Altripp, Speier, Pfortz, Argentaria, das jetzt Straßburg genannt wird, Breisach,
Basel“ und so weiter. Daß Worms zum Alamannen- oder Schwabenlande gehört
habe, hat der Kosmograph von Ravenna als einziger behauptet, während alle
übrigen Zeugnisse über diese Stadt und ihren Bischof auf das Frankenland hin—
weisen; bei Worms liegt zweifellos ein Irrtum vor.
Im dahre 757 hat Papst Gregor III. ein Rundschreiben gerichtet „an die
von uns sehr geliebten Bischöfe, die in dem Lande der Bayern und in Alamannien
eingesetzt sindiy. Die Überschrift lautet: „Wiggo Läudoni Rydolto et Phyphylo
seu Addae Gregorius papa“. Aus anderen Schriftquellen wissen wir, daß Wifilo
damals Bischof von Passau, Wiggo von Augsburg, Rydolt von Konstanz, Adda
oder Eddo von Straßburg und Liudo von Speier waren. Dieser Papstbrief ist
im Urtext überliefert und das völlig klare Zeugnis dafür, daß die Stadt
Speier im Jahre 7357 zum Lande Alamannien gehört hat. Gegen
die Nachricht vom Herzog Gunzo könnte man das Bedenken äußern, daß Wettin
sein Werk erst im 9. Jahrhundert verfaßt hat, gegen die Urkunde Childerichs, daß
nicht ganz ausgeschlossen sei, daß nicht Bonifacius, sondern Amelrich der für
Speier zuständige Herzog war, gegen die Kosmographie von Ravenna, daß der
sichere Irrtum bei Worms auch einen bei Speier möglich erscheinen lasse. Alle
diese Bedenken werden durch den Papstbrief zerstreut. DODie Stadt Speier
hat unzweifelhaft bis mindestens 7537 zum Lande Alamannien ein—
schließlich des Elsasses gehört. Da das offene Land damals bestimmten
Städten zugeteilt war, gilt dies auch für einen großen Teil der heutigen Saar—
pfalz, mindestens den, welcher dem Bischof von Speier unterstand.
Worms war dagegen nicht alamannisch. Es liegt nördlich, Speier südlich von
der Neckarmündung. Die linksrheinische Grenze zwischen den Alamannen und
den Franken, die irgendwo zwischen Speier und Worms verlief, bildete also
ungefähr die Fortsetzung des unteren Neckars, der im Jahre 451 als Südgrenze
der brukterischen Franken bezeugt ist. Offenbar haben diese und die Alamannen,
als sie vom März bis Mai 456 das linksrheinische Land in Besitz nahmen, sich
nicht untereinander gestritten, sondern in friedlichem Einvernehmen miteinander
ihre bisherige Grenze ungefähr nach Westen verlängert. Da die brukterischen
Franken an Chlodowechs Krieg gegen die Alamannen nicht beteiligt waren, hat
sich die zwischen Worms und Speier verlaufende Grenze nicht geändert. Deshalb
werfen die Zeugnisse des 7. und 8. Jahrhunderts über Speier auch ein Licht auf
die im 5. und 6. Jahrhundert bestehenden Verhältnisse.
Alle Kenner der mittelalterlichen Geschichte und der heutigen Mundarten
sind höchlichst überrascht, zu erfahren, daß die Stadt Speier und ihr Bezirk bis
mindestens 757 zum Alamannenlande gehörten. Denn während des Mittelalters
war die heutige östliche Saarpfalz unzweifelhaft ein Teil des Herzogtums
Franken, und ihre Mundart wird von der Sprachwissenschaft „südfränkisch“ ge—
nannt. Wie die Anderung geschehen ist, zeigen die Schriftzeugnisse des 9. Jahrhunderts.
Es genügt, als Beispiel anzuführen, was die Annales Bertiniani über
die Reichsteilung des Jahres 830 berichten; sie zählen hintereinander auf „ducatum
Ribuariorum, Wormazfelda, Sperohgouwi, ducatum Elisatiae, ducatum
Mamanniae“. Damals waren also der Gau Wormsfeld und der Speiergau von
den Herzogtümern Ribuarien, Elsaß und Alamannien losgelöst und bildeten
eigene Verwaltungsbezirke. Als sich am Anfang des 10. Jahrhunderts die neuen
Stammesherzogtümer Schwaben, Franken und Lothringen bildeten, kam der
Speiergau zum Herzogtum Franken. Seitdem ist er fränkisches Land.
) Monumenta Germaniae historioa, Epistolae III. S. 292.