Full text : 2.1938 (0002)

Die aufgeschlossenen Schichten unter dem Untersten Lias entsprechen in
allen ihren Prscheinungen den Schichten des Oberen Rät, wie sie durch die
Untersuchungen des Verfassers von Norddeutschland über die Hessische
Senke nach dem Kraichgau hin verfolgt worden sind. Uberall treten in diesem
Horizont in der oberen Hälfte blaugraue, grünlichgraue und rötlichgraue bis
rotviolette Schiefertone von grober Fossilarmut auf, die erst zu oberst wieder
aine gewisse Zunahme der Fossilführung zugleich mit graugrünen Sandsteinen
und Toneisensteinbänken zeigen. Im Elsaß sind diese Tone weniger erschlossen,
aber doch nachgewiesen. Mit ausgesprochen roter Färbung und oft erhöhter
Mächtigkeit sind sie in Lothringen und der Franche Comté unter dem Namen
marnes rouges de LBVALLOIS bekannt und ein sehr auffallendes Schichtenglied.

Da leider das Unterrât und das Mittelrät bei Siebeldingen nicht erschlossen
zind, können wir bei dem Versuch, die Rolle der Senke zwischen Haardt und
Vogesen für das Rät zu erfassen, für die alteren Abschnitte nur auf die weitere
Umgebung zurückgreifen.
UOntérrât ist im Kraichgau (JUNGST, 1929, RÜOGER, 1922 4) bei
Mülhausen erwiesen. Es sind grünliche, geringmächtige Sandsteine, die
meéerischer Herkunft sind und auf Vorschreiten der Meeresbedeckung über
vorheriges Land durch Gerölle und andere Aufarbeitungserscheinungen hinweisen.
 Im Untérelsatß sind die Schichten als ein mehrfacher Wechsel von
dandsteinen mit Mergelzwischenlagen und FBinschaltungen von Knochenbetten
„Bonebeds““) ausgebildet. Die Farbung ist bunt, wie das in allen typischen
Onterrätvorkommen zu sein pflegt. Lothringen ist noch ungeklärt.
Damit mub dahingestellt bleiben, ob während des Unterrät eine Meeresstrahe
 duroh die Kraichgau—Zaberner Senke verlief, die randlich auch dSiebeldingen
 berührte. Es erscheint bei dem ausgesprochenen Unterrät-Charakter
der Gesteine bei Oberbronn (45 Kmussw. Siebeldingen) wahrscheinlich, doch
bei der Unklarheit der französischen Verhältnisse noch nicht hinreichend
gesichert.
Wir hätten dann folgendes Bild. Von Norden dringt durch die hessische
Strahe das in Norddeutschland zuerst eingebrochene Rät-Meer nach Süden
vor. Hier überflutet es ein Land, das nur geringe Niederschläge besatz und
auf dem eéein mergeliges Gestein, der , Knollenmergel“, unter mehrminder
veitgehender Mitwirßkung des Windes abgesetzt, wurde. Dieses Land wird
Sxchrißtweise von Norden her überflutet, in dem Übergangsgebiet findet eine
Verzahnung von Knollenmergeln und rätischen Sandsteinen statt, bis eine abschließende
 Südbegrenzung étwa auf der Höhe der RKraichgaustraße erreicht
vird (Abb. 1). Dabei wird vielleicht bereits eine Verbindung nach Westen hin
zum Pariser Becken geöffnet.
Im Mittelràt fand ein allgemeines Zurüokweichen des Meeres
aus den randlichen Bezirken statt, das sich im Absatz mächtiger Sandsteine
im Kraichgau und im Elsaß, besonders aber auch in Lothringen und am
Westhang der Vogesen zu erkennen gibt. Die Mehrzahl dieser Sandsteine, die
veithin in Norddéutschland eine große und teohnisch wichtige Rolle spielen,
st bereits auf dem Lande entstanden. So bildet sioh in dieser Zeit im nördlichen
Harzvorland eine Reihe von Steinkohlenflözen.
Die Sandsteine im Kraichgau zeigen noch geringe meerische Finflüsse;
für das Unterelsaß reicht die bißherige Kenntnis nicht aus zu klarer Entscheidung,
 in Lothringen ist die Mehrzahl der mittelrätischen Sandsteine (vgl.
            
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