Zeite 94
SaaresSünger⸗Bund INr. 5
nahl Ludwig trägt in der Geschichte den Namen „Der
Zeilige“, trotzdem hier niemals eine päpstliche Heiligsprechung
ꝛrfolgt ist.
Berge und Wälder hallen wieder von den guten Taten
der Landgräfin. Sie speiste und tränkte die Bettler, wusch
ind verband sie. Arme, Kranke und Beladene zu trösten,
zu kleiden und zu stärken, das war ihres Lebens Tagwerk.
Es war immer, als umschwebten segnende Engel sie heim—
lich unsichtbar. Wenn sie auf den Burghof trat mit ihren
Mägden, frischgewaschene Wäsche aufzuhängen, so schossen
Zonnenstrahlen nieder, an welche Elisabeth die Linnen nun
»efestigte. Als sie schlicht und ärmlich wie eine Bettlerin
eines Tages zur Hoftafel schritt, da senkten Engel sich her—
raieder und legten ihr einen blauen, goldblitzenden Sonnen—
nantel um.
Oft schalt ihr Gemahl mit ernstmahnenden Worten, daß
sie so freigebig schaltete und waltete. Da erschrack sie heim—
lich. Und als er eines Tages ihr wieder begegnete, die
Tages weissagte, daß um dieselbe Zeit fern im Ungarlande
dem Könige Andreas ein Töchterlein geboren wurde, das
bestimmt fei, dermaleinst als Landgräfin von Thü—
ringen über alles geliebt und von der gesamten Christ—
deit verehrt zu werden.
Bald darauf fand dann unter Zuziehung vieler Gäste
der Abschluß des Sängertkrieges statt. Der weise Klingsor
eutschied, daß der Tag von der Sonne komme, daß
es ohne Sonne keinen Tag gäbe und somit Ofterdingen
recht behalten müsse. Damit war das Urteil vollzogen,
das man angerufen hatte. Zwar versuchte Wolfram von
Eschenbach noch, den Streit fortzusetzen: als ihm des Nachts
ein Geist erschien, da ward er stille. Am anderen Morgen
var Klingsor spurlos verschwunden. Sein Mantel hatte
ihn zurück in seine Heimat getragen.
Den dramatisch so lebendigen Teil des Sängerkrieges hat
Neister Schwind im alten Sängersaale der Wartburg
in einem großen, figurenreichen Wandbilde dargestellt. Es
Dder Sängerkrieg auf der Wartbura.
Moritz von Schwind.
ist der Augenblick, da Ofterdingen flehend zu den Füßen
der Landgräfin niederstürzt, während der Henker bereits
die Hand nach dem unglücklichen Sänger ausstreckt. Da
iber der Abschluß dieses Streites erst ein Jahr später er—
folgte, dem Bilde jedoch das Persönliche nicht fehlen sollte,
so hat der Künstler beide Vorgänge in eins hier ver—
schmolzen. Wie eine Erscheinung auf Wolken taucht zur
dinken Klingsor in Begleitung des Höllenhundes auf. Die
Freunde Ofterdings werden diese spukhafte Erscheinung ge—
wahr und hoffen auf einen guten Ausgang des Streites.
Klingsor hatte weisgesagt. Im Jahre 1208 ward zu
Preßburg in Ungarn Elisabeth geboren, die heute noch
ils heilige Elisabeth, als eine der edelsten Wohl—
täterinnen der Armen und Kranken Verehrung genießt.
Erst vier Jahre alt, ward sie als Verlobte des Sohnes
oon Hermann J., Ludwig, im reichen Zuge von Ungarn
nach Thüringen überführt. Als Spielgenossin wuchs sie
ieben ihrem Verlobten auf der Wartburg auf. Von ihver
päteren Liebe erzählt fast jeder fußbreit Landes rings der
reste. Beseelt scheint noch heute alles von den. Wunder—
aten dieser seltenen Fürstin hier zu sein, die schon bei
hren Lebzeiten die Verehrung einer Heiligen genoß, bis
die katholische Kirche sie nach ihrem frühen Tode (16.
November 1231) wirklich auch heilig sprach. Auch ihr Ge—
inen Korb für die Armen trug, heischte er sie an: „Was
sast du da?“ Da schaute sie gläubig zu ihm auf und ant—
vortete leise: „Rosen, mein Herr Gemahl.“ Er hieß den
deckel aufheben — und siehe da: Ein Rosenwunder hatte
ich vollzogen. So war der Himmel wieder mit ihr ge—
vesen.
Aber auch Ludwig, Elisabeths Gemahl, war ein edler,
zutmütiger Herr. Einst sah er auf dem Jahrmarkt einen
irmen Krämer, der ihm seine bittere Not sagte. Aus Mit-⸗
eid machte sich Ludwig mittels einer baren Geldsumme
zu dessen Geschäftsinhaber. Und als fränkische Ritter den
trämer seiner Habe beraubt hatten, begab sich Ludwig
nersönlich mit dem Krämer in die Gegend von Würzburg,
vo sie bald „ihren“ Esel wiedererlangten.
Als Ludwig fern im gelobten Lande gestorben war, be—
rängte ihr Schwager Heinrich Raspe sie gar heftig, da
r an die Regierung wollte. Müde seiner Anschläge, ver—
ieß sie die Wartburg und wandte sich nach Marburg.
dort unter den schweren Kasteiungen ihres Beichtvaters
donrad, hauchte sie bald, kaum 24 Jahre alt, ihr edles
dulderleben aus. Im Dom zu Marburg ruht ihr
rdisch Teil. Kaiser Friedrich II. hat der Toten daselbst
ine goldene Krone am 1. Mai 1336 aufgesetzt, und die
dirche sprach sie heilig. A. Trinius