Full text : 5.1927-1928 (0005)

nit Konzerten in Bukarest, Konstantinopel, Athen und
Zaloniki, die den künstlerischen Weltruf der Berliner
Liedertafel begründeten. Im Jahre 1910 folgte eine
Nordlandfahrt mit Konzerten in Königsberg, Riga,
Reval, Petersburg, Helsingfors und Stockholm. Frühjahr
1914 brachte die Liedertafel nach Aegypten zu Kon—
zerten in Basel, Kairo, Alexandrien und auf der Rückreise
in München. Ueberall errang sich die Berliner Liedertafel
unverwelkbare Lorbeeren. Festliche Empfänge an Fürsten—
zösen, begeisterte Huldigungen der Auslandsdeutschen, wie
der Hörer überhaupt, Lorbeerkränze, Blumen und kost—
bare Geschenke waren ihr auf allen Reisen, denen nach
dem Kriege ebenso erfolgreiche in die Grenzmarken
nach Schlesien und an den Rhein folgten, beschieden.
Aber über einen Erfolg muß ich den Chormeister des
Vereins selbst berichten lassen: »Die Liedertafel erklärte
jich bereit, jedes Jahr ein Volkskonzert bei freiem Ein—
xitt, mit freien Vortragsfolgen und freier Kleiderablage
zu geben. Diese Konzerte, die bei uns Blindenkon—
zerte heißen, sind das Schönste und Ergreifendste in
unserer Jahresarbeit. Alle Jahre, gewöhnlich am Palm—
sonutage, füllt sich der vornehme Raum der Stadthalle
mit Hunderten von Blinden und den Aermsten der Armen.
Da stehen wir oben und schauen in die blinden nach uns
gerichteten Augen, und dann fangen wir an zu singen,
und es fliegt ein-Leuchten über die Tausende von Ge—
sichtern, sie vergessen Raum und Zeit und ihr Elend, die
liebe Frau Musika nimmt sie in ihre Arme und tröstet
jie siß und milde, wie eine Mutter ihre Kinder tröstet
Wir haben auf Konzertpodien viele hunderte von Malen
gestanden, brausender Beifall ist oft genug erschollen, wir
haben es erlebt, als wir im März 1921 den „Friderieus
Rex“ von Schwartz zum ersten Male herausbrachten, daß
das kühle Berliner Publikum geradezu in rasenden Bei—
fall ausbrach, so daß die Wände zitterten, wir sind mit
Beschenken, Lorbeerkränzen, Ehrenmitgliedschaften, Orden
und Ehrenzeichen überhäuft worden. Es ist ein Nichts
zs ist eitler Tand gegen diesen Anblick, wo wir Freuden—
strahlen auf die Gesichter unserer Blinden zaubern. Und
dann kommen die unbeholfenen Dankbriefe und die Bitten,
vir möchten sie nächstes Jahr nicht vergessen. Der Mann
der diesen großherzigen Gedanken gefaßt und durchgesetz—
hat, gehört uns nicht mehr an, es ist der in der ganzen
deutschen Sängerwelt bekannte Herr Ernst Schlicht.“
Ein führender Verein wie die Berliner Liedertafel har
iatürlich auch dem in den letzten Jahrzehnten erblühten
dunstgesang die ihm gebührende Pflege zu teil werden
lassen. Hegar, Richard Strauß, Lendvai, Kaun, Buck er—
ebten in ihren Konzerten vielfach berühmt gewordene Ur—
ufführungen. Aber die Liebe des Vereins gehört dem
chlichten Bolkslied und dem volkstümlichen Lied. Und
mmer wieder bezeugt es die Vereinschronik, wie tief sich
gerade mit diesen Liedern der Verein im In- und Aus—
iand in die Herzen der Hörer hineingesungen hat. Außer—
Irdentlich reich ist die Auswahl, die unser berühmter Gast—
verein für seine Konzerte an der Saar anbietet.
Da finden wir: Agnus Dei von Hans Leo Haßler, Marien⸗
dildnis von Karl Kämpf, Erdgeboren von Max Wiede—
mann, Der Wächter von Hermann Suter, König in Thule
oon Zelter-Buck. Abendfriede am Rhein von Mathieu

