In den Zoer und A0er Jahren des vorigen Jahrhunderts griff in allen Schich—
ten unserer Bevölkerung eine überschwängliche Schwärmerei für die „edlen,
hochherzigen“ Polen um sich, die nach der Schlacht bei Ostrolenka im Mai 1831
aus ihrer Heimat fliehen mußten und auf dem Wege nach Frankreich durch die
Pfalz kamen. Hier wurden sie überall festlich empfangen und in Stadt und Land
erklangen Polenliederi), von denen mehrere volkläufig wurden. So finden
sich die Lieder von Karl von Holtei auf den sterbenden Helden Kosziusko „Fordre
niemand mein Schicksal zu hören, dem das Leben noch wonnevoll winkt“ und
„Denkst du daran, mein tapfrer Lagienka“ in geschriebenen Liederbüchern aus
der Mitte des vorigen Jahrhunderts und wurden in einigen Orten vor dem
Kriege noch gehört. In einem handschriftlichen Liederbüchlein aus Niederlustadt
1838/40 steht ein Lied, das sich auf die Einnahme Warschaus durch die Russen
1831 bezieht und nach der Weise „Es ritten drei Reiter zum Tore hinaus“ ge—
sungen wurde:
O Freunde klaget doch mit mir — o weh!
Seht Polens Schmuck und Polens Zier — o weh!
Seht, Warschau wird vom Russenschwert
erobert, geplündert und zerstört, o weh, o weh, o weh!
Ein anderes Polenlied, das in einem geschriebenen Liederbuch aus Frohn—
bach 1859 steht, ist Maler Müllers „Soldatenabschied“ nachgebildet und beginnt
„Heute scheid ich, morgen wandr' ich, jeder Brave weint um mich“; in den letzten
Gesätzen wird es selbständig und schließt so:
Noch ist Polen nicht verloren,
alle Braven sind sein Schutz.
Einstens wird es neu geboren,
zu der Freiheit auserkoren,
schnöder Tyrannei zum Trutz.
Ein anderes Lied aus einem handschriftlichen Buch aus Oppau 1857 stammt
ursprünglich aus dem Polenaufstand 1792 und hatte als Kehrreim: Kosziusko
führet uns usw. In den Jahren 1831/32 wurde es wieder aufgefrischt und so
gesungen:
Noch ist Polen nicht verloren,
in uns lebt sein Glück.
Was an Ohmgacht ging verloren,
bringt das Schwert zurück.
Skrzynecki, führe uns
in des Kampfes Hitze!
Polen macht sich frei.
bricht die Tyrannei.
Ein Gedicht von Julius Mosen „In Warschau schwuren tausend auf den
Knien: Kein Schuß im heil'gen Kampfe sei getan. Tambour, schlag an! Zum
Blachfeld laßt uns ziehen, wir greifen nur mit Bajonetten an!“, das von J. Burk—
hardt um 1835 vertont sein soll, wurde im Beginn unseres Jahrhunderts noch
in Bissersheim und Leistadt gesungen, wie es in einer Handschrift aus Oppau
1857 steht. Ein Abschiedslied der Polen 1831, das sich in einem geschriebenen
Liederbuch aus Niederlustadt 1838/40 findet, ist eine Nachahmung von „Bert⸗
rands Abschied“ und beginnt wie dieser: „Leb wohl. du teures Land. das mich
y UÜber diese Lieder s. Fritz Heeger, Polenlieder aus der Pfalz. Blätter f. bayr. Volks
kunde. 5. (1917.) S. 6 ff. Mit Literaturangaben.
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