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Saar⸗Sänger-Bund
Nr. —
Minderwertige solistische Leistungen wie ebensolche choristische
zerderben den Geschmack des Konzertbesuchers. Schließlich
'oll doch der Chorsänger auch etwas von der Gesangstechnik
des Solisten lernen. Wenn dieser (oder diese) aber keine
vorzügliche Sprach- oder Tonbehandlung aufweist, keine
Kantilene singen kann, nicht bindet, sondern nach Art
vieler Chorsänger sich einer sogenannten „deutlichen“ Aus—
sprache befleißigt, indem er die Endkonsonanten möglichst
scharf herauswirft, möglichst viel ttt... und ktk. . . spricht,
ain jedes neue Wort mit einem frischen Stimmansatz heran—
geht und was der Untugenden noch mehr sind .. .. wie soll
da das Beispiel des Solisten vorbildlich auf den Chor—
sänger wirken? Oder wenn der Solosänger knödelt und
die Töne im Halse schon halb erstickt, wenn er die Vokale
derart deckt und abdunkelt, daß nur o, ö und ü heraus—
kommen (Früdbörgör statt Friedberger), ja, was für einen
Zweck hat es, solche Leute singen zu lassen? —
Zum Gesang tritt die Begleitung, die in der übergroßen
Mehrzahl der Fälle Klavierbegleitung ist. Ein gutes In—
trument und ein „wohlperfektionierter“ Spieler sind ebenso
vichtig wie der gute Sänger: denn der Erfolg hängt von
dem künstlerischen Zusammenwirken dieser drei Faktoren
⁊b. Eine sog. „Bierorgel“ ist kein Konzert- bezw. Begleit—
instrument, und nicht jeder Dirigent ist zugleich ein tüchtiger
Pianist. Es wird also vielen Männer-Gesangvereinen
finanziell unmöglich sein, die Vorbedingungen zu einem
»ollen künstlerischen Erfolg zu erfüllen, — und nur, wo
die Voraussetzungen gesichert sind, soll man solistische Mit—
virkung der besprochenen Art hinzuziehen. Empfehlens—
vert ist dann auch die Aufnahme von Chorwerken für
Lhor- und Solostimme und solche mit obligater Klavier—
begleitung.
Wertvolle Einlagen für die Vortragsfolge sind Ge—
änge zur Laute, vorausgesetzt, daß sie textlich und
nusikalisch eine Ergänzung der vorzutragenden Männer—
höre bilden. Ein blindes, wahlloses Hineinstreuen solcher
Zololieder wäre ebenso verwerflich wie das von Klavier—
iedern. Die innere Geschlossenheit darf durch Einzel—
eistungen nicht durchbrochen werden.
Schwieriger gestaltet sich die Einordnung rein instrumen—
aler Vorträge in eine wohlüberlegte Männerchorfolge.
Pianistische Darbietungen, Zusammenwirken von Violine
and Klavier, Harfenvorträge, Stücke für Klavier- und
Streich-Trios und Streich-Quartette kämen in Frage. Nach
velchen Gesichtspunkten wären solche Einlagen ins Pro—
zramm einzubauen, ohne die Einheit desselhen zu sprengen,
»hne es in eine zusammenhangslose Reihe von Einzel—
eistungen, die des ästhetisch befriedigenden Gesamteindrücks
»ntbehren, auseinanderfallen zu lassen? — Will der Verein
»in „historisches“ Konzert veranstalten, eins, das einen Ent—
vickelungsgang durch einen bestimmten Zeitabschnitt dar—
zietet, die Chorkomposition einer fest abgegrenzten Epoche
eranschaulichen soll, so wird er bei Hinzuziehung von
Instrumentalvorträgen seinen Chören auch charakteristische
broben der absoluten Musik zugesellen können. Die Stil—
irten sind in solchen Konzerten das lose Band, das äußer—
ich die Darbierungen umschlingt. Ensemblestücke — Klavier
nit Streichinstrumenten und mehrere Streichinstrumente
zusammen — fallen aber schon aus dem Rahmen, da sie
nmeinem der Liedform nur entfernt verwandten Stile
geschriehen sind. Jedoch ist grundsätzlich gegen das Ein—
ügen solcher Trios und Quartette nichts einzuwenden,
ofern ihr Stimmungsgehalt dem der Chöre parallel läuft
ind das Verständnis der Vortragsstücke nicht allzu große
Anforderungen an das der Männerchorkonzertbesucher stellt.
Klavierstücke sind schon leichter und besser unterzübringen,
»a sehr viele als „Lieder ohne Worte“, wie Impromptü's,
Moment, musicaux, Balladen, Rhapsodien, Nocturnos usw.
Tonpoesien und -fantasien sind, die aus der Liedform her—
»orgegangen, bezw. ihr nahe verwandt sind. So können
neinem Schubert-Abend neben Schubert-Chören anstatt
S5chubert-Liedern auch einige liedartige Charakterstücke für
dlavier eine Bereicherung der Vortragsfolge abgeben. In
»in Chorballaden-Konzert bringen Klavierballaden, Rhapso—
ien und Scherzos angenehme und ergänzende Abwechflung.
