Full text : 5.1927-1928 (0005)

SGar e M
Druck und Verlag der Buch- und Kunstdruckerei
Gebr. Hofer A.⸗G., Saarbrücken-VBölklingen. Bezugs—
preis Irs. 5.— vierteljährlich. Einzelnummer Irs. 2.—

Rund 300 Bereine mit fast 36000 Mitgliedern. Heraus—
gegeben im Auftr. des Bundes von Stadtschulrat Hans
Bongard u. Rektor Walther Stein, Saarbrücken.

ur. 0

September 184

7. jahrgango

Zu Friedrich Hegars Schaffen.

ie vorletzte Nummer unserer Bundeszeitung widmete
dem Verblichenen ein ehrendes Gedenken. Die ge—
amte Männerchorwelt steht im Geiste in Ehr—
urcht trauernd am Grabhügel des Meisters. Ist doch
vohl aus den Reihen der Musiker dieser Zeit
seines Mannes Bedeutung so tief ins Volk gedrungen,
vie diejenige Friedrich Hegars. Mit Recht! Zwar
erreicht die Zahl seiner Werke bei weitem nicht die Re—
fordzahlen so manchen „kleinen
veistes“, dessen Lebenswerk —
z»er Gehalt aller Werke zu—
ammengerechnet! — nicht einen
Bßruchteil von Meister Hegars
S5chaffen ausmacht, das dafür
imso Inhaltreicheres vermittelt.
Vor mir liegen die in den
Lerlagen Hug, Leipzig;
ZIchweers KHaake, Bre—
nen; André, Offenbach;
bßote K Bock, Berlin;
F. C. Leuckart, Leipzig
erschienenen Kompositionen, und
nach textinhaltlichen Gesichts—
hunkten geordnet, geben sie einen
nteressanten Einblick in des
stomponisten Neigungen und
Ztärken, offenbart sich in ihnen
ein Stück seines Wesens. Den
dreitesten Raum nehmen die
balladesken Stoffe ein; weit
ichwächer vertreten sind Chöre,
die die Verherrlichung der Na—
tur, des Gesanges, der Sprache
zum Gegenstand haben.
Daß das stets wache künst—
lerische Gewissen eines Meisters
vie Hegar, wie es zu uns aus
all seinen Tönen spricht, nicht
chlief, wenn es sich um Auswahl der textlichen Vor—
vürfe handelte, darf wohl als selbstverständlich ange—
prochen werden. Namen wie Justinus Kerner (1.)*),
Bottfried Keller (47, C. F. Meyer (5.), Ferdinand
Freiligrath (6.), Eduard Mörike (11., 19., 27.), Her—
mann Lingg (15.), J. V. Scheffel (16., 24.), Theodor
Die in Klammer stehenden Zahlen beziehen sich auf
die laufende Nummer der umstehenden Zusammenstellung

Körner (23., 25.), M. v. Schenkendorf (22.), Dr. Rohrer
(2., 8., 10. 14., 21.), Carl Spitteler (7., 9.) stellen
hinreichende Bürgschaft dar.
Die starke Bevorzugung der Ballade im
Zchaffen Hegars könnte leicht den Verdacht der Ein—
eitigkeit erwecken; — aber wie reich sind die Farben
auf der Palette des Künstlers! In Steiners „Hymne
an den Gesang“ hat er gleichsam die Ausdrucksformen
seines musikalischen Bekennt—
nisses auf einen engen Raum
andeutungsweise zusammenge—
drängt. „O Gesang! Schwellen—
der Tonflut hochaufbrausendes
Meer! Dir, dir gelte mein Lied!“
Du treuer Genosse in allen
debenslagen. „— vielgestalt
Zauberkräfte sind dein; lieblicher
Anmut voll bist du und trotziger
deldenkraft“ — „wie so innig“
sprichst du dex Liebe Gedanken
aus, erfüllst du „sehnend
hang“ die stetig Suchenden, und
„adelnd kränzest du mit Rosen
der ewigen Schöne den schim—
merden Festpokal“. Und „lauern
am blumigen Pfade Trauer und
Schmerz, springen die Todes—
pforten schwarzgähnend auf,
bäumt sich gemartert der Ver—
lassenen Herz auf, so tönet
milde, leis tröstend dein Lied,
und der bittere Gram entflieht,
'anft und lind in Wehmut ge—
öst“. Taufrischen Waldmorgen
14)*8) zaubern uns des Meisters
Töne vor die Seele; führen
uns in der Gründonnerstag—
Nacht zum Heiland, der „noch
einmal sich sehnt, in seiner Jünger Kreise das heilige
Mahl des Bundes zu verzehren“ (24; hüllen uns ein
in den grauen Nebel, der unbewegt das Feld, die Herde,
den Wald deckt (15); lassen uns die Empfindungen der
zeimkehrenden Krieger miterieben, die bei der fröh—
ichen Wirtin sich niederlassen und in vorahnenden
Tönen auffordern: „Hier schlagt das Lager auf, schwinget
zdie Zither statt Lanze und Schwert“ 425). Sind nicht

Friedrich Hegar.
            
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