erwähnen?“ Offenbar waren Askarich und Merogais die Könige der Brukterer
und der Chamaver; andere Schriftquellen berichten dagegen, Konstantin habe
mit den Franken siegreich gekämpft.
Diese Schriftzeugnisse beweisen, daß das Aufkommen des neuen Namens
Franken an dem Dasein der bisherigen Einzelstämme nichts geändert hat. Der
Name Franken bezeichnete kein neues Volk, sondern war eine Sammelbe—
zeichnung für die Germanenstämme, die in der zweiten Hälfte
des 3. Sahrhunderts östlich vom Niederrhein wohnten, nämlich
die Brukterer, die Chamawer und die Friesen. Der Name Franken
ersetzte also nicht die Namen der Einzelstämme, sondern die bisherige Sammel—-bezeichnung
Germanen. Den Grund für den Namenwechsel erkennt man leicht:
Die Römer hatten das linksrheinische Land zu einem Militärbezirk namens
Germanien und seit etwa 85 zu den zwei Provinzen Ober- und Niedergermanien
gemacht; nach lateinischem Sprachgebrauch hießen deren Einwohner Germanen,
unbekümmert darum, daß für die rechtsrheinischen, nicht den Römern unter—
länigen Stämme auch die Sammelbezeichnung Germanen galt. Allmählich muß
dieser sprachliche Zustand als irreführend empfunden worden sein; für die rechts
rheinischen, nicht den Römern untergebenen Menschen kam der Name „Franken“,
das heißt wahrscheinlich die „Freien“, auf. Als nach der hundertachtzigjährigen
Friedenspause zwischen dem Bataweraufstand und der Zeit des Gallienus rechts—
rheinische Stämme feindlich nach Gallien kamen, da nannte man sie dort Franken,
denn „Germanen“ hießen ja die eigenen Staatsbürger, die in den Provinzen
Germania superior und inferior wohnten.
Das Land der Franken hat sich in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts
nur durch das von den Friesen eroberte heutige Nordholland zwischen Zuidersee
und Altem Rhein und durch den bisher mit dem römischen Grenzwall abge—
trennten schmalen Landstreifen vom Neuwieder Becken bis zum Taunus vermehrt;
gegenüber dem ursprünglichen Landgebiet waren diese beiden neuen Stücke klein
und unwesentlich. DOie Franken sind also auf eine ganz andere Weise
entstanden als die Alamannen: während diese vor 3800 ein kleiner Einzelstamm
in Süddeutschland waren und erst in dem bisher römischen Oreieck
zwischen Rhein, Main und Donau zu einem großen Volksstamm heranwuchsen,
war das Aufkommen des Namens Franken kein tatsächlicher Wandel, sondern
nur der sprachliche Ersatz der nicht mehr passenden Sammelbezeichnung
Germanen durch eine neue, wobei die drei Stämme der Brukterer, Chamawer
und Friesen unverändert weiterbestanden und sich ihr Gebiet nur unwesentlich
vergrößkerte.
In den Brukterern müssen die Tenkterer, die Claudius Ptolemäus und
Appianus um 150 und 160 als letzte erwähnt haben, und später der Rest der
Usiper, soweit er nicht in die römische Provinz Belgica prima auswanderte,
aufgegangen sein. Ourch diese Einschmelzung sind die Brukterer, die kurz vor 98
fast vernichtet wurden und noch um 150 „die kleinen“ hießen, wieder zu einem
großen Volksstamm geworden.
Noch vor den Königen Askarich und Merogais ist ein anderer König der
„Franken“ bezeugt. Im Jahre 291 hat Mamertinus in Trier eine Geburtstagsfestrede
auf den Kaiser Maximianus gehalten und darin gesagt: „Die Franken
kamen mit ihrem König, um Frieden zu erbitten.“ Zwei dahre vorher hat der—
felbe Mamertinus ebenfalls in Trier eine Lobrede auf Maximianus gehalten;
ein Satz davon lautet: „Ourch dich hat Gennobaud das Königreich zurücker—
halten, von dir das Amt empfangen.“ Da die Chamawer und die Friesen noch