Full text : 2.1938 (0002)

bis gegen 295 mit den Römern verfeindet waren, kann Gemobaud nur ein König
der Brukterer gewesen sein.
Nach 380 haben nicht nur die Alamannen, sondern auch die fränkischen
Volksstämme Teile von Gallien besetzt. Der neuernannte Unterkaiser Julian
drachte 356 „die Könige der Franken“ dazu, die besetzte Stadt Köln friedlich
herauszugeben; Namen von Einzelstämmen sind dabei nicht genannt. Nach dem
großen Sieg über die Alamannen bei Straßburg wandte sich Julian 358
wieder an den Niederrhein. In einem Brief an die Athener hat er geschrieben:
„Einen Teil der Salier habe ich aufgenommen, die Chamawer dagegen
hinausgetrieben.“ Ammianus Marcellinus berichtet, daß Julian die Salier in
der Landschaft Toxandrien an der unteren Schelde ansiedelte; Zosimos über—
liefert, daß sie von einem Teil der Sachsen aus ihrer Heimat vertrieben worden
waren. Eunapius beschreibt eingehend wie Julian mit dem König der Chama—
wer am Rhein in persönlicher Unterredung Frieden schloß, indem er den kriegs
gefangenen und von den Chamawern totgeglaubten Königssohn Nebisgast zeigte
und versprach, ihn ehrenvoll an seinem Hofe zu halten.
Die Heimat der Salier lag in der heutigen holländischen Provinz Overijssel,
die noch lange nachher Salland hieß)y. Sie wurden von Julian als Ver—
bündete (Föderaten) in den Verband des römischen Reiches aufgenommen; zwar
dehielten sie ihre eigenen Könige und Stammeszusammenhänge, waren aber den
Römern zum Gehorsam verpflichtet. Bis zum Zusammenbruch des weströmischen
Reiches blieben die salischen Franken „Föderaten“ der Römer und waren staatsrechtlich
 von den übrigen Franken geschieden; sie und namentlich ihre Könige
gerieten allmählich in eine von allen andern Westgermanen abweichende Sonder—
entwicklung hinein, die für ganz Europa später geschichtlich entscheidend wurde.
Zwischen 378 und etwa 300 lebte der Frankenkönig Mallobaud, den wir
schon als Besieger der Alamannenkönige Priarius und Makrian kennen gelernt
haben. Da sein Land an das des Makrian grenzte, muß er der König des südlichsten
Frankenstammes, also der Brukterer, gewesen sein. Die Ähnlichkeit seines Namens
mit dem des 100 SJahre früher lebenden Frankenkönigs Gennobaud, der ebenfalls
nur ein Brukterer gewesen sein kann, läßt vermuten, daß Mallobaud ein Nachkomme
 Gennobauds war.
Der im Jahre 694 gestorbene Bischof Gregor von Tours hat in seiner
Geschichte der Franken für das Ende des vierten Jahrhunderts einige Stücke des
heute verlorenen Werkes des Sulpicius Alexander wörtlich angeführt. Aus dem
Jahre 388 hat dieser berichtet: „Zu jener Zeit brachen unter den Führern
Sennobaud, Markomer und Sunno die Franken nach Germanien herein“;
gemeint ist die römische Provinz Niedergermanien. Dann erzählt Sulpicius von
dem römischen Feldherrn Arbogast, der selbst fränkischer Abstammung war: „Mit
Markomer und Sunno, königlichen Männern (regalibus) der Franken, führte er
ein Gespräch.“ Aus dem Jahre 302 hat Sulpicius Alexander überliefert: „Arbo—
gast verfolgte Sunno und Markomer, Unterkönige (8subreguli) der Franken, in
Verwandtenhaß und begab sich, als der Winter am stärksten herrschte, nach Köln.
Er sammelte ein Heer, überschritt den Rhein und verwüstete die Wohnsitze der
Brukterer, die dem Rheinufer am nächsten sind, und auch den Gau, den die
Chamawer bewohnen. Keiner trat ihm entgegen, außer daß wenige von den
Ampfiwaren und Chattwaren unter dem Anführer Markomer auf den
höchsten Stellen der ferneren Hügel erschienen.“ Hier find wieder die Brukterer

Eudwig Schmidt, Geschichte der deutschen Stämme bis zum Ausgange der Völker—
wanderungszeit. 2. Band. S. 423.
            
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