wegenen Alamannen so in Furcht gejagt zu haben, daß ODu ihn zwingst, bei Dir
um das Geschenk des Lebens zu flehen. Es möge genügen, daß jener König mit
dem Stolze des Volkes gefallen ist; es genüge, daß der unzählbare Volksstamm
teils dem Eisen, teils der Knechtschaft unterjocht worden ist.“ Theoderich rät dem
Chlodowech unter versteckter Orohung mit seiner eigenen Macht, mit den übriggebliebenen
Alamannen einen gemäßigten Frieden zu schließen.
Der Römer Ennodius hat ungefähr im Jahre 507 eine Preisrede auf den
König Theoderich gehalten. Eine Stelle darin hat den Inhalt: „Von dir wurde
die Gesamtheit der Alamannen in die Grenzen Italiens ohne Beeinträchtigung
des römischen Besitzes eingeschlossen; ihr widerfuhr, einen König zu haben, nachdem
sie verschuldet hatte, einen zu verlieren. Zum Wächter des lateinischen
Reiches ist sie gemacht worden, die immer gegen die Bevölkerung der Unseren
gewütet hat; für sie ging es glücklich aus, ihr Vaterland fliehend verlassen zu
haben, denn so hat sie die Fruchtbarkeit unseres Bodens erlangt.“ Ein ebenfalls
von Cassiodor verfaßter Erlaß Theoderichs an die Einwohner der Provinz
Norikum in den Ostalpen befiehlt diesen, die durch langen Marsch erschöpften
Rinder der durchziehenden Alamannen gegen ihre eigenen umzutauschen; in den
nächsten Jahrzehnten ist ein Volksstamm der „Echwaben“ an der oberen Save
bezeugt.
Die byzantinischen Geschichtsschreiber Prokopios und Agathias haben über—
liefert, daß sich ein Teil der Alamannen nach Chlodowechs Sieg dem Ostgotenkönig
Theoderich unterstellte; darauf bezieht sich der Satz des Ennodius, daß den
Alamannen widerfuhr, wieder einen König zu haben (nämlich den Theoderich),
nachdem sie durch eigene Schuld einen verloren hatten. Daß die Alamannen
um 500 nicht mehr wie im 4. Jahrhundert mehrere Gaukönige hatten, sondern
nur noch einen einzigen Stammeskönig, wird dadurch bestätigt, daß für die Zeit
um 480 die Lebensbeschreibung des Bischofs Lupus von Troyes einen Alamannenkönig
Gebawult und Eugippius in der Lebensbeschreibung des heiligen Severinus
einen in der Nähe von Passau wohnenden Alamannenkönig Gibuld nennen;
wahrscheinlich war dies derselbe Mann, nur ist sein Name etwas verschieden
wiedergegeben. Nach dem Tode des letzten Alamannenkönigs wurde kein neuer
gewählt, sondern teils Chlodowech, teils Theoderich als König anerkannt. Ein
Teil der Alamannen geriet in Knechtschaft; vermutlich waren das nach dem da—
maligen Kriegsrecht die in der Schlacht gefangenen. Einige Sippen verließen mit
ihrem Vieh die Heimat und wurden von Theoderich an der Save angesiedelt;
leider ist nirgends überliefert, woher sie kamen
Theoderich bittet in seinem Brief den Chlodowech, mild zu sein gegen die,
„welche sich in unsern Gebieten verbergen“. In das von den Ostgoten bewohnte
Italien sind fränkische Krieger damals sicher nicht eingedrungen; Theoderichs
Bitte beweist, daß er in den fraglichen Gebieten keine Macht hatte. Wieso
nannte er sie trotzdem „unsere“? Er war nicht nur Ostgotenkönig, sondern vom
oströmischen Kaiser auch zum Statthalter Italiens ernannt worden; nach spät—
römischer Einteilung gehörten auch die Provinzen Vätien und Norikum zwischen
Alpen und Oonau zu der „ODiözese“ Italien. Bisher hatte Theoderich die Ala—
mannen dort wohnen lassen; nun aber machte er als römischer Statthalter auf
das Land Anspruch und hatte, weil sowohl die Alamannen wie auch Chodowechs
Leute durch den Kampf erschöpft waren, gegenüber beiden Erfolg.
Welche Grenze Theoderich und Chlodowech im Alamannenlande festgelegt
haben, ist nirgends überliefert. Viele Forscher haben Bermutungen geäußert;
aber alle sind unbeweisbar. Die Saarpfalz kam sicherlich unter Chlodow sechs
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