Franz Stanglica
Klein-Betschlerekt und St. Andrasch,
zwei saarpfälzische Siedlungen
im Banat
Die Landschaft zwischen Rhein und Saar, der jetzige Gau Saarpfalz mit
seinen Randgebieten, hat an der Besiedlung Südosteuropas im ausgehenden
18. Jahrhundert stärksten Anteil. Die bisherigen Arbeiten auf dem Gebiete der
Volksforschung, die für diesen Landschaftsteil in Zusammenarbeit mit der, Mitteltelle
Saarpfalz, Landsleute drinnen und draußen“, durchgeführt worden sind,
stellen die volksmäßigen Zusammenhänge zur Batschka und zu Galizien stark in
den Vordergrund. Aber auch nach dem Banat gehen sehr enge Familien—
zusammenhänge.
Zehn Kilometer nordwestlich von Cemesvar, dem Hauptorte des früher zu
Ungarn gehörenden Banats, liegen die nur durch die deutsche Siedlung Neu—
Beschenova getrennten Dörfer Klein-Betschkerek und St. Andrasch, die unter
der Regierung Josefs II. besiedelt wurden.
Seit dem Jahr 1782 wurde ein Teil der Auswanderer in das durch die
Teilung Polens erworbene Galizien gelenkt, wo sie mit staatlicher und privater
Unterstützung Dörfer errichten und das Land urbar machen sollten. Als aber
die Behörden dem Strom der Auswanderer nicht mehr gewachsen waren und
die Zahl der Ansiedler, für die noch kein Unterkommen und kein Ansiedlungsplatz
zeschaffen war, von Jahr zu Jahr anstieg und das ganze Ansiedlungswerk infolge
des Andranges zu scheitern drohte, befahl Kaiser Josef II., daß die deutschen
Kolonisten aus dem Westen des Reiches in den Ländern der ungarischen Krone,
aicht nur in der Batschka, sondern auch im Banat, anzusiedeln seien. In eindringichen
Befehlen weist der Kaiser die ungarischen Behörden an, Vorbereitungen
zur Unterbringung und Ansiedlung der Auswanderer zu treffen.
Die in den Monaten April bis Juni 1784 auf dem Donauweg in das Banat
gekommenen Kolonisten wurden im Nordwesten des Banats in den deutschen
Dörfern Sackelhausen, Neu-Beschenova, Billed, Groß-Jetscha, Lovrin und Gutten—
brunn und bei den Rumänen in KleinsBetschkerek, in der Nähe ihrer künftigen
Siedlung, untergebracht, bis ihre Häuser und Wirtschaftsgebäude errichtet und
die Acker, bemessen nach ganzen und halben Sessionen, aufgeteilt waren. Hier
wurden sie bis zur Ansiedlung auf Kosten des Staates verpflegt und unterstützt.
Die Erwachsenen erhielten täglich 126 kr. in Barem und z0 Metzen Frucht,
Kinder von 210 Jahren ukr. und 120 Metzen Frucht, Kinder von 11-146
Jahren 34 kr. und Uso Metzen Frucht. Während der Einquartierungszeit wurden