Full text : 2.1938 (0002)

*

So habt ihr nun meinen Willen.
Suchet den mir zu erfüllen,
dieses wünsch ich für und für.
Ich geh nun zu meinen Helden
in die schönen Himmelszelte,
die mein warten mit Begier.

Zu Schwerin und zu Winterfeldten
geh ich hin in jene Welten,
hier kann ich nicht länger sein,
meinen Ziethen werd ich sehen
und mit Kraft zu (Keith und) Moritz gehen,
ewig mich mit ihnen freun.
Eine gewisse Ähnlichkeit in der Stimmung und im ganzen Ton mit diesem
Testamentslied Friedrichs des Großen zeigt ein Lied, das nach dem Tode der
Königin Luise 1810 gesungen wurde. Wegen seines wehmütigen Cones und der
rührenden Darstellung hat es das Volk, das die edle Preußenkönigin tief ins Herz
geschlossen hat, in seinen Liederschatz aufgenommen. In Großfischlingen, Pir—
masens, Rodalben und Roschbach wurde es vor dem Kriege noch gefungen. Hier
sei ein Text mitgeteilt, den Schulrat Hebel in Kaiserslautern aufzeichnete, und
eine Singweise aus Pirmasens.

Abschied der Königin Luisel).
l —— — —— — —— — — —
—— —— —
— — E —— — —e& 45 ——
—
E.

1. Wilhelm, komm an meine Seite,
gib mir den letzten Abschiedskuß!
Schlummernd hör ich ein Geläute,.
welches mich zum Grabe ruft.
Bester Wilhelm, drück, ach drücke
mich an deine bange Brust,
nimm von meinen kalten Lippen
noch den letßten Abschiedskuß.

2.

Vgl. Erk-Böhme. II. Nr. 347 (nach der hier angeg. Weise wird das Lied in Groß—
fischlingen und Kaiferslautern gesungen); Fr. L. von Soltaus deutsche historische
Volkslieder, zweites Hundert. Herausgeg. von R. H. Hildebrand. Leipzig 1856. S. 449.
Nr. 74; Ditfurth, Hist. Volksl. 1. Bd. Abt. II. Rr. 162; C. Mündel, Elsässische Volkslieder.
 Straßburg 1884. S. XII; C. Köhler u. J. Meier, Volkslieder von der Mosel
und Saar. Halle 1896. Nr. 295; Wolfram. Nr. 466; Becker, Rhein. Volksliederborn.
Neuwied 1892. Nr. 34; J. Ph. Glock, Badischer Liederhort. Band J. Die historischen
Volkslieder des Großherzogtums Baden insbesondere die Kriegslieder der badischen
Truppen in den Feldzügen des 19. Jahrhunderts. Karlsruhe 1910. Nr. 51; Amft,
Volksl. der Grafschaft Glatz. Habelschwerdt 1911. Nr. 147; Schremmer, Volksl. aus
dem Eulengebirge. Nr. 3; Hoffmann-Prahl. Nr. 1292; Fox, Saarländer Bolkskunde.
S. 192; Über die weitere Berbreitung und Geschichte des Liedes berichtet J. Meier
in der Zeitschrift f. Volkskunde. 25. (Berlin 1915.) S. 174ff.
            
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