Full text : 2.1938 (0002)

Legionstribun bei Montiacum in Gallien tausend Franken, die „ganz Gallien
durchstreiften“, besiegt; darauf hätten die Soldaten, als sie in den Perserkrieg
zogen, ein Liedchen gedichtet:
„Tausend Sarmaten, tausend Franken
haben wir auf einmal getötet;
tausend Perser suchen wir.“
Sextus Aurelius Victor berichtet in seinem Buch von den Kaisern aus der
Zeit des Gallienus (285268): „Die Völker der Franken verheerten Gallien und
besetzten Spanien, wobei die Stadt Tarragona verwüstet und beinah zerstört
wurde; nachdem sie im Laufe der Zeit Schiffe erlangt hatten, setzte ein Teil bis
nach Afrika hinüber.“ Hieronymus vermerkt in seiner lateinischen ÄÜbersetzung
der griechischen Chronik des Eusebius Pamphilus, daß die Germanen im Sahre
2601 Tarragona zerstörten. Der Spanier Paulus Orosius hat um 416 in seiner
„Geschichte gegen die Heiden“ geschrieben: „Oie jenseitigen Germanen bemäch—
tigten sich des leergekratzten Spaniens ... auch wir in Spanien zeigen unser
Tarragona zur Tröstung in dem jetzigen Elend“, an einer anderen Stelle sagt
Orosius von den spanischen Provinzen, sie hätten unter dem Kaiser Gallienus
ungefähr zwölf Jahre lang unter den alles umstürzenden Germanen schwer ge—
litten. Es fällt auf, daß Hieronymus und Orosius hier noch nicht den Bolksnamen
Franken verwenden, sondern dem älteren römischen Sprachgebrauch folgend von
„jenseitigen Germanen“ sprechen; die von ihnen benutzten Schriftwerke hatten
also den neuen Namen noch nicht verwendet. Wahrscheinlich ist es kein Zufall, daß
das älteste Zeugnis für den Namen Franken ein in Gallien entstandenes Soldaten⸗
liedchen ist; in der Sprache der in Gallien lebenden Römer hat er sich zuerst durchgesetzt.

Seit etwa No ist der neue Volksname Franken bei den Römern allgemein
bekannt und wird von den Schriftquellen durchweg verwendet. Aber die alten
Namen der Einzelstämme sind keineswegs verschwunden! Um 205 eroberte der
Unterkaiser Constantinus Chlorus als letzten noch von Germanen gehaltenen Rest
Galliens das Batawerland zwischen Waal und Niederrhein zurück. Bier Fesi—
redner haben dies erwähnt. Der eine sagte: „Er säuberte das Batawerland, das
vormals ... von verschiedenen Volksstämmen der Franken besetzt worden war,
von jedem Feind.“ Ein anderer erzählte vom Batawerland, es sei durch die
Wildheit der Franken beinah erschöpft gewesen. Ein dritter sprach: „Viele
Taufende von Franken, die in das Batawerland und andere Gebiete diesseits
des Rheins eingefallen waren, hat er getötet, vertrieben, gefangen oder weg—
geführt.“ Dagegen hat der vierte Lobredner, der die Zustände nach dem Sieg
des Constantius Chlorus am ausführlichsten geschildert hat, den Nanien Franken
nicht gebraucht, sondern gesagt: „Jetzt pflügen für Gallien der Chamawser und
der Friefse.“ Oiese Stelle zeigt, daß im dritten Jahrhundert auch die Friesen mit
in den Sammelbegriff Franken einbezogen wurden; das Batawerland bildete
einen Teil des friesischen Stammesgebiets, ferner können die seefahrenden
„Franken', die zwischen 270 und 370 mehrfach erwähnt worden sind, nur Friesen
gewesen sein, denn die andern zu den Franken gerechneten Stämme grenzten
nicht ans Meer.
Seit 307 herrschte in Gallien Kaiser Konstantin. Eine Festrede, die 310 in
Trier auf ihn gehalten worden ist, erwähnt die Unterwerfung von Askarich
und Merogais und die Berwüstung des Bruktererlandes durch den Kaiser; im
Jahre 321 hat Nazarius in einer Lobrede zu diesem gesagt: „Ou hast die sehr
trotzigen Könige, den Askarich und seinen Genossen, gefangen“ und bei der Auf—
zählung der Siege Konstantins „Was soll ich die Brukterer und die Chamawer
            
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