Full text : 2.1938 (0002)

Die vierte Eroberung von Trier war noch nicht die letzte. Zwischen 470 und
Ns hat der Bischof Auspicius von Toul einen in Versen abgefaßten Brief an
Arbogast, den Grafen der Trierer (comitem Treverorum) gesandt; einige
Strophen dieses Briefgedichts lauten): „Oem hervorragenden und ansehnlichen
Grafen Arbogast sage hierdurch ich, Auspicius, der ihn liebt, den besten Heil—
wunsch. Großen Dank spende ich dem himmlischen Herrn im Herzen, weil wir
dich nahe der Stadt Toul in großer Würde sehen ... Oein bei allen angesehener
Bater war Arigius, dessen bekannten Ruhm du entweder erneuerst oder über—
triffst . . . Beglückwünschen muß man Dich, du Stadt Trier, daß du von einem
solchen, den Alten vergleichbaren Manne geleitet wirst. Von einem großen
Samen seines Namens stammt er ab, glaube ich; sicherlich besitzt er die Tüchtigkeit,
die man von Arbogast liest ... Aber dieses Verdienst können wir ihm hinzu—
schreiben, durch das er in Wahrheit größer ist: er ruft den Namen Christi an, dem
Slauben hingegeben ... Den heiligen und von uns allen obersten Bischof
Jamblichus ehre und liebe von Herzen, damit du künftig geliebt werdest ...“
Der ältere Arbogast war ein Feldherr des Kaisers Theodosius und zwar ein
Heide; er hat von 388 bis 394 Gallien verwaltet. Ob der jüngere Arbogast wirklich
von ihm abstammte, hat Auspicius nur vermutet; scharf betont hat er, daß dieser
ein Christ war und zwar, wie aus der Empfehlung des Bischofs Jamblichus von
Trier an ihn hervorgeht, ein katholischer, kein arianischer.
Auch Sidonius Apollinaris, der seit 469 Bischof von Clermont in der Auvergne
war, hat zwischen 472 und 475 an Arbogast einen Brief, aber in Prosa, ge—
schrieben?). Oessen erste Hälfte lautet in Übersetzung: „Sidonius seinem Arbogast
Heil. Vortrefflich hat mir Dein Freund, großer Herr, den Brief übergeben, den
Du selbst diktiert hast und der sprachgebildet und dreifach mit dem Schmuck
strahlenden Wohlwollens erfüllt ist. Bon diesen Tugenden ist die erste die Hoch—
achtung, welche Dich dazu führt, gegen uns, die entweder aus der Ferne oder
der Nähe unterwürfige Wünsche äußern, wohlwollend zu sein; ferner die Be—
scheidenheit, durch deren Antrieb Du vor Unrechtem scheust und mit Recht ge—
priesen wirst; drittens die stadtrömische Bildung, mit der Du Dich herabläßt,
anmutig zu scherzen und, von der Quelle römischer Redegewandtheit erfüllt, als
Trinker der Mosel den Tiber von Dir gibst. Du bist ein Stammesgenosse der
Fremdlinge, aber dennoch unbekannt mit den fremdartigen Sprachentstellungen
und vergleichbar in Sprache und Hand den alten Heerführern, deren Rechte
gewohnt war, nicht weniger den Schreibgriffel als das Schwert zu führen.
Infolgedessen hat sich der Prunk der römischen Rede, wenn er irgendwo bis heute
in irgendeiner Weise noch vorhanden ist, nach dem Untergang in den belgischen
sowie den rheinischen Landschaften auf Dich zurückgezogen; weil er unversehrt
und vollständig ist, wenn auch an der Grenze selbst das lateinische Recht gestürzt
ist, wanken die Worte nicht.“ Am Schluß des Briefs erwähnt Sidonius die
Bischöfe Lupus von Troyes und Auspicius von Toul und bittet den Arbogast.
den Bischof von Trier gut zu behandeln.
In vielen Büchern liest man, Arbogast sei ein „rheinfränkischer Gaugraf“
gewesen und die Stadt Trier habe um 475 unter fränkischer Herrschaft gestanden.
Wenn man die Briefe des Auspicius und des Sidonius Apollinaris genau liest —
deshalb haben wir hier so viel in Übersetzung wiedergegeben — erkennt man,
daß diese Auffassung völlig unmöglich ist. Arbogasts gewandte Beherrschung
der lateinischen Sprache hat Sidonius. der selbst Gedichte in guter altrömischer

) Monumenta Germaniae historica, Poetae latini aovi Carolini IV, 2. G. 614-617.
) Monumenta Germaniae historica. Auctores antiquissimi VIII. S. 68.

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