Full text : 2.1938 (0002)

RKultur unserer Orchideen ist langwierig und wenig befriedigend; sie setzt
auberdem genaue biologische und ökologische Kenntnisse der einzelnen Arten
voraus. Nach meinen Erfahrungen gedeihen die Knollentragenden besser als
die Rhizomorchideen; so gingen Epipactis rubiginosa und microphylla, Cephalanthera
 rubra und Cypripedium Calceolus (Wildexemplare) nach 2-3
phalanthera rubra und Cypripedium Calceolus (Wildexemplare) nach 2wei bis
drei Jahren ein, wogegen Orchis fusca, Orchis fusca x militaris, Himantoglossum
 und Anacamptis mehr befriedigten. Doch spielt hierbei der Zufall eine
große Rolle, wie man bei Orchideen überhaupt auf Uberraschungen jeglicher
Art gefastʒt sein mußßs). — Das Zurüũckgehen der Orchideen auch im Saargebiet
lätßt sich nicht leugnen. Es ist ein Ubel, das wir mit allen Uberkulturlandstrichen
 teilen, das auch nur zum Teil gemildert werden kann. Es hieße natürlich
 mit Recht den botanischen Pgoismus ad absurdum treiben, wünschte man
die blühende Gefilde unserer Saar etwa mit unrentabler, struppiger aber
orchideenreicher Mittelmeer- Macchie bedeckt zu sehen. Man kann aber, ohne
dem sozialen Fühlen Gewalt anzutun, auch der pflanzlichen Sozietät liebevoller
 entgegenkommen. Die unfruchtbaren, kahlen Höhen, auf denen die
selteneren Arten sich wohl fühlen, Könnten ruhig brach gelassen werden, zumal
die zur „Nutzbarmachung“ aufgewandte Arbeit dem erhofften Ertrag gegenüber
 in lächerlich hohem Mißverhältnis steht. Als Folge eines höchst überflüssigen
 Tätigkeitsdranges entstehen dann an jenen Stellen ganz kümmerliche
Acker oder sogenannte Wiesen, denen der beste Dünger nicht aufhelfen kann.
Auch Sportplätze und Schietzstünde können hier billig untergebracht woerden.
 An wirtschaftlich etwas günstigeren Stellen wirkt der Viehantrieb
verheerend; Kühe und Ziegen sind nicht so schlimm als Schafe, die
in breiter, geschlossener Front vorrückend, jegliche Vegetation abrasieren
(Zerstõôrung der einzigartigen Ophrysbestände des Lechfeldes durch Schafherden).
 Ferner wird durch oft falsche Kunstdüngerzugaben die Bodemaciditüt
 der Wiesen so verändert, daßb gewisse Orchidéen vernichtet werden.
Schüdigend ist weiterhin die forstwirtschaftliche Methode der künstlichen Verjüngung
 auf Kahlschlägen und bei Odlandbepflanzung. Aussäen und Pflanzen
vollzieht sich dabei in Furchen (Kartoffelackerartig), der Boden wird gründlich
durchwühlt, so daßh keine Orchidee am Leben bleibt. Auberdem sind diese
Pflanzungen zu dicht, später lichtraubend und den Wald durch ihre schnur—
gerade Paradestellung verunstaltend. Ideal für jedwede Flora wäre der Dauerwald
 mit Femelbetrieb bei reichlicher Durchforstung ohne Unterbau“). — Die
Gefahren, die den Orchideen durch den Menschen als Sammler und Nutzer
drohen, sind durch den Erlaß von Pflanzenschutzgesetzen einigermaßen gebannt;
 die Zeit, wo man auf den Märkten unserer Städte Sträube der seltenen
Orchis fusca für wenig Geld erstehen konnte, dürfte endgültig vorüber sein.
Der Schaden schlieblich, der von unreifen Sammlern und Auchbotanikern auf
ihren Streifen angerichtet wird, ist genauer betrachtet gegenüber Vorstehben-8)

 So sollen beispielsweise etwa 10 Jahre vergehen, bis eine aus Samen gezogene
Erdorchidee blühfähig wird. Daß dies aber nicht bei allen Arten und immer der Pall
ist, beweist mir das Anschreiben eines Züchters vom Niederrhein, der Samen von
Ophrys fuciflora auf seinen Gartenrasen ausgesät hatte und schon 4 Jahre darauf
zahlreiche blühende Pflanzen erhielt. — Toh habe persönlich die wunderbaren Orchideenkulturen,
 die Herr Denis (nahe Toulon) aus Liebhaberei betreibt, besucht; dieser Herr
versicherte mir, daß seine Ophrys und deren Bastarde (die er Künstlich erzeugt) schon
83 Jahre nach der Aussaat blühen würden, und zwar ohne jede besondere Präparation
des Bodens.
) Siehe: Jos. Ruppert: Altes und Neues der Saarbrücker Flora in: Das Saarland
von Fr. Kloevekorn, 1924, pag. 22 -29.

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