Full text : 5.1927-1928 (0005)

Seite 100

kaar⸗Saünger⸗-Bunde

allh Nr. 5
nania im Jahre 19083, bei der Einweihung des Kaiser—
Wilhelm-Denkmals 1904 wurden von mehreren Gesang—
»ereinen Massenchöre gebildet, und dabei blieb es.
Die Liedertafelei in den kleinen Vereinen ging so weiter,
ind wehe dem, der es gewagt hätte, die alten Vereine
rus dem altgewohnten Treiben herauszuholen und zu
inem Zusammenschluß mit etwa befreundeten Vereinen auf—
umuntern. Der Krieg mit all seinen Schrecken kam, er
erging, und neues Leben sollte auch in unseren Vereinen
inziehen, — aber weit, gefehlt! Wir haben in Saar—
rücken 1 soundsoviele esanwprenn die alle wieder er—
»achen müssen; denn unser Volk krankt doch an Vereins⸗
aeierei. Wie wäre es in unserem alten Stadtteile Saar⸗
rücken so schön gewesen, wenn sich die einzelnen
ßesangvereine nach freier Wahl zu einem
»der zwei größeren leistungsfähigen Ver—
zinen vereinigt hätten. Zu Arbeitsgemeinschaften
yon Vereinen mit verschiedenen Chorleitern würde ich nicht
aten, denn was dabéi herauskommt, weiß jeder Sänger.
Alljährlich feiern die verschiedenen Vereine ihre Fruh⸗
ings⸗, Sommer-⸗, Herbst-, Winter-, Stiftungsfeste uͤsw. Jeder
Lerein hat für sich einen Dirigenten, bezahlt schön seine
Zaalmieten, die Musik, die Programme, die Lustbarkeits
teuern und noch mehr. Diese verschlingen in den kleinen
bereinen, wie wir sie besonders im Stadteile Alt-Saar—
rücken haben, einen Haufen Geld, und ich lege mir die
Fzrage vor: „Für wen?“. Man sagt: „Die alte Tradition
nuß doch hochgehalten werden.“ In wieviel Vereinen werden
ie Dirigenten heute gewissermaßen gezwungen, Lieder ein—
zupauken, die dem Chore absolut nicht liegen, weil es
in allerhand fehlt, und erst bei einer späteren Aufführung
entsteht dem Vereine dadurch mehr Schaden als Nutzen,
veil ihm die Selbstbestimmung gefehlt hat. Deshalb müffen
vir Sänger uns vor allen Diügen darüber Klarheit ver—
chaffen über die Verantwöortung, die wir nicht
iur unseren Vereinen selbst, sondern auch der Oeffente
ichkeit Ie en über haben. Unser höchstes Ziel muß
ein und bleiben, alle erreichbaren Kräfte z u
ammeln, wir müssen wachsen, und nur dann steigen
vir auch im Ansehen der Bürgerfchaft. Hinweg
nit den vielen Festen in den einzelnen Vereinen, die doch
aur viel Geld kosten und häufig mehr Nach- als Vorteilä
hringen! Dies alles könnte mit einem Schlage durch den
reiwilligen Zusammenschluß von Vereinen (der doch einmal
ommen muß und wird) vermieden werden; denn nur
vereinter Kraft gax,oft gelingt, was einer
nie zustande brindgt!“
Nur dadurch könnten alle Sangesbrüder, die wirklicho
dust und Liebe an unserer edlen Sache haben, befriedigt
verden und einen großen Chor vor Aufgaben stellen,
»ie den kleinen Vereinen bisher unmöglich waren. Darum
richte ich als Sangesbruder die Anfrage und Bitte an
ie Vorstände und Sangesbrüder deß AltSaäarbrücker
bexeine, daß sie in den eigenen Reihen überlegen, ent—
chließen und handeln, ob sich ein Zusgmmenschluß von
nehreren Vereinen in unserem Stadtiteite nicht ermög—
ichen ließe. Es würde mich außerordentlich freuen, wenn
»ie in Betracht kommenden Vereine weitere sachliche An—
egungen, vielleicht in der nächsten Sängerzeitung, durch
»en Gau- oder Bundesvorstand oder in einer gemein⸗
amen Besprechung umgehend zum Ausdrucke bringen
vürden. 8. V
Zum Wettstreit⸗Un sug.
Die Tageszeitungen berichten: „Wüste Szenen bei einem
zängerwettstreit. Koblenz, 8. Juli. Ein fsogenannter Ge—
angwettstreit in Schwanheim, bei dem Geldpreise ausge⸗
ungen wurden, endete mit standalösen Auftritten, die an
ie schlimmsten, Tage der Vorkriegszeit erinnerten. Nach
er Preisverteilung fühlten sich einige Vereine benachteiligt,
o daß ein Sturm sauf den Preisrichtertifch
insetzte. Der Tisch wurde umgeworfen, wobei der 75 Jahre
Ite Prof. Manstedt in den Saal flog. Stühle, Fische,
Zztöcke und Schirme wurden in die Gegend des Preis—
ichtertisches geschleudert, so daß zwei an dem Wettstreit
janz unbeteiligte Herren blutüberströmt aus dem Saale
jetragen werden mußten.“
Wir entnehmen der „Saarbrücker Zeitung“: „Großrosseln,
5. Juni. Zu dem Bericht über den Gesangwettstreit in
ẽlversberg wird uns mitgeteilt, daß es 3 richtig ist,
penn gesagt wurde, der M.⸗G.⸗V. Harmonie“ habe den
7. Preis in der 8. Klasse erhalten. Richtig ist, daß die

