anus Marcellinus: „Die schrecklichen und streitbaren Völkerschaften führten
Chnodomar und Serapio, die an Macht die andern Könige überragten ....
Serapio war der Sohn von Chnodomars Bruder Mederich ... Der Vater,
der lange in Gallien als Geisel festgehalten war und dort gewisse griechische
Geheimkulte kennen gelernt hatte, gab diesem Sohn, der ursprünglich Agenarich
hieß, den neuen Namen Serapio. Ihnen folgten als die nächsten an Macht fünf
Könige und zehn Männer königlichen Geblüts.“ In der Schlacht siegten die
Römer vollständig; der Alamannenkönig Chnodomar wurde gefangen. Er und
Serapio gehörten derselben Sippe an, herrschten also in demselben Gau. Am—
mianus hat ausdrücklich gesagt, daß sie an Macht die andern Alamannenkönige
überragten; hier haben wir das erste Zeugnis, daß in der Macht der Königs—
sippen Unterschiede entstanden waren,
Im nächsten Jahre, 5358, schlossen die Alamannenkönige Suomar und
Hortari mit dem römischen Unterkaiser Julian Frieden. Im folgenden Jahr zog
Zulian wieder gegen die Alamannen; bei der Schilderung dieses Feldzugs über—
liefert Ammianus Marcellinus eine Tatsache, welche für den Raum der heutigen
Saarpfalz wichtig ist Das Herrschaftsgebiet des Königs Suomar lag
gegenüber von Mainz, das des Königs Hortari südlich von Suo—
mars Reichn. JZulian überschritt mit seinem Heer den Rhein und kam in eine
Gegend, in der noch alte Grenzsteine aus der Zeit des Kaisers Probus zu sehen
waren, welche das seit 28 zurückeroberte rechtsrheinische Römerland von dem
Gebiet der Burgunder schieden?), die kurz vorher nach Süddeutschland einge—
wandert waren. Oort erbaten und erhielten die königlichen Brüder Makrian und
Hariobaud Frieden. Sie hatten sich an der Schlacht von Straßburg nicht beteiligt
und noch nie römische Truppen gesehen, beherrschten also einen der östlichen
Alamannengaue. Gleichzeitig kam in Julians Lager König Wadomar aus dem
Breisgau, versehen mit einem Empfehlungsschreiben des Kaisers Constantius,
der mit ihm 354 Frieden geschlossen hatte, und bat um Frieden für die Könige
Urius, Ursicinus und Westralp; er wurde bewilligt, nachdem die drei Könige ihn
selbst erbeten hatien. Darauf zog Julian an den Niederrhein zum Kriege gegen
die Franken. Es fällt auf, daß der König Serapio nach der Schlacht von Straß—
burg nie mehr erwähnt worden ist und auch kein anderer König an seiner Statt;
Thnodomars und Serapios Gau muß also beim Frieden von 359 unter die andern
Alamannenkönige aufgeteilt worden sein.
In der Zeit von 354 bis 3509 gliederten sich also die Alamannen in folgende
Teile: im Südosten die Lentier, im Südwesten die Breisgauer unter der Sippe
des Wadomar, in der Mitte östlich vom Rhein der Gau von Chnodomars und
Serapios Sippe, der 359 aufgeteilt wurde, östlich von diesem die Gebiete der
Könige Urius, Ursicinus und Westralp, gegenüber der heutigen Saarpfalz der
Gau des Hortari, gegenüber von Mainz der des Suomar und östlich von diesen
beiden der Gau der Brüder Makrian und Hariobaud. Das sind neun Gaue (nach
369 acht), also ebenso viele, wie Flavius Vopiscus zur Zeit des Kaisers Probus
erwähnt haätte. Die innere Gliederung des Alamannenvolkes hatte sich also
grundsätlich nicht geändert.
Der Tod des Kaisers Julian (3605) beendete den Friedenszustand zwischen
den Alamannen und den Römern. 368 überrumpelte der Alamanne VRando die
Stadt Mainz, als die Bewohner ein christliches Fest feierten: Ammianus Mar—
) Felix Dahn, Die Könige der Germanen, 9. Band, J. Abt., Leipzig 1902, S. 45.
) Eduard Norden, Alt-Germanien. Leipzig 1934. S. 7f.