Leider sind wir in Deutschland ganz allgemein noch nicht soweit, daß wir
eine genaue Gliederung des gesamten, aus örtlich bis S m mächtigen Tonen
und Ralken bestehenden Schichtenkomplexes der klassischen Profile geben
können, da auch hier der Präparation des unverwitterten Materials größte
Schwierigkeiten entgegenstehen. Die Zufallsfunde herausgewitterter Ammo
niten im Anstehenden aber reichen zahlenmäßig nicht aus. Doch wissen wir
immerhin, daß die Schichtenfolge im allgemeinen der englischen entspricht
TIEGBE. 1929).
Sicher ist dabei, dah die unterste Zone, die in Süddeutschland nachweisbar
ist. Arictites/ Vernicerus lonqidomus OII. nebst Verwandten fübhrt.
Diese Zone fehlt nach unserem Kenntnisstand ebenso wie jene obersten
stenorhymoehu-Schichten mit Aricétites francojurenis KVOHN und den Schlotheimien
der ventricosu-Gruppe wiederum in ganz Norddeutschland. Nur ein
etwas spaterer Abkömmling von Arietites lonsidomus, A. spirdtissimus,
scheint im südlichen Norddeutschland aufzutreten. Wir müssen also wohbl oder
übel annehmen, daß die in der oberen sStenorhymchu-Zone begonnene Räumung
Norddeutschlands durch das Meer auch jetzt noch anhielt. Ob ein Teil der
hessischen Senke dabei noch einen nördlichen Fortsatz des süddeutschen
Beckens darstellt, in deam von Süden her die ersten neuen Vorstöhe des Arieten
meéeres nach Norden erfolgten, erscheint möglich.
sm Gegensatz zu Norddeutschland ist der unterste Teil der Arietenschichten
nun in ganz Süddeutschland vertreten und scheint im Kraichgau
wie bei Albersweiler gut ausgebildet zu sein. Sicher ist ferner die weit geöffnete
Verbindung Süddeutschlands mit der Franche Comté über den Donau-Rhein-Zug
und die burgundische Pforte. Von dieser Senke in der Faltenrichtung des
varistischen Gebirges zweigt in kKlarer Wiederholung der oberrätischen Verhältnisss
ein Ausläufer in der Richtung des Rheintalgrabens ab, der mit
dicherheit bis Freiburg und Colmar, vielleicht aber schon durch die gesamte
heutige Tiefenzone zwischen Schwarzwald und Vogesen bis zur PBinmündung
in die Kraichgau-Zabern-Senke sich erstreckte
Dieser engen und mehrfachen Verbindung mit dem Pariser Becken entsprechen
denn auch die Beziehungen der Lebewelt. Viele Formen, so Brachiopoden,
treten in den beiden verbindenden Straben als offensichtliche Einwanderer
aus Westen etwas früher als in Württemberg auf, die Gleichheit der
Ammoniten und Schlotheimien in dieser Zeit ist auffällig.
Dabei bleiben gewisse Pigentümlichkeiten des Pariser Beckens und
Lothringens bestehen und mögen auf das weitere Vorhandensein der zeitweise
bestehenden Barre östlich Chateau-dalins, jetzt in stark abgeschwächter Form
als Untiefe, hindéeuten, wenn auch im nachgenannten Falle das Hindernis wohbl
schon weiter westlich lag. Es handelt sich vor allem um die sehr dickschalige
Muschel Hippopodium, die in den Arieten-Schichten des Pariser Beckens und
—
auftritt. um in Deutschland völlig zu fehlen.
Die höheren Arieten-Schichten, etwa mit dem Auftreten des Arietites
bucklandi SOW. beginnend, zeigen für Norddeutschland die Wiederkehr der
alten Verteilung Land-Meer. Die Verbindung des fast bis an den oben angegebenen
östlichen Rand vom Meer erfüllten norddeutschen Beckens nach
güden durch die hessische Straßße ist in groher Breite sichergestellt. Doch sind
besonders im Osten des norddeutschen Gebietes die Spuren der Meerestrans-