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Saar⸗Sänger-Bund i.
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nicht die Anerkennung, die er sucht? Weil es diesen Kreisen
ichwer fällt, Leuten zuzustimmen, die etwas treiben, was
iie nicht verstehen, Sängern zuzustimmen, die vokaliter
musizieren wollen und die von den Elementen der Musik
keine Ahnung haben. Die nichts mitbringen als ihr von
der Natur geschenktes schönes Stimmaterial und nun,
papageienmäßig abgerichtet, vermeinen, das wäre Kunst—
ausübung. Wenn musikalisch Gebildete einer Probe bei—
vohnen und hören, wie der Dirigent eine einfache, nicht
sofort in die Ohren fallende Melodie zwanzig Mal vor—
pauken muß, bis die Carusos die Sache verstanden haben,
dann verläßt der Sänger, der keine sehr schöne Stimme,
aber Kunstverstand hat und die à cappella-Werke eines
Palestrina, Schütz und Bach leidlich absingt, sehr bald ge—
langweilt den Ort der Qual. Eine an sich schlechte, un—
gerechte Sache wird nicht dadurch geheiligt, daß sie seit
Jahrzehnten üblich ist, oder daß die, Fürsten, durch schlechte
Ratgeber verleitet, durch Sängerparaden ihrem Throne
Blanz verleihen, oder daß ausländische Chöre den Humbug
mitmachen. Der a cappella-Gesang, dessen schwärmerischer
Verehrer ich bin und dem ich seit mehr als 20 Jahren in
Eisenach, in Erfurt, ja in ganz Thüringen als Bundes—
liedermeister pflege, muß gehoben werden, aber ohne die
zwietrachtsäenden, sachlich musikalisch ungerechten Wett—
treite, bei denen der zweite Preisträger immer der
henachteiligste ist. Wer von zwei guten Leistungen die
bessere gebracht hat, ist letzten Endes dem subjektiven Er—
messen der Beurteilenden überlassen. Wollen die Sänger,
wie die Schulbuben, absolut zensiert werden, gut, dann
jsolt Euch einen fachmännischen Vokaldirigenten von dem
Rufe eines Siegfried Ochs, Georg Schumann oder des
sölner Trunk oder eine billigere Kraft und laßt Euch
prüfen, aber nicht dadurch, daß ihm ihm eine frisierte
Leistung vorsetzt, sondern dadurch, daß er Eure Probe
besucht und Ihr mit ihm arbeitet. Wollt Ihr aber Vergleiche
ziehen, so ladet 9 oder 190 Vereine Eures Ortes zu—
sammen ein. Jeder Verein singt unter seinem Dirigenten
auf dem Podium, der hinzugezogene künstlerische Beirat
winkt ab, kritisiert, verbessert, dirigiert und zeigt dem
zjanzen Sängerpublikum, worauf es ankommt, und dieses
'ann mit eigenen Ohren nachprüfen, kontrollieren und
ernen. An- zwei Abenden können 10 Vereine chorische
reistungen zeigen und beim dritten Abend bildet ein har—
nonischer Kommers das freundliche Finale, ganz im Gegen—
atz zu dem Schlußakt der Wettstreite, wo sie die scheuß—
ichsten Szenen abgespielt haben. Jeder einsichtsvolle Sänger
ind Dirigent wird ein solches Verfahren freudigst be—
zrüßen. Der künstlerische Beirat erteilt Euch keinen ersten
Breis, mit dem ihr protzen könnt, wohl aber wertvolle
Winke, wie Ihr auf ehrliche Weise weiterkommt.
Und wie machen es die Künstler, die doch auch sozuagen
etwas mit Musik zu tun haben. Die veranstalten
eine Wettstreite; die gehen in fremde Lande, wo ihr Name
inbekannt ist und wo eine Presse sitzt, die erbarmungslos
ind vielfach gehässig die Leistung einer Lebensarbeit kriti—
iert. Wollt Ihr ein objektives Urteil über Chorleistungen,
dann hinaus aus den engen Mauern, hinein in den Kampf,
n die nächste größere Stadt und noch weiter weg. Das
bublikum dort bringt Euch keinen dröhnenden Empfangs—
eifall, das Terrain will erobert sein, und wenn der
berein vor einer strengen Kritik dort leidlich gut weg—
ommt, dann ist das mehr als ein Dutzend erster Preise.
