Full text : 2.1938 (0002)

Pfälzische Siedlung in Lettland

nach den ballischen Ostseeprobinzen. Ihre Schiffe legten in Oünamünde an, die
Ansiedlung erfolgte in Hirschenhof, 50 km südöstlich von Riga.
Hirschenhof ist heute die größte zusammenhängende Bauernsiedlung in
Lettland und hatte im Sahre 1935 bei der Volkszählung 1557 deutsche Ein vohner.
Auch hier hatten die Ansiedler das gleiche Schicksal wie alle Kolonisten, wo sie
auch zur Urbarmachung von Land angesetzt worden sind. Aber eben dieser Kampf
um die Scholle und um den zukünftigen Besitz, der für die erste Generation
immer nur durch den restlosen Einsatz aller Kräfte zu bestehen war, ist auch für
die Hirschenhöfer eine entscheidende Bewährungsprobe gewesen. So mancher
hat in diesen Jahren der Not und Entbehrungen die Flucht ergriffen und viele
sind der anstrengenden Arbeit körperlich erlegen. Diejenigen aber, die als Sieger
aus diesem Kampf hervorgegangen sind, haben die neue Heimat liebgewonnen
und das Erbe mit berechtigtem Stolz ihren Söhnen anvertraut.
Heute, da die Stammheimat nach nahezu 200 Jahren zum ersten Mal wieder
die blutsmäßigen Bindungen dorthin sucht, dürfen wir nicht nur den Familien
begegnen, die unsere Namen tragen und die größtenteils noch die ursprünglichen
Wirtschaften in Besitz haben, sondern dürfen erleben, daß die Wesenseigenart
unserer Landschaft und ihrer Menschen das Leben jener Siedlung in aller Ur—
wüchsigkeit durchpulst. Werner Conze, der über diese Siedlumg in der Reihe „Neue
Deutsche Forschungen“ eine größere Arbeit mit dem Titel „Hirschenhof, die Ge—
schichte einer deutschen Sprachinfsel in Livland“ veröffentlicht hat (ygl. auch vom
gleichen Berfasser den Aufsatz „Die Deutsche Volksinsel Hirschenhof in gesell—
schaftlichem Aufbau des baltischen Deutschtums“, im zweiten Heft des ersten
Bandes der Auslanddeutschen Volksforschung), stellt diese Wesenseigenart des
pfälzischen Volkscharakters, die für die Entwicklung der Siedlung Hirschenhof von
entscheidender Bedeutung war, stark heraus und bekräftigt damit die sprachwissenschaftliche
 Untersuchung von W. Mitzka, der auf Grund dialektischer Sprach—
merkmale die Gegend um Worms, Mannheim und Heidelberg als Heimat der
            
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