Ein Turnier in Saarbrücken.
Mox 450 Jahren wohnte im Saarbrücker Schloß Graf
Johann III., Er hatte viele blutige Kämpfe auszu—
echten mit dem Herzog Ludwig von Zweibrücken, welcher
auch den Beinamen „der Schwarze“ führte. Dieser Herzog
zam auf einem seiner Streifzüge bis Dudweiler und Scheidt,
hlünderte die Dörfer, trieb das Vieh weg und steckte die
däuser in Brand. Viele Leute wurden verwundet, ein
Mann sogar getötet. Unser Graf verband sich mit dem
Kurfürsten Friedrich von der Pfalz, und beide setzten dem
schwarzen Ludwig so zu, daß dieser die Hand zur Versöh—
aung reichte. Die Feindschaft sollte beendigt, Brand, Plün—
derung und Totschlag verziehen sein. Doch der Herzog
on Zweibrücken hielt sein Versprechen nicht lange.
zehn Jahre später rückte er nämlich vor die Stadt
zt. Johann und versuchte sie zu erobern. Er fand
aber tapferen Widerstand.
daher übte der schwarze
derzog seine Rache in der
mgebung aus, verbrannte
die Mühle am Sulzbach,
äscherte Malstatt, Burbach
und Völklingen teilweise
ein und zog verheerend
durch das Köllertal. Wieder
verband unser Graf sich
mit dem Kurfürsten von
der Pfalz. Sie erstürm—
ten Dürkheim, Sobernheim,
Böckelhein und andere
Drte, die dem Herzog von
zweibrücken gehörten. Da
'am endlich der ersehnte
Friede in Heidelberg zu—
tande.
Aus Freude über die
glückliche Beendigung des
sangen Streites veranstal—
tete Graf Johann Ende
Zeptember des Jahres
1471 in Saarbrücken ein
zroßes Fest. Viele Fürsten,
Brafen und Ritter nah—
men daran teil. Die Ritter
führten zur Unterhaltung
Spiele auf, wie Ringen,
Zteinschleudern und Speer—
verfen.
Zuletzt wurde ein Tur—
nier veranstaltet. Von den
Turniervögten, mehreren
auserwählten angesehenen Rittern, waren die nötigen Vor—
hereitungen getroffen worden.Als Turnierhof war eine
große Wiese vor der Stadt, an der St. Arnualerstraße, mit
doppelten Schranken für die Turnierer. und mit Gerüsten
ür die Frauen und anderen Zuschauer hergerichtet worden.
Auf dem Schloßplatz fand die Helmschau statt. Da standen,
in Reihen geordnet, die Helme und Paniere der Turnierer.
Frauen und Jungfrauen besichtigten sie, und bei jedem Helm
“ go Herold den Namen des Ritters, dem der Helm
gehörte.
Mit der Helmschau war die Prüfung der Turnierfähig—
keit verbunden. Nur der Ritter wurde zum Turnier zu—
gelassen, welcher wenigstens vier ritterliche Ahnen auf—
weisen konnte und seinen Adel nicht durch Mißheirat oder
durch unedles Betragen entehrt hatte. Sodann bestimmten
die Turniervögte, in welcher Ordnung die einzelnen Paare
nit einander kämpfen sollten, und verlasen die Turnier—
gesetze, welche die Kampfregeln enthielten.
Der Ritter, von Fritz Böhle.
Am folgenden Tage begann das Turnier. Unser Graf
ind seine Gemahlin, sowie die fürstlichsten und vornehmsten
Häste nahmen unter einem prächtigen Zelt auf einer reich
erzierten Schaubühne Platz. Die Damen, festlich geschmückt,
zildeten einen schönen Kranz. Hinter den Schranken stand
zie schaulustige Volksmenge. In feierlichem Zuge mit Trom—
zetern und Pfeifern kamen die Turnierbamten daher. Unter
Trompetenklang und Paukenschlag ritten die gepanzerten
stitter auf schnaubenden Rossen, mit wehenden Helmbüschen
tolz in die Schranken. Ein Herold rief mit lauter Stimme
nit Namen das erste Paar zum Lanzenstechen auf.
Alles ist still und in großer Erwartung. Da geben die
krompeter das Zeichen, und auf ihren Schall tummeln die
»eiden Gegner ihre Rosse zum Einzelkampfe. Mit einge—
egter Lanze, in vollem Galopp stürmen sie aufeinander
los. Die Spitze der Lanze
ragt über das linke Ohr
des Pferdes hinaus, die
Rechte hält den Schaft fest
unter dem Arme, in der
Linken ruhen die Zügel.
Der Stoß ist gegen die
Ztahlbrust des Gegners
zerichtet. Der eine Ritter
krifft so gut und sitzt so
est im Sattel, daß der
andere Ritter aus dem
Sattel gehoben wird und
auf den mit Sand bedeckten
Boden stürzt. Jener hat
gesiegt. Nun ruft der
Herosd das zweite Paar
zum Kampfe auf, dem
zweiten folgt das dritte
Paar. Zersplittert die
Lanze am Brustharnisch, so
gilt das auch als Sieg. Der
Ritter kann sich aber. für
seine zerbrochene Lanze
eine neue reichen lassen
und weiterkämpfen. Zu—
weilen fliegen beide Ritter
beim Zusammenprall zur
Erde, oder es kommt vor,
daß einer, der Steigbügel
und Zügel nicht losläßt,
samt seinem Pferde rück—
lings zu Boden geworfen
wird.
Das Fest, das alle Gäste
ehr befriedigte, dauerte vier Tage. Sieger waren zuletzt
wei Ritter aus dem Gefolge des Herzogs von Lothringen,
ßeter du Fay und Bassonpierre. Ihre Namen wurden
aut verkündet, die Pauken wirbelten, die Trompeten
chmetterten, die Zuschauer spendeten lauten Beifall, und
ie Damen schwenktenmit Tüchern. Beide Sieger näherten
ich ehrerbietig den Damen, welche den Dank verteilten, und
mpfingen kniend unter dem Klange der Musik aus schöner
hand ein teures Kleinod, eine goldene Kette und ein
Schwert, als Siegespreis. Nun ging es mit langem Zuge
zum Schlosse, wo Edelfrauen den Siegern nach Ablegung
zer Rüsiung prachtvolle Festkleider überreichten. Beim Fest—
nahle am Abende hatten die Sieger den Ehrenplatz inne;
ie eröffneten auch nach dem Schmause den Tanz. Das Tur—
nier blieb noch lange den Saarbrückern in der Erinnerung
Konstantin Zimmer.
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