Full text : 2.1938 (0002)

So nahmen wir — und das war gut —
die Festung ohne weitres Blut.
Und fiel auch mancher Kamerad,
er starb als preußischer Soldat.
Das letzte der Lieder aus dem „tollen Jahr“, das in dem Oppauer Lieder—
buch von 1887 steht, schildert den Aufstand im Kurfürstenrum Hessen:
In Hanau — vivat! — die Bürger sprachen:
Laßt uns Gut und Blut dran wagen,
daß im Land die Freiheit ist!
Will der Kurfürst nicht gewähren,
mag er sich zum Teufel scheren,
noch zwei Tage gebt ihm Frist!
Kurfürst Wilhelm von Gottes Gnaden
schickt Kanonen und Soldaten
wohl gen Hanau an die Kinz.
Als man dies im Land vernommen,
sind zu Hilf die Brüder kommen
weit und breit aus der Provinz.
Auch Ereignisse, die weit ab von unserer Heimat sich abspielten, haben ihren
Niederschlag im Volkslied gefunden. So wurde eigentümlicherweise der Krim—
krieg, der auch bei der Bezeichnung des Kaiserslauterer Stadtviertels „die
Krim“ Paten gestanden hat, viel besungen. In einer älteren Handschrift aus
Schaidt steht das Lied „Wir lieblichen Franzosen, wir ziehen ins Feld“ y,
das sich auf den Krimkrieg bezieht und einige Wendungen einem älteren Lied
entlehnt. In einem Liederheft aus Dürkheim 1860 heißt es „Frankreich,
deine Heldensöhne sind Sieger von Sebastobol“ und in einem geschriebe—
nen Liederbüchlein aus Frohnbach steht ein Lied: „Den Türken war der
Krieg erklärt“?) und ein weiteres, das nach der Weise „Freund, ich bin zu—
frieden“ gesungen wurde:
Die Franzosen vor Sebastobol 1855.
. Napolion zieht in Kriege,
sein'n Rückzug weiß er nicht.
ob er nun würde siegen
durch seines Volkes Pflicht.
ob es ihm wird gelingen.
was er sich vorbedacht,
in Rußland einzudringen
mit seiner ganzen Macht.
Jetzt liegt er vor den Mauern
der Stadt Sebastopol:
es ist dort zu bedauern,
was draus noch werden soll.
Franzosen und die Britten
und auch der Muselmann.
sie haben viel gelitten
für den entworfnen Plan.

) Pinc. HI. S. 375.
) Mündel. Nr. 181; Bgl. Ditfurth, Hist. Bolksl. 2. Bd. Abt. IV. Nr. 18. (Einnahme der
türkischen Festung Varna. 1828.)
            
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