Medicus sein eigentliches geistiges Schaffen erstreckte, wenn wir von seinen medi—
zinischen Schriften, die außer der Schilderung einer Malaria-Epidemie in Mann—
heim, wenig bemerkenswertes enthalten, absehen. Die Gebiete Volkswirtschaft
und Botanik lagen nicht so weit entfernt, wie uns heute vielleicht erscheinen will.
Sie berühren sich in der praktischen oder wie es damals hieß, „ökonomischen
Botanik“ auf das engste, bei den Fragen von Wert und Unwert der verschiedenen
Nutzpflanzen, von ihren günstigsten Lebensbedingungen und von der Möglichkeit
der Anpflanzung fremder Nutzpflanzen. Mit dem letzten Problem hat sich Medicus
mehrfach auseinandergesetzt. Er vertrat den Standpunkt, daß weitestgehend eine
Anpassung fremder Pflanzen an das pfälzische Klima möglich sei, ja, daß es sogar
möglich sei, durch solche fremde Kulturen die gesamten klimatischen Verhältnisse
einer Veränderung zu unterwerfen. Von dieser Seite her kam Medicus auch zur
Beschäftigung mit forstwirtschaftlichen Fragen, wobei er sich einen in der Ge—
schichte der Forstwirtschaft bis heute erhaltenen Namen gemacht hat. Sein Werk
vor allem ist es, daß die Robinie oder unechte Akazie in der Pfalz und in Oeutschland
Eingang und Verbreitung fand').
Wie Medieus zum Ehrenmitglied der Physikalisch-ökonomischen Gesellschaft
und damit zum Volkswirt wurde, ist uns nicht deutlich greifbar. Vielleicht
waren es frühe Bemühungen um die praktische Botanik, vielleicht waren es seine
tleinen Abhandlungen im Mannheimer Kalender, oder seine „Abhandlung vom
Bevölkerungszustand in der Churpfalz“ (Mannheim 1769,, die die Lauterer Ge—
iellschaft aufmerksam machten. Vielleicht aber wollte man auch nur einen Mann
gewinnen, der in Mannheim in Gunst stand. Im Alter ist dann allerdings das
volkswirtschaftliche Interesse stark in den Hintergrund getreten. Zwar hatte er
noch 1804 frühere Ausführungen wieder herausgegeben und auch mit Zusätzen
versehen, aber von einer gründlichen Beschäftigung mit den volkswirtschaftlichen
Problemen ist nichts mehr zu merken. Medicus beschäftigt sich dafür um so eigensinniger
mit der Botanik. Kennzeichnend für diese Haltung ist, daß er im Jahre
1792 bei einem Vortrag vor der ökonomischen Gesellschaft nicht mehr über eine
wirtschaftliche Frage, sondern über die Geschichte der Botanik seiner Zeit spricht.
Was den Arzt Medicus zum Botaniker — als der Medicus uns hier be—
schäftigt — gemacht hat, ist uns ziemlich gut überliefert. Es scheint, als habe eine
Laune des Schicksals, die Medicus zum Mitglied der Akademie für die Fach—
richtung Botanik machte, — da praktische Arzneikunde nicht als akademisches
Fach galt, — diese Wendung bewirkt. In seiner Selbstbiographie, die uns über
diese Zeit noch unterrichtet, betont Medicus selbst, daß diese Ehrung seinem
„künftigen Leben eine ganz andere Richtung“ gab. In seiner Tatkraft nahm er
die neue Würde als Verpflichtung und suchte mit ganzem Eifer nach Aufgaben.
Auf sein eigenes Betreiben hin gab ihm der Kurfürst dann den Auftrag zur
Errichtung eines botanischen Gartens, und dies lenkte Medicus nun zur Beob—
achtung der Natur. Seine botanischen Untersuchungen waren, wie er selbst in
seinen Schriften mehrfach andeutet, erst eine Folge seiner beruflichen Pflichtend).
Ganz ohne Vorbildung allerdings begann Medicus diese Forschungen nicht,
da ja damals zum medizinischen Studium ein gründlicher botanischer Unterricht
gehörte. In Tübingen hatte er mit Koelreuter zusammen bei Gmelin botanische
Vorlesungen gehört und mit Koelreuter war er in freundschaftlicher Verbindung
geblieben. Zudem hatte Medicus 1766/67 eine längere Reise nach Frankreich
gemacht, wo er u. a. Berührung mit den Botanikern Du Hamel, B. Jussien und
Adanson bekommen hattes). Als Direktor des Gartens wurde Medicus dann immer
mehr VDaturforscher und immer stärker verwickelte er sich in die wissenschaftlichen
Auseinandersetzungen seiner Zeit.