zeite 1216
Zaar⸗Sänger⸗-Bund
J Nr. “
„Lobpreisung der Musikt“, Aug ust von Othegraven
nit „Advent“, Cantate über zwei Volkslieder mit zwei
Trompeten, drei Posaunen, Pauken, Orgel, Sopransolo,
Pugo K'aun mit „Herr, dir in die Hände“, Hans
Lang mit drei Madrigalen für fünfstimmigen Männerchor
mit Zwischenspielen für Klarinette und Bratsche, LRudwig
Baumann mit dem achtstimmigen Doppelchor „Geister—
ruf“ Georg Schumann mit einer Motette mit Orgel
und Bläserchor, Per mann Grabner mit „Wächter—
lied“ mit Bläserchor, Pauken und Harfen, Rudolf Buck
mit Heldenfriedhof, Theodor Körner mit Meeresstille
und glückliche Fahrt, Kurt Stiebitz mit „Erde“, Felix
von Woyrsch mit „Wie glänzt der helle Mond“,
Hermann Erdlen mit „Flohhatz“, Sieg mund von
Hausegger mit „Der arme Kunrad“, Joseph Haas
mit „Morgenlied', Rud olf Herbert Herold mit
„Der Schmied'“, Hugo Herold mit „Im Kahn“, Max
Egger mit „die letzte Retraite“ (sechsstimmig), Richard
Trunk mit „Die Herzen empor“, Camillo Hilde—
brand mit „Wir wollen heut Abend' so fröhlich sein“,
Werner Creutzburg mit „Es ist ein Schnee gefallen“,
Theodor Wünschmann mit Erntelied, Friedrich
sdigglimit „Einer Verlassenen“ (mit Klavierbegleitung),
Pau'“i Wege mit „Die lange Nacht“ (mit Baritonsoloß,
Rudolf Bost mit „Das Kind“ (fünfstimmigh, Karl
Neyer-Frenner mit „Reiterlied“, Richard
Strauß mit „Soldatenlied“/ Richard Wetz mit
„Ständchen“, Eduard Behm mit Holepfann, Leon
ZIchmalzbach mit „Was haben denn wir Schneider auch
groß für ein Gewicht?“, Georg Kießig mit „Reweloge“,
Ernst Bezler mit „Nachtwandler“ und Max Gneiß
nit „Der Hohenfriedberger“.
Wie ehrwürdige Säulen ragen noch einige alte Meister
n das Kunstschaffen der Gegenwart hinein. Eine neue
somponistengeneration aber stürmt in die erste Reihe.
Alle Ideenkreise sind durchmessen von hoher geistlicher
Musik bis zum scherzenden volkstümlichen Lied. Auch sind
ille Satzarten vertreten vom a cappella-Chor bis zum
Männerchor, der aufs anspruchvollste mit großem Orchester
hegleitet sein will.
Was wird den Tag überstehen? Was wird
als wertvolles Gut bleiben? Was trägt
Ewigkeitswertin der Brust? D.
Gefangwettliltreite.
esangwettstreite gehören zu jenen charakterverderbenden
—92* Einrichtungen, die sich einer gesunden künstlerischen
Entwickelung des Männergesangswesens hemmend entgegen—
stemmen. In völligem Mißverstehen der Auswirkungen
musikalischer Kunst, übernehmen Chordirigenten und Vor⸗
stände, ohne tieferes Nachdenken, die geschmacklosen und
raturwidrigen Gepflogenheiten des Preissingens, ohne zu
ihnen, daß man Ausdrucksformen des seelischen Gestaltens
nicht äußerlich artistisch „nach Punkten“ bewerten und
schablonisieren kann! Ebenso wie die heutige musikalische
Jugend (wie sie beispielsweise in der Musikantengilde ver—
einigt ist) Besseres zu wirken weiß, als einen derartigen
Unfug mitzumachen, ebenso werden die kommenden Gene—
rationen über die Beckmesserei der Preisrichter hohnvoll
zur Tagesordnung übergehen. Anstatt die kostbare⸗ Zeit
der Uebungen dazu zu benutzen, Musikkultur zu treiben,
die 70— 8000 der Musikfanalphabeten herunterzudrücken,
Stimmpflege zu treiben, den Sängern die wichtigsten musik—
wissenschaftlichen Tatsachen in Form von Vorträgen vor
Augen zu halten, sie in den polyphonen Stil einzuführen,
vird monatelang alle Kraft an sogenannte Preischöre ver—
zeudet, die wegen ihrer Ungesanglichkeit und ihren scheuß—
lich klingenden Einzelstimmen (orielfach sind es vom Klavier
übertragene Aktkordfolgen ohne jede melodische Stimmfüh—
rung) die Sänger zur mühseligen Fronarbeit zwingen. Wie
zroß muß der philisterhafte Ehrgeiz sein, der soñst ganz
bernünftige Leute dazu bringt, sich einem Richterspruch zu
unterwerfen, der nie und nimmer gerecht sein kann, nicht
weil die Preisrichter ungerecht handeln, sondern weil das
ganze System falsch und darum unmoralisch ist. Hier wird
mit den edelsten Kräften der Nation Schindluder getrieben.
