Full text : 2.1938 (0002)

Form verfaßt hat, sehr gelobt; eine solche Gewandtheit hätte ein Franke, der
nicht schon lange im römischen Reich lebte, nicht in wenigen Jahren in Trier
erwerben können. Sidonius hat das von Arbogast beherrschte Gebiet ausdrücklich
in Gegensatz zu den Grenzgebieten am Rhein und in Belgien gesetzt, in denen
das römische Recht gestürzt worden war; Arbogast muß es also beibehalten haben.
Er war katholisch; alle von Rom unabhängigen Franken waren aber um 475
noch Heiden. Die von Auspicius angedeutete Möglichkeit, daß der jüngere Arbo—
gast von dem älteren abstammte, setzt voraus, daß sein Vater Arigius und die
weiteren Vorfahren im Römerreich gelebt haben, denn der ältere Arbogast war
als kaiserlicher Feldherr und Statthalter römischer Staatsbürger gewesen.

Der jüngere Arbogast war zwar stammesmäßig ein Germane (sein Name
und die Worte des Sidonius Apollinaris bezeugen dies unzweifelhaft); aber er
war kein von Rom unabhängiger über den Rhein gekommener Franke, sondern
einer der vielen Germanen, die im römischen Staatsdienst standen und lateini—
sche Bildung genossen hatten. Er war von den Römern als „comes“ von Trier
eingesetzt worden; also haben diese die Stadt nach der vierten Eroberung durch
die Germanen noch einmal wieder, und zwar zwischen 459 und 470, zurückgewonnen.

Nach dem Tode des Agidius im Herbst 464 war die Würde eines Statthalters
von Gallien auf seinen Sohn Syagrius übergegangen. Aber der westliche Teil
der salischen Franken erkannte ihn nicht als Oberherrn an, sondern wählte den
Childerich, den Agidius vertrieben hatte, zum König; dieser erkannte ebenso wie
der Fürst der nordgallischen Sachsen, der König der Kelten in der Bretagne und
die Könige der Westgoten und der Burgunder der Form nach den Kaiser An—
themius als Oberherrn an, der seit 467 in Italien herrschte. Tatsächlich waren
aber alle diese Könige selbständig und unabhängig. Childerich bemächtigte sich der
Herrschaft über Paris, wie die Lebensbeschreibung der heiligen Genoveva be—
richtet, und um 469 der Stadt Orleans; Syagrius hatte Soissons als Hauptstadt.

481 starb Childerich; sein Sohn Chlodowech wurde König des Westteils
der salischen Franken. Fünf Jahre später besiegte dieser gemeinsam mit seinem
Vetter König Ragnachar von Cambrai, offenbar einem Nachkommen des Königs
Chlojo, den Syagrius und verleibte dessen Reich dem seinen ein. 491 unterwarf
Chlodowech die an der Maas wohnenden Thüringer und um 404 die nordgallischen
 Sachsen; 500 kämpfte er mit den Burgundern und 507 siegreich mit
den Westgoten. Diese mußten ihm alles Land zwischen der Loire und der Garonne
abtreten. Da die salischen Franken seit über 120 Jahren innerhalb des Römerreichs
als Föderaten gelebt hatten, unterstellten sich die Gallier ihrem König ohne
ernstlichen Widerstand. Im Jahre 509 stiftete Chlodowech den Chloderich, den
Sohn des in Köln herrschenden Frankenkönigs Sigibert, heimlich an, seinen alten
Vater ermorden zu lassen; dann ließ er ihn selbst töten, eilte in sein Land und
ließ sich von den dortigen Franken zum König wählen. Anschließend wandte sich
Chlodowech gegen den Frankenkönig Chararich, ließ ihn mit seinem Sohne töten
und gewann auch dieses Reich. Sigibert, der in Köln herrschte und zu dessen Reich
auch die silva Boconia, der Buchenwald an der Fulda, gehörte, kann nur der
König der brukterischen Franken gewesen sein, Chararich nur der König der chattwarischen
 Franken, in denen spätestens seit 481 auch die Chamawer aufgegangen
waren. Danach bekämpfte Chlodowech seinen Better Ragnachar von Cambrai
und ließ ihn und seine Brüder Richari und Rignomer töten; so kam auch der
Ostteil der salischen Franken unter seine Herrschaft. Kurz darauf starb er im
November 511.
            
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