind in diesem Buch mit zahlreichen noch nie veröffentlichten
Briefen und Aeußerungen von Goethé, Karl August und
bielen anderen hervorragenden Menschen jener Zeit ver—
bunden und geben als bedeutende neuerschlossene Quelle

Geschichte des Violinspiels von Andreas Moser.
396 S. Mit zahlreichen Notenbeispielen. Preis in Halb—
einen 15.—, in Halbfranz 18.— Mk. Max Hesses Verlag,
ßerlin W. 15. Der bekannte Berliner Hochschullehrer,
Lerfasser der Violinschule Joachim-Moser und Biograph
Joseph Joachims, legt in diesem von der Musikwelt mit
z5pannung erwarteten Werke die Ergebnisse vieljähriger

INMNGEBE.

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