Full text : 2.1938 (0002)

des Königs Withikab auch den Breisgau an sich genommen haben, sodaß seit
375 die Lentier und die Breisgauer in einem einzigen Reich vereinigt waren.
Mallobaud hat noch einen zweiten Alamannenköönig besiegt, wobei dieser
seinen Cod fand. Ammianus Marcellinus berichtet von Makrian: „Danach gab
er bis an das Ende seines Lebens ein Beispiel schöner Taten eines in der Freund—-schaft
 standhaften Geistes. Er ging aber nachher im Frankenlande zugrunde; als
er dies mörderisch verheerte und allzu hitzig vordrang, fiel er, umzingelt durch
einen Hinterhalt des kriegstüchtigen Königs Mallobaud.“ Ammianus schrieb
diesen Teil seines Merkes etwa im Jahre 390. Mallobaud hatte also nach 378
den Dienst im römischen Heer aufgegeben und die Herrschaft über sein Volk
angetreten.
Sein Kampf mit Makrian ist der früheste bezeugte Zusammen—
stoß zwischen den Alamannen und den Frankent! Ehe wir die weiteren
Ereignisse betrachten, müssen wir zuerst die Frühgeschichte der Franken be—
handeln.

Während des Bataweraufstandes der Jahre 69 und 70, der das linksrheini—
sche Land bis über Trier und Straßburg hinaus, also auch die heutige Saarpfalz,
vorübergehend vom Römerreiche abriß, belagerte ein gemeinsames Heer der
Chatten, Usiper und Mattiaker erfolglos die Stadt Mainz. Cornelius
Tacitus hat in seinen „Historien“ den Bataweraufstand genau geschildert. Er
erzählt auch, wie die Bewohner der Stadt Köln von den gegenüberwohnenden
Tenkterern aufgefordert wurden, die von den Römern eingeführten ent—
würdigenden Verkehrsbeschränkungen aufzuheben. Im Jahre 98 hat Tacitus
in seiner Germania die germanischen Volksstämme aufgezählt. Er nennt die
Mattiaker und die Chatten; dann sagt er: „Den Chatten zunächst wohnen am
Rhein, der dort schon ein festes Flußbett hat und eine Grenze sein kann, die
Usiper und die Tenterer.“ Eine weitere Stelle lautet: „Neben den Tenkterern
wohnten früher die Brukterer; jetzt wird erzählt, daß Chamaver und An—
griwaren eingewandert seien, nachdem die Brukterer geschlagen und völlig
ausgerottet seien.“ Der folgende Abschnitt beginnt mit den Worten: „An die
Angriwaren und die Chamawer grenzen ... die Friesen an.“
Die Mattiaker hatten ihren Namen von der Stadt Aquae Mattiacae (Wiesbaden)
 bekommen; die Chatten wohnten nordöstlich von ihnen, aber nicht am
Rhein. An diese und die Tenkterer grenzten die Usiper, und die Stadt Mainz war
nicht weit von ihnen entfernt. Der Name der Chamawer hat sich in dem des mittelalterlichen
 Gaues Hamaland erhalten, welcher sich östlich der oberen Ijssel und
nördlich der unteren Lippe erstrecktei); die Angriwaren wohnten nach dem über—
einstimmenden Zeugnis sämtlicher Schriftquellen nicht am Rhein, sondern weiter
ostlich und sind später unter dem Namen Engern ein Teil der Sachsen geworden.
Claudius Ptolemäus hat um 150 in seinem Erdkundebuch geschrieben: „Es
bewohnen den Teil Germaniens längs des Flusses Rhein, beginnend von Norden,
die kleinen Burakterer und die Sugambern, unterhalb dieser die Sweben⸗
Langobarden, dann die Tenkerer und Ingrier .. . Das Land am Meer bewohnen
oberhalb der Burakterer die Friesen bis zum Flusse Ems.“ SIrrig sind hier genannt
die Sugambern, welche Kaiser Tiberius auf das linke Rheinufer verpflandzt hatte,
und die Sweben-Langobarden; Ptolemäus hielt einige Worte Strabos über die
rechtsrheinischen Sugambern irrigerweise noch für gülltig und faßte seine Angabe.

) Kaspar Zeuß, Die Deutschen und ihre Nachbarstämme. Mäünchen 1837. S. 336
            
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