Darum, herunter mit der gleißnerischen Maske der Lüge!
deutsche Sänger sind freie Männer, die sich nicht herden—
veise abstempeln lassen und den Konzertsaal zum Zirkus
rniedrigen. Ihr aber, Ihr Preisrichter, vergrabt für immer
fuer Richtbeil und bleibt, was Ihr ursprünglich wart,
Fhorpädagogen mit einem liebewarmen, reinen, aufopfe—
ungsfähigen, deutschen Herzen! Dann wird auf dem Ge—
iete des Männergesanges jene Harmonie, Freundschaft und
kinigkeit herrschen, die man in der rauhen Welt draußen
dergeblich sucht.
Mit treudeutschem Wartburggruß
Wilhelm Rinkens,
Professor der Musik und musikalischer Sach—
verständiger für den Staat Thüringen.
Zukunftsaufgaben des deutschen Männergesangwesens.
Gin so großes Ereignis wie das bevorstehende Sängerfest
DBWien, das ein starker Knotenpunkt in der Entwick—
lungslinie des deutschen Männergesangvereinswesens zu
verden verspricht, lädt zu Besinnen, Rückschau und Aus—
ichau ein, denn unwillkürlich fragt man sich über den
Augenblicksgenuß solcher Festtage hinaus: „Wozu das
Banze?“ Mag manchem einzelnen Sängerbruder der bunte
Bilderwechsel im gewaltigen Trubel der Singwoche fast
die Hauptsache dünken, so ist es doch Sache der Führer,
den Blick der Hunderttausend vom Vordergrund auch in
die Tiefen der Dinge zu lenken. „Machtvolles Bekenntnis
zum deutschen Sängerbundsgedanken und zum deutschen
Männerchorlied — sehr schön, aber wozu der Sängerbund
uind das Lied.“ Ist nicht das Volkslied und Kunstlied, von
einigen wenigen je nach Stimmung und Bedürfnis bei der
Arbeit oder in trauter Familienrunde, zum Feierabend
am Dorfrain oder unter ein paar Freunden gesummt und
gesungen, das einzig Wahre? Zweifellos — und es wäre
eine schlimme Folge des Vereinswesens, wenn Deutschland
sich dieses Stegreifsingen abgewöhnen wollte, um nur noch
auf dem Podium unter dem Kommandostab des Dirigenten
unsthafte Bearbeitungen darzubieten! Auch der über—
zeugteste Sangesbruder sollte sich bewußt bleiben, daß das
Lereinssingen immer nur eine von mehreren berechtigten
Singformen zu bleiben haben wird, daß es Kraftquelle
und Anregung für selbständiges Haus- und Freilichtmusi—
zieren sein soll, nicht im Gegenteil Ersatz dafür. Und
»benso soll das Singen in Chorvereinen nicht etwa die Vor—
tellung erwecken, daß die Beteiligten den Wunsch von Oper
uind Instrumentalkonzert nun „nicht mehr nötig hätten“,
ondern man wird gerade als Dirigent und Vorstand da—
ür zu sorgen haben, daß das Chorsingen den Laien mit
zdust und Liebe auch für das gesamte Musikleben und seine
erufskünstlerischen Auswirkungen erfüllt. Denn bei aller
zdiebe für das Selbermusizieren der Musikfreunde und bei
iller Anerkennung der künstlerischen Leistungen unserer
zroßen Männerchöre: sie sind doch nur ein — wenn auch
vichtiges — Glied im größeren Ganzen der deutschen
Musikausübung und sollten sich freudig und opferfroh als
zeren willige Diener bekennen.
Aber gewiß hat das Männerchorwesen auch vom strengsten
dunststandpunkt aus seine sehr starke Eigenberechtigung,
venn es in der rechten Bahn läuft. Das Ueben und Singen
inter dem straffen Regiment des Chorleiters bedeutet nicht
iur eine mannhafte Charakterdisziplin und Willensschule,
ondern das Zusammenschmelzen vieler Einzelstimmen zum
runden Chorklang, das Ineinsglühen vieler Einzelpersön—
ichkeiten zu dem echten Chor von e in em Atem und einem
derzensschlag kann zum geradezu mystisch beglückenden Er—
ebnis werden: „Wir sind e in Organismus, ein Wille,
zine beseelte Gewalt.“ Da schweigen alle kleinen Nöte,
ille lieben Eitelkeiten, es schwinden die Schlacken des All—
ags, und man geht auf in der Feiertagsgemeinde — nicht
rur des Konzerts, sondern vor allem auch der Uehungsstunde
Passssast- Haushaus A. G.. εr“t.