Und wie unsagbar lächerlich ist es, zu sehen, wie wür—
dige, gesetzte Männer herdenweise aufmarschieren, um 30
Mal hintereinander dem erstaunten Auditorium eine
schauerliche Ballade vorzusetzen. Begieriger als bei einem
Lotterieschluß wird das DOrakel der braven Preisrichter
erwartet, die, haben sie aufmerksam zugehört, schon nach
den ersten 45 Minuten total ermüdet sind und wie arme,
gehetzte Schnüffelhunde hinter den Partituren nach Punkten
agen. Vor ZJahren war ich als Preisrichter im Staatstheater
in Weimar verpflichtet; geschämt habe ich mich,
daß die lieben Sänger, die nun monatelang gebimft hatten,
mir ein Vertrauen schenkten, das ein Preisrichter über—
haupt nicht rechtfertigen kann. Ein Unsinn ist es, nach
dem Anhören einiger Chöre die Vereine wie eine kaufbare
Ware abzustempeln. Und welche Verwirrung wird in den—
Köpfen der Sänger angerichtet! Seht wie stolz der Verein
des ersten Preises ist; schaut her, ich bin Mitglied des
orimo gekrönten Liederkranzes! Fragst du ihn, er möchte
dir den 6,8 vorschlagen, so wird er dich erstaunt ansehen
uind sagen, ich bin doch kein Dirigent! Philisterhafter
dünkel! Dagegen ein anderes Bild. Vorige Wöoche kon—
ertierte ich mit einem erstklassigen Cellisten, das Publikum
rast. Er wird von einer feingebildeten Dame gefragt, ob
er sich nicht sehr glücklich und stolz fühlte. Die Ankwort:
„Gnädige Frau, tausend Konzerte habe ich in den Groß—
tädten gegeben und noch immer warte ich auf den Augen—
lick, wo ich nach dem Spielen mit mir zufrieden wäre.“
Auf der einen Seite der strebende, wirklich etwas könnende
dünstler, auf der anderen Seite der gutdressierte, mit sich
ufriedene Dilettant. Ihr Chordilettanten seht Euch doch
xure Kollegen vom Instrumentalfach an, wie sich der Hand—
verker, der Beamte, der Kaufmann und der Herr Pfarrer
u einem Streichquartett zusammenfinden. Diese Männer
treben auch nach dem Höchsten, während Ihr übt, spielen
ie Mozart, Beethoven und Schubert. Diese nach dem
zdealen Strebenden würden den absurden Gedanken eines
Vettspielens als einen Blödsinn von sich weisen, ihnen
väre das Kunstwerk zu schade, um damit ehrgeizige, per—
znliche Gelüste zu befriedigen. Und wenn einer von den
bieren verhindert ist, spielt ein Geiger aus dem anderen
Auartett mit Begeisterung mit. Und was sagt der Weise
»on Weimar, unser großer Wolfgang von Goethe vom Ge—
ang, und wie ein richtiger Sänger nur um des Gesanges
vegen singt: „Die goldne Kette gib mir nicht — Ich
inge, wie der Vogel singt, der in den Zweigen wohnet
)as Lied, das aus der Kehle dringt, ist Lohn der reichlich
ohnet.“ Die Preissingerei ist eine Geschäftsfache geworden.
die hohen Honorare der Preisrichter (die mir angebotenen
ind viel höher als die meiner Konzerte) und die geschäft⸗
ichen Machenschaften der Vereinsvorstände sind der Grund,
veshalb die Sache überhaupt noch existiert. Mit den Fest⸗
eiträgen der Sänger kann schon eine Fahne angeschäfft.
in Defizit gedeckt werden.
Durch, die Wettstreitmätzchen werden auch die wahren
dunstziele des Männergesangvereins verschoben. Nicht der⸗
enige Verein ist der beste, der die bestfrisierteste Leistung
ringt, sondern der Verein, der mit wenig Mitteln in
ürzester Frist das Künstlerischste dargeftellt“ hat. Es isft
»eim Chorgesang genau so, wie bei den Instrumentalisten.
Richt der ift der beste Pianist, der am sa Ube rsten spielt,
ondern der die seelisch vertiefteste Ausdrücks—
—A gefunden hat. Und warum findet der deutsche
Männergesanaverein in den gebildeten, mufikatschen Kreisen
SANGER-TRINXMOLMURI