Full text : 2.1938 (0002)

Medicus dann Direktor des neu gegründeten botanischen Gartens. Dieses Amt
nahm ihn so in Anspruch, daß er darüber seine ärztliche Tätigkeit zurückstellen
und nach 1767 ganz aufgeben mußte. Das Jahr 1769 brachte Medicus eine neue
Ehrung; er wurde Mitglied der „Physikalisch-ökonomischen und Bienengesellschaft“
 zu Kaiserslautern, einer Vereinigung, die sich die Berbreitung verbesserter
wirtschaftlicher Grundsätze zum Ziele gemacht hatte. Auch bei diesem Amte
widmete sich Medieus mit ganzer Tatkraft den ihm auferlegten Pflichten und
wurde 1770, als der seitherige Vorsitzende der Gesellschaft, der Apotheker Riem,
ausschied, zum Direktor der Gesellschaft gewählt. Im Jahre 1774 wurde Medicus
dann Direktor der Kameral Hohen Schule, die auf sein Betreiben von der
Physikalischökonomischen Gesellschaft in Lautern gegründet worden war. Trotz
seiner Amter in Kaiserslautern und Zweibrücken, wo er inzwischen Regierungsrat
mit Sitz und Stimme geworden war, behielt Medicus seinen Wohnsitz in Mann
heim bis zu seinem Tode am 15. Juli 1808.
Die zahlreichen Ehrungen des jungen Arztes, die das Auffallendste dieses
Lebensschicksals sind, können aus der Tatsache, daß Medicus schon früh durch
seine Leistungen und Schriften die Aufmerksamkeit auf sich zog, allein nicht geklärt
werden. Wir müssen vielmehr annehmen, daß er sich in Mannheim schnell das
Wohlwollen hoher Gönner erwarbh, die ihm, sei es im freundschaftlichen Gedenken
an den inzwischen verstorbenen Bater, den Rheingräflichen Rat Medicus, oder
aus Freude an dem Tatwillen des jungen Arztes, Förderung angedeihen ließen?).
Zwei dieser ehrenvollen Ernennungen, die Medicus zu Teil wurden, gaben
seinem Leben eine entscheidende Wendung und wurden bestimmend für das
Schaffen seiner Mannesjahre: Die Ernennung zum Mitglied der Akademie der
Wissenschaften in Mannheim und die Ernennung zum Ehrenmitglied der Physi—
kalischͤkonomischen Gesellschaft zu Lautern. Die Lauterer Gesellschaftꝰ), war
1768 zunächst als eine Art Bienenzuchtverein gegründet. Bald jedoch beschränkte
sich die Gesellschaft nicht allein auf die Bienenzucht, sondern schenkte allen grund—
legenden volkswirtschaftlichen Fragen ihre Aufmerksamkeit und widmete sich be—
sonders der Pflege der Landwirtschaft. Medicus selbst war an der Ausarbeitung
der in diesem Sinne gehaltenen Satzungen der „Physikalisch-ökonomischen Ge—
sellschaft“ wesentlich beteiligt, und als er 1770 die Leitung übernahm, widmete
er sofort seine ganze Tatkraft den ihm damit erwachsenden Aufgaben. Ein großes
Verdienst hat sich die Gesellschaft durch die Einführung des Kleebaues in der
Pfalz erworben. Man war der Ansicht, daß das Geheimnis einer guten land—
wirtschaftlichen Bewirtschaftungsart in der Gewinnung von recht viel Dung
liege. Den Dung wollte man durch Stallfütterung gewinnen, die wiederum nur
möglich war durch den Anbau von genügend Kleefutter, den man daher in jeder nur
möglichen Weise, durch Schrift, eigenes Beispiel oder Ermunterungspreise zu
fördern suchte. DOaneben bemühte man sich um die Einführung neuer Manufakturen.
 Den Bestrebungen der Gesellschaft dankte eine Tuchfabrik in Kaisers—
—
Frankfurt einen eigenen Verkaufsstand unterhielt. Das Hauptwerk der Gesell—
schaft, im eigentlichen Sinn das Werk von Friedrich Casimir Medicus, aber ist
die Kameral-Hohe⸗Schule, die im Jahre 1774 in Kaiserslautern gegründet wurde.
Diese Schule, auf der alle mit der Staatswirtschaft in BVerbindung stehenden
Fächer einschließlich der naturwissenschaftlichen Hilfsgebiete gelehrt wurden, war
die erste ihrer Art in Deutschland und zugleich das Vorbild für ähnliche Grün—
dungen. Der bedeutendste Lehrer der Anstalt, von Medicus herangezogen, war
Johann Heinrich Jung, genannt Jung-Stilling. In praktischer Hinsicht erwarb
die Schule sich ein Verdienst um die bessere Ausbildung von Verwaltungsbeamten
            
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