Wald nicht mehr zur Blüte gelangenden Xeroorchideen sind indessen damit
noch nicht zugrunde gegangen. Man stöbt sehr oft auf Wurzelblattexemplare,
die sich weiterhin vegetativ durch Bulben am Leben erhalten; ob bei weitergehender
Beschränkung des Lichtgenusses (durch viele Jahre hindurch) hypogaeische
Pflanzenteile pilz-symbiotisch aushalten Können, wie die Rhizomorchideen
unserer Wälder, möchte ich für die Neroorchideen dahingestellt sein
lassen. Sicher ist aber, dab 2-3 Jahre nach einem Waldkahblschlag die cehedem
am Platz vorhanden gewesenen Orchideen plötzlich in beachtenswerten Rudeln
viedererscheinen und durch überraschend reiches Blühen auffallen. Diese Tatzache
spricht für ein symbiontisches Durchhalten und erklärt andeérerseits das
—DDVV
Hauptfaktor ökologischen Optimums die Insolation gelten darf; die Xeroorchideen
der besonnten Hänge nutzen sie, wie keine ihrer Schwestergruppen,
zu perfekter Autotrophie (CGhlorophyllernährung) aus. Ein weiterer gleichwertiger
Faktor ist der edaphische (chemische und physikalische Beschaffenheit
des Bodens).
Wie der bindige Kalkdetritus die Jungknolle fest und warm umbettet zu
vinterlicher Ruhe verweist und im feuchtwarmen April zu neuer Entwicklung
freigibt, ist genügend bekannte). Diese der Pfllanze auch noch in anderer Weise
nützlichen Verhältnisse beruhen natürlich zunächst auf den physikalischen
Higenschaften des Bodens. Es ist aber doch sonderbar, daß entkalkter Lehm.
ja selbst halbausgewaschener Löß, die beide oft noch bessere Wirtschaftsverhältnisse
in obenerwähntem Sinne schaffen, von den Eu-Xeéroorchideen gemiéden
werden, woraus man den Schluß ziehen könnte, daß dennoch auch ein
chemischer Bodenfaktor im Leben dieser Orchideen von großer Bedeutung
sein muß. Der klimatische Faktor endlich ist in unserem Bezirk als ein günstiger
zu bezeichnen. Warme Südwestwinde lassen andauernden Frost kKaum zu; eine
Reihe milder Winter erhöht dann oft gang augenfällig die Zahl der thermophilen
Arten, wobei außerdem die verhältnismäbig hohe Niederschlagsmenge
von ca. 200 mmm vorteilhaft mitwirken Kann. Aubergewöhnlich strenge Winter,
wie der von 1928 auf 1929, vernichten allerdings mit einem Schlage die ganze
Herrlichkeit, und es dauert dann wieder mehrere Jahre, bis Samen oder nichterfrorene
Knöllchenserien zur Blüte gelangen. Dies ist ein weiterer Grund für
das zeitweise Ausbleiben vieler Orchideen: — Die Artenzahl der im Saargebiet
heimischen echten Mediterraner (Xeroorchideen sensu stricto) ist, wie auch in
den Nachbargebieten, nicht grob. Zu diesen zähle ich: Ophrys aranifera.
Ophrys fuciflora, Ophrys apifera, Orchis Simia, Aceras anthropophora, Himantoglossum
hircinum. Es sind Arten, die sich weiter südlich und im Mediterraneum
in gröherer Menge und häufiger vorfinden; auch in niederen Lagen. In
weiterem Sinne kann man dann Orchis fusca und Ophrys muscifera hierherriehen,
die im Süden schon die colline und montane Region vorzieben; übrigens
dort seltener sind als bei uns und weiter nordöstsich. Ahnlich die thermophile
Anacamptis pyramidalis, die ich als submediterran-kontinental ansprechen
möchte. Herminium Monorchis, ein eurasiatisches Florenelement gehört der
besprochenen Gesellschaft mehr als Hospitant an. Von den 3 mitteleuropäischen
Waldcephalantheren gehen alle zuweilen recht gern in besagte Assoziation,
ebenso Rpipactis rubiinosa. Gymnadenia conopea und odoratissima. — Die
23) Vergl. Jos. Ruppert: Erdorchideen des Saarbrücker Landes und Ptflanzenschutz;
in Südwestdeutschland“ Nr. 11, Mai 1914 u. Nr. 12, Juni 1914. —PFerner:
Jos. Ruppert: Orchidéen um Saarbrücken, in: Unsere Saarheimat, Streifrüge durch
die Florà des Sgargebiets. 1925 (von Walter Kremp) pag. 140 bis 153.
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