Ii.

n vorliegender Nummer der Bundeszeitung, geben wir
Nachstehendes den Vereinen zur Kenntnis und fordern
zleichzeitig zu Meldungen auf.
Im, Bericht des Musik-Ausschusses sind die Konzerte c)
und 9) als Veranstaltungen gekennzeichnet, die in ihren
Leistungen das Bestmögliche unseres Bundes
zeitigen sollen. Wir verweisen auch an dieser Stelle auf
den Beschluß, daß Vorträge einzelner Vereine
bei diesen Konzerten Ausgeschlossen sind. Die Durch—
iührung erfolgt in Gruppen von durchschnittlich
200 Sängernn—. Die einfachste Art der Lösung ist die, daß
der Geschäftsstelle des Bundes nicht die Namen der ein—
zelnen Vereine gemeldet werden, die diese Konzerte mit
hestreiten wollen, sondern daß befreundete Vereine
;in gleichen oder nah beieinander gelegenen Orten ver—
uchen, eine Gruppe mit 200 oder mehr Sänger zu bilden
uind diese dann sofort, als „Gruppen“Meldung gekenn—
zeichnet, abgeben. Weiterhin werden besonders die Vereine
in Frage kommen, die durch einen gemeinsamen
Ddirigenten geleitet werden.
Letzten Endes muß die Ehrlichkeit des Urteils über die
Leistungsmöglichkeit des Vereins überhaupt für oder gegen
eine diesbezügliche Meldung sprechen.
Die Programme für diese Veranstaltungen werden in
gemeinsamen Beratungen des Bundesvorstandes mit den
zuständigen Kommissionen und später den beteiligten
Ddirigenten festgelegt. In der Schwierigkeit soll der fonst
aAls „schwer“ bezeichnete Grad nicht überschritten werden.
Wir richten heute schon die Bitte an diejenigen Vereine,
die die Absicht haben, sich an einem der beiden Konzerte
zu beteiligen, ihren Namen (oder die Gruppe) Sänger—
zahl und Dirigenten bis
zum 1. Oktober d. J.
der Geschäftsstelle des Bundes bekannt zu geben, damit
auf Grund der Meldungen die Weiterarbéit sofort in
Angriff genommen werden kann; vor allen Dingen, um
möglichst bald die Programme fertigstellen zu können. Auf
die Weise ist es dann auch den Vereinen möglich, die ent—
tehenden Aufgahen auf lange Zeit zu verteilen und gründ—
liche Vorarbeit leisten zu können.
Der Bundesvorstand.
J. A.: Schrimpf, Bundeschormeister.
Zusammenschluß der Vereine.
Ein Alt-Saarbrücker Sangesbruder sendet uns unten—
stehenden Aufsatz zur Veröffentlichung in unserer Bundes—
zeitschrift. Wir kommen dem Wunsche dieses um das Bundes—
eben verdienstvollen Verfassers um so lieber nach, als
seine trefflichen Anregungen gewiß auch für andere Kreise
»on höchster Bedeutuüng sind. Er schreibt:
„Wo man singt, da laß dich ruhig nieder, böse Menschen
aben keine Lieder!“ Das mag in früheren Jahren sehr
oft der Leitgedanke zur Gründung von Gesang
pereinen, gewesen sein. Vielfach ging es jedoch nicht
darum, unserer edlen Sangeskunst zu dienen, sondern
die Hauptsache war und blieb, bei Tabak und Bier nach
des Tages Last und Arbeit „Liedertafelei“ zu treiben
Den Höhepunkt bildeten dann später die recht gemüt—
lichen Vereinsfeste bei Theater, Kouplets und Tanz, sowie
der Besuch von Fahnenweihen, Stiftungsfesten und son—
tigen Veranstaltungen befreundeter Veretne So gestalteten
die meisten Gesangvereine in unserer lieben Saarheimat ihre
Jahresprogramme und waren froh, wenn es den Mitgliedern
bei den Veranstaltungen gut gefiel. Ab und zu war es
oor und nach der Jahrhunderiwende einmal möglich ge⸗
vesen, mehrere Vereine zu sogenannten Arbeitsge—
meinschaften zusammenzuschließen, die aber nur den
hauptzweck verfolgten, das“ gute Einvernehmen zwischen
den einzelnen Vereinen zu neen um sich bei Vereins—
oeranstaltungen gegenseitig zu unterstützen. So bestand
eine derartige Arbeitsgemeinschaft zwischen der Germania,
Sängerbund, M.G.⸗«V. St. Arnual und Teutonia schon
im Jahre 1867, wo es diesen Vereinen sogar gelungen
var, sich zu einem großen Sängerkonzerte zu vereinigen,
das, nach den einzelnen Vereinschroniken zu “uͤrteilen schon
zu damaliger Zeit großen Beifall fand. Auch bei späteren
Belegenheiten, z. B bei dem 36. Stiftungsfeste der Ger
            
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