Theodor Steche
Die Alamannen und die Franken
im deutschen Südwesten
Die heutige Saarpfalz gehört zu dem Teile Deutschlands, der von der Zeit
Cäsars bis zur zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts unter der Oberherrschaft der
Römer stand. Als der westliche Teil des römischen Reiches infolge der Erschlaffung
und des Aussterbens seiner Führerschicht sein Ende fand, besetzten germanische
Volksstämme die Länder westlich des Rheins. Sie waren in zwei Stammesgzruppen
gegliedert, die Alamannen im Süden und die Franken im Norden.
Die heutige Saarpfalz liegt in dem Raum, in welchem die Grenze zwischen den
linksrheinischen Neugebieten der beiden Volksstämme verlief; für die Frühge—
chichte des deutschen Südwestens ist das Verhältnis der Alamannen zu den
Franken eine der wichtigsten Fragen.
Leider gibt es keine alten Schriftwerke, welche die Geschichte Suüdwest—⸗
deutschlands vom 5. bis zum 8. Jahrhundert zusammenhängend erzählen. Alles,
was von den Ereignissen in diesem Raum und in dieser Zeit bekannt ist, steht
zerstreut in vielen verschiedenen Schriftwerken. Zum Teil sind diese wenig be—
zannt, zum Teil in dem sogenannten „Merowingerlatein“ geschrieben, das vom
tlassischen Latein erheblich abweicht und daher den heutigen Menschen schwer
berständlich ist; zum Teil sind ihre wissenschaftlichen Ausgaben denen, die nicht
nit einer wissenschaftlichen Bibliothek in Verbindung stehen, kaum erreichbar.
Daher befassen sich die meisten Forscher und Liebhaber der germanischen Früh—
geschichte mit den zusammenfassenden ODarstellungen, welche neuzeitliche Forscher
verfaßt haben, können aber die Quellen selbst nicht durcharbeiten.
Das ist gefährlich; denn Fehler, die aus überholten Auffassungen entstanden
sind, schleppen sich dadurch unerkannt weiter. Der Bundesführer des Reichsbundes
für Oeutsche Vorgeschichte, Herr Professor Reinerth, hat den Schreiber dieser Zeilen
deauftragt, die Schriftquellen über die germanische Frühgeschichte neu zu deuten
und übersichtlich zusammenzustellen. Für den Raum des deutschen Südwestens
ist diese Arbeit im wesentlichen beendet; den Lesern der vorliegenden „Abhandlungen
zur Saarpfälzischen Landes- und Volksforschung“ sei berichtet. was die
Neuprüfung der Quellen ergeben hat.
Die frühgeschichtlichen Schrifterzeugnisse sind nicht so zahlreich, daß die
Geschichte eines Raums von der Größe der heutigen Saarpfalz nur aus den
Angaben über diesen Raum selbst erhellt würde. Wir müssen räumlich und auch
zeitlich weiter ausgreifen. Zunächst mußz Klarheit werden: Wie standen die Dinge
oor dem Zusammenbruch des weströmischen Reichs bei den Alamannen, den
Franken und im Gebiet der Stadt Trier?