des Raumes um Mainz und Straßburg, vermutlich auch um Trier, muß sich aber
die Gewohnheit, die rechtsrheinischen Einwohner Sweben zu nennen, un—
bekümmert um den Herrschaftswechsel weiter erhalten haben. Ganz
vereinzelt, bei Ausonius, im Urbild der Peutingerschen Tafel, bei Claudius
Claudianus und Jordanes, erreicht dieser Sprachgebrauch der Unterschicht die
Oberfläche; von 680 ab wird er allmählich herrschend. In vielen Büchern liest
man, die Bezeichnung der Alamannen als Sweben leite sich unmittelbar aus
dem Namen Sweben für die Vorfahren der Alamannen her; diese Ansicht ist
nicht haltbar. Denn sie kann gar nicht erklären, warum die Bezeichnung
Sweben für die Einwohner des nichtrömischen Süddeutschlands für die Zeit von
38 bis 308 völlig fehlt und zwischen 368 und 680 nur ganz vereinzelt neben
unzähligen Belegen des Volksnamens Alamannen auftritt; man muß zur oben
dargestellten Auffassung übergehen, daß Alamannen der Ausdruck des amtlichen
Lateins. Sweben der im ‚„linksrheinischen Vulgärlatein“ gebräuchliche Name war.
Von dem Kaiser Valentinian berichtet Ammianus Marcellinus aus der Zeit
von 371 -373: „gwischen vielfältigen Sorgen beschäftigte er sich vor allem damit
am ersten und eifrigsten, daß er den König Makrian, der bei den häufigen
Wechseln der Entschlüsse gestärkt war und schon mit vermehrten Kräften gegen
unsere Leute aufstand, durch Gewalt oder List lebend fangen könne wie lange
borher Julian den Wadomar.“ Der von Mainz ausgehende Überraschungsfeldzug
mißglückte jedoch. Danach schreibt Ammianus von Valentinian: „An Stelle des
Makrian setzte er über die Bukinobanten, welche der alamannische Volksstamm
gegenüber von Mainz sind, als König den Fraomar ein; aber wenig später ver⸗
setzte er diesen, weil der letzte Feldzug diesen Gau bis ins Innerste verwüstet
hatte, nach Britannien und stellte ihn an die Spitze einer alamannischen Hilfstruppe
...; auch Bitherid und Hortari, Edle desfelben Bolksstamms, ließ er
Soldaten befehligen“. Hortari wurde aber bald darauf wegen Verrats zugunsten
des Makrian hingerichtet. Im Jahre 374 schloß Valentinian in einer persönlichen
Unterredung am Rhein gegenüber von Mainz mit Makrian Frieden.
Hier erfahren wir, daß der alamannische Gau gegenüber von Mainz Buki-—
nobant hieß; bant ist ein altes Wort mit der Bedeutung „Gau“, das im Namen
Brabant noch heute lebt. Manchmal liest man, der Gau Bukinobant habe seinen
Namen von der silva Boconia, dem „Buchenwald“, bekommen, in dem später
das Kloster Fulda gegründet wurde; aber diese Ansicht ist unhaltbar, denn der
Gau erstreckte sich von Mainz ab nur so weit, wie damals der römische Einfluß
reichte, und sein Name hätte bei Ammianus Marcellinus Bocinobant lauten
müssen. Der König Makrian, der 359 nur im Nordosten des Alamannenlandes
herrschte, hatte also das Land gegenüber von Mainz, das damals König Suomar
und 368 der „königliche Mann“ Rando beherrschten, seinem Gebiet einverleibt;
das ist das früheste Zeugnis dafür, wie einige Königssippen ihre Macht ausdehnten.
sodaß schließlich anstelle vieler Gaukönige wenige Stammeskönige standen.
Denselben Vorgang treffen wir im Alamannenlande wenige Jahre später
noch eimnal. Im Februar 378 überschritten die Lentier den Rhein; Kaiser
Gratianus sandte, wie Ammianus Marcellinus berichtet, gegen sie den Feldherrn
Nannienus, „und mit diesem vereinigte er mit gleicher Befehlsgewalt als Amtsgenossen
den Mallobaud, den Anführer der kaiserlichen Haustruppen und
König der Franken, einen kriegerischen und tapferen Mann“. Durch Mallo—
bauds Angriffsgeist kam es bei Argentaria (Horburg bei Kolmar) zur Schlacht;
die Alamannen wurden besiegt und ihr König Priarius fiel. Wie kamen die
Lentier und ihr König ins südliche Elsaß? Ihre Königssippe muß nach dem Tode