Full text : 2.1938 (0002)

Bertiniani, bezeugt. Seit dem Anfang des 10. Jahrhunderts gehörte das heutige
Elsaß zum neuen Herzogtum Schwaben, der alte Saargau dagegen zum Herzogtum
 Lothringen; die alte Zusammengehörigkeit war zerrissen. Allmählich
trennten sich infolgedessen die Mundarten: das Elsaß stand weiterhin unter dem
Einfluß des rechtsrheinischen alamannisch-schwäbischen Landes und seine Mundart
 blieb alamannisch; die Landschaft an der Saar wurde dagegen sprachlich
vom Vorden beeinflußt. An der unteren Saar erhielt die Mundart die Gestalt,
die man heute moselfränkisch nennt; an der oberen Saar war der Einfluß der
benachbarten alamannischen Mundart größer und es entstand eine Form, die
man zu der rheinfränkischen Mundartgruppe rechnet.
Man kommt also zu dem Schluß, daß Chlodowechs Sieg zwar eine Anzahl
von alamannischen Sippen zur Auswanderung bewogen, aber die Stammes—
grenze zwischen Franken und Alamannen nicht verändert hat. Die ungefähr
der Nordgrenze der heutigen Saarpfalz entsprechende Grenze zwischen Alaman—
nen und brukterischen Franken bestand schon vorher, die zwischen dem Elsaß und
dem Speiergau entstand im 8., die zwischen Elsaß und Lothringen sowie dem
Saarland am Anfang des 10. Jahrhunderts. Die heutige Stammesgrenze
zwischen den Alamannen und Franken geht nicht auf Chlodowech
zurück, sondern ist im wesentlichen die im 10. Jahrhundert ent—
—R
tümer Franken und Lothringen.
Nun sind wir am Ende unserer Ausführungen, die räumlich weit über die
heutige Saarpfalz hinausgreifen mußten. Es zeigt sich, daß es falsch ist und zu
Irrtümern führt, wenn man die germanische Frühzeit mit dem Ende der Völker—
wanderung schließen läßzt und meint, während der Merowingerzeit und der
Karolingerzeit habe sich nichts Wesentliches verändert. Gerade die Merowinger—
zeit, während der zum ersten Mal die meisten deutschen Stämme in einem Reich
vereinigt waren und das überstammliche deutsche Herrschertum entstand, muß
viel mehr beachtet werden als bisher.
            
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