Full text : 2.1938 (0002)

durch einige seiner Mönche alle Schenkungsurkunden zusammenstellen lassen, die
das Kloster erhalten hat. Die Handschrift ist im Jahre 1842 von Kaspar Zeuß
im Auftrag der Pfälzischen Gesellschaft für Geschichte in Speier wissenschaftlich
herausgegeben worden)); jahrzehntelang waren die in den „Weißenburger Ur—
kunden“ enthaltenen Eigennamen die frühesten Belege für die hochdeutsche
Lautverschiebung. Das Verzeichnis enthält 272 Urkunden, davon elf doppelt und
eine dreimal, also 259 verschiedene, aus der Zeit von 605 bis 861; die ersten 191
sind zum Abschnitt „De pago Alisgcinse“, der Rest zum Abschnitt „De pago
Saroinse“ zusammengefaßt. Dieser betrifft aber nicht nur den Saargau, son—
dern etwa zwölfmal auch den „pagus Salinensis“ am Flusse Salia. der heute
Seille heißt.
Das Elsaß wird in den Weißenburger Urkunden durchweg pagus (Gau),
nicht ducatus (Serzogtum) Alisacinsis genannt, während Weißenburg selbst als
im Speiergau (pago Spirense) gelegen bezeichnet wird. Aber viermal ist, und
zwar in den Jahren 733 bis 742 ein Herzog (dux) Liutfrid genannt, der dem
Kloster Schenkungen im pagus Alicasinsis gemacht hat; von den gleichzeitigen
Alamannenherzögen ist er verschieden. Auch der Seillegau unterstand ihm nicht;
eine Weißenburger Urkunde erwähnt für 729 den dortigen Herzog Thiothar. Das
Herzogtum Elsaß muß außer dem gleichnamigen Gau noch mindestens einen
zweiten Gau umfaßt haben (denn worin hätten sich sonst Herzogtum und Gau
unterschieden?); dieser kann der Saargau, der Speiergau oder alle beide gewesen
sein. Die erhebliche Zahl von ungefähr sechzig Schenkungen, welche Einwohner
des Saargaus dem Kloster Weißenburg zugewendet haben, deutet enge Be—
ziehungen des Gaus zu diesem Kloster an; wahrscheinlich hat der damalige Saar—
gau volksmäßig zum linksrheinischen Land, nicht zur Gegend an der Mosel gehört
und war ein Gau des Herzogtums Elsaß, also alamannisches Stammesgebiet.
Dagegen ist der Moselgau nur in zwei Weißenburger Urkunden erwähnt,
und beide enthalten auch Schenkungen im Saargau und Seillegau. Der Mofelgau
 hat also keine Beziehungen zum Kloster Weißenburg gehabt und im 8. Jahrhundert
 höchstwahrscheinlich nicht zum Herzogtum Elsaß gebört.
Im Sahre 1875 hat Wilhelm Arnold ein Buch „Ansiedlungen und Wan—
derungen deutscher Stämme“ veröffentlicht und darin die Ansicht ausgesprochen,
daß im deutschen Südwesten die auf -jingen endenden Ortsnamen von den
Alamannen, die mit dem Worte -heim gebildeten von den Franken gegründet
worden seien. Aber es gibt Ortsnamen auf -heim auch im heutigen Bayern
südlich der Donau und sehr zahlreich im württembergischen Neckarland und im
Elsaß?). Arnold vermutet, alle diese Orte hätten Franken nach Chlodowechs
Sieg gegründet, nachdem sie die bisher dort wohnenden alamannischen Sippen
vertrieben hätten; jedoch ist das Land südlich der Donau erst im Januar 5537
durch friedlichen Bertrag von den Ostgoten an die Merowinger abgetreten worden,
wobei niemand vertrieben wurde, und die Ortsnamen auf -heim sind im Elsaß
und im Necarland viel zu zahlreich, als daß ihre früheren Bewohner vertrieben sein
könnten. Viele Forscher haben mit Recht diese Auffassung abgelehntẽe). Oie eine
Hälfte der Ansicht Arnolds. nämlich daß die Orte auf heim von Franken gearündet

i) Traditiones possessionesque Wizenburgenses, hg. von Kaspar Zeuß. Speier 1842.
2) Sigmund Riezler, Sitzungsberichte der Bayrischen Akademie der Wiffenschaften.
Phil. hist. Klasse. 1909. 2. Abhandlung. S. 15-17.
Ludwig Wirtz, Bonner FJahrbücher 122 (1912) S. 170-173; Adolf Bach, Wörter
und Sachen 8. Jahrgang (1923) S. 163 f.; Karl Schumacher, Siedlungs- und Kulturgeschichte
 der Rheinlande von der Urzeit bis ins Mittelalter. 3. Band, S. 100

*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.