Auch die Literatur für Violine und Klavier weist eine Reihe
»on Stücken auf, die ohne Schwierigkeit als vorteilhafte,
rganische Bestandteile einer guten Folge Verwendung
inden können.
Wie die Chöre, die zum Konzert vorgesehen sind, in
einem inneren Zusammenhange zu einander stehen sollen,
o sind auch soistische Einklagen, gegen deren Ver—
vendung im Männerchor-Konzert keine Bedenken erhoben
verden, dem Programm sorganisch einzugslie—
dern. Nicht Lückenbüßer und Pausenfüller sollen sie sein,
ondern stimmungsfördernde Glieder einer
nesich geschlossenen Vortragsfolge.
Fritz Anschütz.
„Lo
andöchen“ von Orlando di Lalso.
Nenter den fünf Bronzestandbildern auf dem Promenade—
Soplatz in München erregt das des Tondichters
Drlando di Lasso die Aufmerksamkeit des musikge⸗
chichtlich gebildeten Beobachters. Erinnert es ihn doch
daran, daß dieser Fürst im Reiche der Tonkunst fast 40
Jahre lang im Dienfte der kuͤrbayrischen Herzöge in
München gelebt und gewirkt hat. Sein Graͤbstein mit
der Inschrift: Hie ille est Lafsus, qui lassum recreabat
orbem — Hier liegt Lassus, der den ermüdeten Erdkreis
erquickt hat — ist im Bayrischen Nationalmuseum aufbe⸗
wahrt, und ein Kaffeerestaurant am Platz'l führt sogar den
Namen „Orlando di Lasso Cafe“. — unser Meister ist
1530 oder 32 (die Angabe 1580 auf der Partitur des
Ständchens soll nach Moͤser und anderen nicht richtig sein)
zu Mon,s im Hennegau (heute Belgien) als Roland de
Lattre geboren, änderte aber, als sein „ehrenwerter“ Vater
wegen Falschmünzerei bestraft wuürde, seinen Namen in
Orlandus Lassus. Nachdem ihm der deutsche Kaiser den
erblichen Adel verlieh, schrieb er sich Orlando di Lasso.
Seine schöne Stimme und feine außerordentliche musikalische
Begabung bewogen ihn schon früh, fich ganz der Musik zu
vidmen. Er studierte hauptsächlich in Italien, das man
damals schon als das Konservatorium Europas bezeichnen
onnte. In Rom kam er auch mit Palestrina, dem musika⸗
lischen Stern des päpstlichen Hofes, zusammen. Ob er
elbst eine Zeitlang Lateränkapellmeister war, ist zweifel—
haft. Frankreich und England bereiste er und sammelte
überall reiche Erfahrungen. Von Antwerpen aus trat
er 1556 in den Dienst des Münchener Herzogs Albrecht V.,
der ihn 1562 zum Oberkapellmeister ernannte. dDieé
Münchener Hofkapelle war zu jener Zeit die beste in
Europa. Michael Prätorius berichtet, daß zu München
im Fürstlichen Durchleuchtigkeit zu Bayrn Hoff, zu des
veltberühmbten fürtrefflichen Musici, Orlaudo di“ Lasso
seiten die Musie daselbst von 12 Bassisten, 15 Tenoristen,
13 Altisten, 16 Capellknaben, 5 oder 6 Capunern oder
funuchis, 39 Instrumentisten, und also in die 90 Per—
onen stark bestellt gewesen sein sol“. Lassus hat Musik
ller Art geschrieben, Messen, Motetten, Hhmnen, Magni—
icate, Lamentationen, Psalmen, Madrigale, Chansons und
billanellen — rund 2000 Werke, von denen ein Bruchteil
n 20 Bänden bei Breitkopf und Härtel erschienen ist,
10 Bände der Gesamtausgabe stehen noch aus. Seine Texte
ind teils lateinisch (sämtliche kirchlichen Werke), teils
talienisch und französisch, in der Minderzahl deutsch. Diese
eutschen Stücke sind in der Hauptsache 5stimmige Volks—
iedbearbeitungen, humoristische Trinklieder und Siebes—
ieder (siehe im Peters'schen Volksliederbuch für M.-Chor
ind gem. Chor) Lassus ist ein genigler Meister des poly—
honen, d. i, des kontrapunktisch mehrstimmigen Stiles, haät
iher auch eine Anzahl Lieder mit homophonen, einfach⸗
ikkordischen Begleitstimmen geschrieben“ Ein Beispiel dieser
Art ist unser
„Landsknech tständchen.“
.Der Text. Der ursprungliche Text ist jedenfalls
talienische Dichtung. Da mir die Astimmige Männerchor—
earbeitung von Carl Hirsch, Leipzig⸗-Forberg, vorliegt,
nicht das Driginal, kann ich nur meine Vermutung auͤs—
prechen. Ein des Lautensplels und des Gesanges kündiger
Landsknecht, den gebildeten Ständen angehörend, bringt
er Angebeteten seines Herzens in einer lieblichen Sommer—
acht hei silbernem Mondlichtscheine das Bekeuntnu⸗ seiner
Liehe in Form eines trausich klingenden Ständchens. Auf
ztalien deutet die Erwähnung Petrarcas, eines großen