Zeite 128 *

Saar⸗Sänger⸗Bundn
Neumann, Nacht am Rhein von Hugo Kaun, Freiheit
»on Heinrich Zöllner, Das feurige Männlein von Friedrich
Frischenschlager, Bruder schlag ein von Hugo Kaun,
Flug der Liebe, bearb. von A. von Dthegraven, Ständchen,
»earb. von Philipp Wolfrum, Vesperchor von Karl Kämpf,
Matrosenchor von Richard Wagner, Tanz und Gesang von
ldolf Zander, Gnädig und barmherzig von E. Grell,
Auf dem Meere von Wilhelm Heinemann; Totenvolk von
zriedrich Hegar, In stiller Nacht von Joh. Brahms, ein—
zerichtet von Fr. Hegar, Abschied der Handwerksgesellen,
earb. von Fr. Silcher, Wanderschaft von Karl Zöllner, Du
eutsches Lied von Max Wiedemann.
Ein Kunstgenuß ersten Ranges steht uns be—
»or. Es wird viel Herzerhebendes zu lauschen geben, es
vird aber auch viel, sehr viel zu lernen sein. Wir danken
»s auch der Solistin Fräulein Annerofse Cramer,
daß sie ihre hohe Kunst zur Bereicherung der Männerchor—
onzerte im Saarland einsetzen will. Ihr Bildnis und das
»es uns herzlich befreundeten musikalischen Leiters der
VLeranstaltung, des Musikdirektors Max Wiedemann, wird
don unsern Lesern in vorliegender Nummer gewiß mit
dank entgegengenommen werden. Und nun noch ein—
nal, Ihr lieben Sangesbrüder aus dem ge—
tiebten Vaterland: herzlichst willkommen
an der deutschen Saar!
Walther Stein,
Erster Bundesschriftführer.

Nr. 6

Richtlinien für den Besuch der Berliner Liedertafel
am 20., 21. und 22. September 1927.
Dienustag, den 20. Septemberr 1927:
3,50 Uhr nachm.: Ankunft mittels Sonderzug von Kaisers—
lautern. Begrüßung durch den Bundesvorstand und
den Gau Saarbrücken am Bahnhof, anschließend
Festakt im Rathaus, Begrüßung durch Herrn Bürger—
meister Dr. Neikes.
3,.00 Uhr abends: Sängerkonzert im städt. Saalbau ohne
Damen CEintrittspreis 5.— Fr.).
10. 00 Uhr abend: Kommers des Saar-Sänger-Bundes
im Sängerheim Stadtpark Ludwigsberg.
Mittwoch, den 21. September 1927:
Vormittags: Spaziergang zum Ehrental und Winterberg—
denkmal unter Führung des 1. Bundesvorsitzenden
Stadtschulrat Bongard.
1,30 Uhr nachm.: Gemeinschaftl. Mittagessen im Sänger—
heim Ludwigspark.
5,30 Uhr nachm.:: Abfahrt mittels Sonderzuges nach
Neunkirchen. z
7.00 Uhr abends: Konzert im evgl. Gemeindehaus Neun—
kirchen. (Eintrittspreise 5,— Fr. für Sänger,
15,— für Nichtmitglieder.)
Donnerstag, den 22. September 1927:
Vormittags: Besichtigung der Sehenswürdigkeiten Saar
brückens unter Führung des Museumsdirektors.
30 Uhr nachm.: Gemeinschaftl. Mittagessen im Sänger
heim Ludwigspark.
3.00 Uhr abends: Oeffentliches Konzert im städt. Saalbau
(Eintrittspreis 15. — Fr.)
Freitag, den 23. September 1927:
Vormittags: Abreise nach Trier.

SGER. TRINXMOLKURI
            
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