Full text : 2.1938 (0002)

Ludwig Prinz

Baum und Strauch in Orts- und
Flurnamen des Saarlandes

Eine natur- und sprachgeographische Betrachtungs

Die Benennung von Ortlichkeiten nach Baum und Strauch
entspringt nicht etwa einem dem Bauern vielfach zugedachten (zugeschriebenen)
poesievollen, ästhetischen Naturgenießen, sie dient vielmehr einem nüchter—
nen Zweck: Mit ihrer Hilfe will der Mensch gewisse örtlichkeiten
kennzeichnen, bestimmen und von anderen unterscheiden. Baum
und Strauch sind naturgegebene Mittel dazu. Denn in der reichen Vielfalt
ihrer Erscheinungsformen, sei es als Einzelbaum oder in größeren oder kleine—
ren Gemeinschaften (Wald, Hagen), sei es als gepflegter Obstbaum oder als
lästiger Wildling, sei es als kleines aber auffallendes Strauchwerk oder als niedriger
 buschartiger Weidewald, boten sie sich dem Menschen allenthalben in der
Landschaft ganz von selbst an.
Oft sieht der Mensch in ihnen, namentlich wenn sie zu großen dichten Wäl—
dern vereinigt sind, die unüberwindlichen Hindernisse für den Verkehr, und solche
Waldungen werden dann zu natürlichen Grenzräumen (Scheiden) zwischen benach—
barten Landschaften. Manchmal hat man zum Zwecke des Zurechtfindens, der
Unterscheidung und Abgrenzung Bäume und Sträucher eigens angepflanzt.
Dann spricht man von Grenz-, Ziel-, Lach- oder Banneichen oder buchen.
Hartnäckig haften die Namen an der Ärtlichkeit selbst dann,
wenn der Grund ihrer Benennung — in unserm Falle also Baum und
Strauch — längst geschwunden ist. So kann ein Flurteil noch „an den
Eichen“ oder „an der dicken Buche“ heißen, obwohl seit Urgroßvaters Zeiten an
ihrer Stelle Birnbäume oder Fichten stehen oder der Pflug den Boden furcht
und wogende Getreidefluren jeden Baum und Strauch verdrängt haben. Oft
spricht der Bauer noch von Wald oder Wäldchen oder Hecke oder Bösch, und längst
hat der Mensch durch Hacke oder Axt oder Feuer den Wald verschwinden lassen,
ihn gerodet (Fln. Rod, RVott, Vötchen, On. auf -rath, rroth), ihn geschwendet
(Fln. Schwand, Schwann), ihn gesengt (Fln. Sang, Vogelsang, On. Sengscheid)
oder abgebrannt (Flu. mit Brand)

i) Anmerkung: Die vorliegende Arbeit bezieht sich nur auf die preußischen Kreise des
ehemaligen Saargebiets.
Bei der Aufzählung steht hinter dem Fln. der Ort des Vorkommens und hinter
diesem die Kreisstadt in abgekürzter Form: Mz. — Merzig; Sl. — Saarlautern; Sb. —
Saarbrücken; O. — Ottweiler; We. — St. Wendel.
Es liegt im Wesen und im Ziel dieser Arbeit, daß sie auf Vollständigkeit der Fln.
ein Gewicht legt, sondern sich mit Proben begnügt.
Weitere Abkürzungen: On. — Ortsnamen; Fln. — Flurnamen; Gw. — Grund—
wort; Bw. — Bestimmungswort; ahd. — althochdeutsch; mhod. — mittelhochdeutsch.
            
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