Nr. 6
Saar⸗Sänger-Bund eu
„l Seite 135
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üäüchertissch.
„Zeitschrift für Musik“. Monatsschrift für eine geistige
Frneuerung der deutschen Musik. Hauptschriftleiter: Dr.
A. Heuß. Steingräber-Verlag, Leipzig. Ini pugutee
deftpreis 3.— Mark, vierteljährlich 4.— Mark. — Tas
Sommerheft der „Zeitschrift für Musik“ weiß wieder nach
den verschiedensten Seiten hin zu fesseln. Eine ganz be—
sondere Gabe wird zunächst einmal den Schumann-Ver—
ehrern geboten „Die Enträtselung des Schumann'schen
Abegg-Geheimnisses“ eine herzerfrischend originelle, dabei
grundlegende Studie von G. Minotti, einem irischen Pia—
zisten, dem es auf geistvollste Weise gelungen ist, den
Zchlüssel zu der mysteriösen Entstehung der Abegg-Varia—
ionen zu finden. Zwei weitere Artikel schließen sich
olanvoll an: Der erst veröffentlichte Briefwechsel zwischen
Brahms und Clara Schumann wird von J. H. Wetzel
schlaglichtartig kommentiert, während E. Proffen unbekannte
Brahms-Erinnerungen mit viel Liebe erzählt. Eine weitere
Artikel-Trilogie gist Bach. Wir lesen Berichte über das
Münchner Bachfest und die weltgeschichtlich bedeutsame Ur—
aufführung der Kunst der Fuge, letzterer von Alfred Heuß,
der auch die Erläuterungen über dieses Werk schrieb, ferner
über „TDas Grab Bachs“ von Linus Birchler, eine Be—
chreibung und zugleich aufrüttelnde Mahnung an die
Begenwart. Eine ganze Anzahl weiterer Artikel, die sich
anschließen, führen namentlich in die Gegenwart. Unter
dem Titel: „Fortschritt, Entwicklung oder Wandlung in
der Tonkunst“ erfährt das Krefelder Tonkünstlerfest und zu—
Jleich die in gewisser Beziehung unhaltbare Kunstrichtung
des Deutschen Musikvereins eine kritisch-produktive Be—
rachtung aus der Feder des Hauptschriftleiters. Wir lesen
erner große Berichte über die Ausstellungen in Frankfurt,
Magdeburg, Genf und andere Musikereignisse des Sommers.
kin wichtiger Artikel ist „Kurmusik und Kurgästen“ gewid—
net, über Tonartencharakteristik wird debattiert, ferner be—
sonders anregend ist die Rubrik „Kreuz und Quer“ mit
ꝛinem lustigen „Scherzando“ (Anekdoten und Witze), der
Fülle der übrigen Berichte aus aller Welt, Betrachtungen
u. a. nicht zu gedenken. Einen ganz besonderen Wert erhält
das Heft durch seine Musikbeilage, die herrliche Haydn'sche
Bearbeitungen englischer Lieder in Triobesetzung bringt,
ein Vorgeschmack der demnächst im Steingräber-Verlag er—
scheinenden Sammlung „Schottische und wallisische Volks—
ieder“ von Joseph Haydn bearbeitet.
Amwelt der Oper in den Dienst des Gesamtkunstwerkes zu
tellen. Die Mitteilungen der „Deutschen Theater-Aus—
tellung“ erzählen von den Besuchen des Preußischen Land—
ags uͤnd Staatsrats, der Tagung ber bühnentechnischen
Lörstände sowie von der Anwesenheit Firmin Gemiers,
»es Begründers der Welttheater-Union, auf der Ausstellung.
Richard Kabisch, Gottes Heimkehr, die Geschichte eines
ßlaubens, Verlag Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen,
breis geb. 5 Mark. — Der aus der Geschichte des letzten
drieges durch sein tragisches Schicksal bekannt gewordene
Lerfasser läßt uns in diesem feinen Roman, der für Sonn—
agskinder geschrieben ist, tief hineinschauen ins eigene
derz. Mit erschütterndem Freimut legt der Held des
sKomans, ein junger hochbegabter Jurist, Lebensbeichte ab.
Wir begleiten ihn aus Kindheit und Studienzeit in seine
östliche Ehe mit Lili, in seine bitterernsten Glaubens- und
hewissenskämpfe, in seine Berufsarbeit und empor in
einen herrlichen Sieg, den Sieg Gottes über sein Herz.
der Roman dieses Gottsuchers und Gottfinders wird dank—
zare Leser haben!
Hoffmann von Fallersleben, Landsknechts- und Vaterlands—
ieder, Kyffhäuser-Verlag, Berlin W., Preis 6 RM. Hoffmann
von Fallersleben, einst von Grimm für deutssche Art und
eutsches Lied begeistert und mit ihm eifrig bemüht, deutsche
Holkslieder zu sammeln, ist selbst Dichter einer großen Zahl
olkstümlicher Lieder, die im deutschen Volke leben und ewig
eben werden, allen voran sein auf der sturmumtosten Insel
»elgoland gedichtetes „Deutschland, Deutschland über alles“.
