Full text : 2.1938 (0002)

ansehen. Zur Zeit ihrer Bildung wäre also die Tieflage der Kraichgau-Zaberner
Strabe noch gesichert.
Doch dann andert sich das Bild. In Norddeutschland und in der Hessischen
denke beginnen sich zu oberst in diesen Tonen erst mehrminder zusammen—
hängende Toneéisensteinbänke und zuletzt Kalkbänke einzuschalten, die
Zwischenschichten““, die vereinzelt echte Meéresformen in größerer Menge
führen. Einzelne der hier auftretenden Muscheln erinnern schon stark an den
Unteérsten Lias, aber niemals Konnte ein beweisender Ammonit gefunden
werden, vielmehr ist an allen Fundpunkten die Uberlagerung durch die erste
Ammoniten enthaltende Bank des Lias alpha gesichert. Noch deutlicher ist die
Schichtenfolge zwischen normalem Oberrät und Unterem Lias in England
entwickelt, wo sie den Namen, White Lias“* trägt. Dieseos einwandfrei gekennzeichnete
 Glied fehlt nun in ganz Süddeutschland, vielleicht von der Coburger
Gegend abgesehen. Weder im Kraichgau noch bei Albersweiler noch in Würt-—
temberg konnten sichere Spuren von ihm gefunden werden. Auch aus
dem Elsaß und aus Lothringen ist nichts von diesen Schichten bekannt geworden,
 die ich übrigens auch in Frankreich (mit fast ausnahmslos sehr schlechten
 Aufschlüssen in diesem Schichtstoß) bisher nicht fand.
Wir haben also entweder ein ursprüngliches Fehlen oder eine spätere
Entfernung dieser schon abgelagerten Schichten anzunehmen. Aus mancherlei
kleinen Hinweisen an anderen Stellen scheint die erstere Deutung die höhere
Wahrscheinlichkeit zu haben, denn örtliche Sandsteinbänke nach den vor—
herigen Tonen deuten auf hebende Bewegung. Doch mag an einzelnen Stellen
spütere Zerstörung mitgesprochen haben. Hier ist aber wichtig, daß gerade
dort, wo jetzt die „Swischer schichten“ fehlen, oft auch das nächste Schichtglied,
 die Planorbiszone des Untéren Lias nicht auftritt. Und das ist der Fall
im Kraichgau, bei Siebeldingen, im Elsaß und in Lothringen.
Die Schichtlücke an der Oberkante des Rät ist demnach
offensichtlieb der Beginn einer kurzfristigen Trockenlegung der
Kraichgau-Zaberner Senke, die bis in den Untersten Lias
anhält.

Der Lias

dehr anders als im Rät sind die Faunen des Lias beschaffen. War in der
rütischen Zeit das große Geschlecht der Ammoniten, das wir damals fast ausschließlich
 aus den Räumen des erdumspannenden Gürtels der Mittelmeere
kennen, scheinbar fast völlig ausgestorben, so erhebt es sich an der Grenze
Rüt-Lias offensichtlich aus ganz wenigen verbliebenen Stammreihen zu neuer
und sputer überragender Fulle. Ob diese Entwicklung im Raume des Mittelmeergürtels,
 der „Tethys“ stattfand, wie bisher allgemein angenommen wurde,
oder ob sie nicht doch weitgehend im Becken des Nordatlantik und seiner
nördlichen Nebenméere erfolgte, kKann an dieser Stelle nicht entschieden
werden. Für letztere Annahme beginnen die Funde in Norddeutschland,
England und dem Pariser Becken immer mehr zu sprechen, die grohen und
unerwarteten Formenreichtum erschlossen, neben dem der für klassisch erachtete
 Schwäbische Jura als randliches Seitenmeer allmählich verblatzt. Das
erklürt sich aus der Tatsache, daß in dem engräumigeren süddeutschen Becken
jedes randliche Zurückweichen der Wasserbedeckung sich stärker auswirkt
und zahlreiche Schichtlücken vorliegen. Diese täuschen RPinwanderungen aus
den Gebieten ununterbrochener Faunenentwicklung vor, die bei früherer un-5


            
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