Full text : 2.1938 (0002)

2.

Wann die Tore sein verschlossen,
geht Batroll auf allen Straßen,
rings auf allen Werken hin.
Drauf wird Zapfenstreich geschlagen.
keiner von euch soll es wagen,
der zu spät nach Hause kommt.

—

Gleich nach einer Viertelstunde
geht schon hin und her die Runde
für die Sicherheit der Stadt.
Alle Posten hört man rufen:
Schildwacht, Obacht! Tut nicht schlafen!
Frankreich ist nicht weit von hier.

Doch wir schlafen ohne Sorgen
von dem Abend bis zum Morgen,
Landau ist uns fest genug.
Wenn sie gleich aus Frankreich kommen,
Landau wird uns nicht genommen,
die Kanonen sein gestellt.

Die nächsten Lieder führen uns in die Zeit der Jahre 1848/49. Da wurde
unser Volk erschüttert durch den tragischen Tod des Volksmannes Robert
Blum, der in den Pfingsttagen 1848 mit seinen Genossen vom Frankfurter
Parlament noch einen wahren Triumphzug durch die Pfalz hielt und kanm ein
halbes Jahr später am 9. November auf der Brigittenau in Wien für den großdeutschen
 Gedanken unter den Schüssen kroatischer Jäger sein Leben ließ. Sein
Andenken lebt in einigen Liedern fort. Das eine Lied wurde in den 6Oer und
7oer Jahren noch in Westheim gesungen, in Schwegenheim war es zu Beginn
unseres Jahrhunderts noch den ältesten Leuten bekannt, die es nach der Weise
„Wir seins Alaner, stolz sind wir zu Pferde“ sangen. Es begann: „an Wien,
in Wien, da schlug mein Herz mit Sehnen“ und endete so:

Umsonst, umsonst, umsonst hab ich vollendet.
vollendet meines ird'schen Laufes Bahn.
Bringt diese Kugel mir auch jetzt das Ende.
so reißt sie mich zum ew'gen Leben hin.
Ich sterbe gern für Freiheit, nicht für Ruhm,
so sprach und starb der deutsche Robert Blum

Ein weiteres Lied „Wißt ihr von der Mordgeschichte, die sich zu—
getragen hat in Wien“h wurde in Kaiserslautern und bruchstückhaft in
Pirmasens gesungen. Ein anderes „Robert Blum, du schönste Blume in
dem ganzen deutschen Land“ (nach der Weise „Hecker hoch, dein Nam' erschalle“)
steht in einem geschriebenen Liederbuch aus Freisbach 1850. Am meisten ge—
sungen wurde das nachstehende Lied, und zwar nach der Weise „Schier dreißig
Jahre bin ich alt“; es ist bekannt geworden aus Herschweiler-Pettersheim, Ilbesheim
 (1857), Ingenheim und Stockborn (1853):

) Zahrbuch f. Volksliedforschung. J. S. 170 ff.: „O as Lied von Robert Blum“ von Alfred
Wirth mit Beiträgen von E. Seemann; Fox, Saarländ. Volkskunde. S. 192 f.
            
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