Vir sind dem Verlage dankbar, daß er die Vaterlandslieder des
dichters, die den deutschen Wehrstand aus der ritterlichen,
eichtlebigen Landsknechtszeit des Mittelalters bis in die Frei—
jeitskriege begleiten, in einer so trefflich ausgestatteten Samm—
ung dem deutschen Volke wieder zugänglich gemacht hat. Otto
uinnemann hat dazu stimmungsvoll Bilder gezeichnet, die den
Vert des Gedichtbandes wesentlich erhöhen. Vielleicht werden
zie männlichen Rhythmen Hoffmann von Fallerslebens auch
n dem Komponistengeschlecht der Gegenwart noch manchen zu
inabaren Liedern begeistern. Das Werk sei wärmstens empfohlen!
Der junge Schiller und das geistige Ringen seiner Zeit. Eine
Intersuchung auf Grund der Anthologie-Eedichte von Dr. Wil—
selm Iffert, Buchhandlung des Waisenhauses (Franckesche Stif—
ungen), Halle a. d. S. Preis 8 RM. Eine philologisch sehr
verkvolle, gründliche und gediegene Arbeit, die uns auf Grund
er Jugendgedichte Schillers in das Innere des genialen Dichters
ind größen Kämpfers blicken läßt. Der Verfasser legt uns die
zdeenwelt Schillers, die Philosophie der Liebe, des Todes und
eine pietistischen Anschauungen dar, sowie seine Einstellung zu
en geistigen Strömungen seiner Zeit, z. B. die Einwirkung der
eutschen Aufklärung, der englischen Moralphilosophie und von
ousseaus Gefühlsphilosophie auf den in das Eeistesleben hinein—
vachsenden Dichter. Textkritische Anmerkungen sind in be—
onderem Anhang beigefügt. Das mit Schillers Bildnis aus
»em Jahre 1783 geschmückte, wohlausgestattete Werk ist ge—
ꝛignet, sinnige Leser einmal wieder auf das hohe Ethos, den
zlühenden Idealismus, aber auch den männlichen Wirklichkeits—
inn und den Kämpfersinn des Dichters hinzuweisen. Wir wün—
chen recht vielen Feierstunden bei Schiller!
Das Wort zum Lied, 2000 der beliebtesten Konzertlieder
m Texte, ein Textprogramm für Hörer der Funkkonzerte,
sonzertbesucher und Grammophonfreunde, von Julius
derche. Verlag Ed. Bote und C. Bock, Berlin. — Eine
chier unerschöpfliche Fundgrube von Texten aus der ge—
amten musikalischen Literatur, von Liedern, Arien und
duetten ernster und heiterer Musik, alphabetisch nach ihren
domponisten geordnet! Außer dem Dichter wird auch der
Verlag genannt. Das treffliche Buch ist nicht nur ein an—
genehmer Konzertbegleiter, sondern auch ein Ratgeber für
uinsere Chormeister bei Zusammenstellung sinngemäßer Kon—
zertprogrämme. Der Verlag hat dem werlvollen Nachschlage—
verk eine gute Ausstattung gegeben.
Die vierte Wand, Organ der Deutschen Theater-Aus—
tellung Magdeburg 1927, Heft 19, Preis 50 Pfg. — In
diesem neuen Hefte der Zeitschrift der „Deutschen Theater—
Ausstellung“ untersucht der Studienrat Baitinger Wesen,
Aufgaben und Mittel der Volksspielkunstbewegung und
ommt zu dem Schlusse: „Wir fühlen uns mit der Be—
rufsbühne verbhunden nicht bloß durch die Idee der Be—
ätigung im Täenste der kulturellen Hebung und Förderung
inseres Volkes, sondern auch dadurch, daß wir ihr Helfer,
zubringer und Wegbereiter in der breiten Masse sein
voslen.“ Ueber das deutsche Puppenspiel unterrichtet in
zuschaulicher Weise der ausgezeichnete Sachkenner Dr.
Alfred Lehmann, und der Frankfurter Universitätspro—
essor Dr. Wilhelm Pfeiffer-Belliß geht den Möglichkeiten
einer Erziehung zur Schauspielkunst nach und weist auf die
nannigfachen Schwierigkeiten hin: „Wir sehen, daß auf
diesem Gebiete eigentlich so ziemlich alles noch im Werden
istl“ Der Mannheimer Regisseur Richard Hein zeichnet
die dramatischen Funktionen der Operndekoration. Er for—
dert die Einheitlichkeit szenischer Gestaltung, um auch die
Daniel Chodowiecki, ein kulturgeschichtliches Lebensbild von
—
ßerlin. Preis 250 RM. — Der hübsche Band gehört zu
»en von Börris Freiherrn von Münchhausen herausgegebenen
Lebensbildern aus deutscher Vergangenheit“. Mit der roman—
aft fesselnd geschriebenen Darstellung des Lebens des berühmten
tadierers zeichnet der kundige Verfasser mit sicheren Strichen
zleichzeitig ein anschauliches, sebenswarmes Bild der Zeit. Aus
iller Theaterpose und Künstelei ist sie erfüllt von dem Ruf zur
datur. Sie ist denn auch dem jungen Kunstbeflissenen Lehr—
neisterin, und in ihrem Dienste zeichnet er mit seinem raschen,
»as Wesentliche erfassenden Stift das reizende Mädchen, das
zrächtige Pferd, die herrliche Eiche, den Strauch, das Bauern—
aus, den Palast, die Abendsonne und das Mondlicht. Das
rächtige Werkchen erhält wertvolle Bereicherung durch eine
deihe von Reproduktionen von Werken des Meisters: Skizzen.