Full text : 2.1938 (0002)

Im Garten zu Schönbrunnen
da liegt der König von Rom,
sieht nicht das Licht der Sonne
sieht nicht des Himmels Domh.
In diesem sentimentalen Machwerk, das von einem Juden Moses Gottl.
Saphir stammt, wird geschildert, wie der tote Sohn am Grabe seines Baters
auf der weltfernen Insel Einlaß begehrt und findet:
Da streckt des Kaisers Leiche
die Knochenarme aus
und zieht das Kind das bleiche
hinab ins Bretterhaus
und ziehet es hernieder:
„So seh ich, teurer Sohn,
seh ich dich endlich wieder,
mein Kind Napoleon.“
Noch ein anderes Lied erzählt von dem Sohne Napoleons und seinem
frühen Ende; es findet sich (wie das vorige) in handschriftlichen Liederheften
aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts:
Als wie die Sonn am Himmel glänzt,
so wird in der Geschichte
ein'n Nam' mit Ruhm und Sieg bekränzt
die Nachwelt fortberichten.
Der Name heißt Napoleon,
er hatte nur einen einzigen Sohn,
der mußt nach vielen Leiden
früh von der Welt abscheiden?).
Die stolzen Hoffnungen, welche das deutsche Volk nach den Befreiungskriegen
 im Herzen trug, waren zuschanden geworden. Nach außen befreit, war
Deutschland im Innern geknechteter und zersplitterter als je. Aber noch lebte
oaterländischer Geist (seiner Metternichtigkeit zum Trotz) in den Herzen der
akademischen Jugend. Dieser führte zur Begründung der Burschenschaft, die am
18. Oktober 1817 das bekannte Wartburgfest feierte. Die politische Tendenz dieser
Studentenvereinigung, die von den großen Zeitforderungen nach politischer
Freiheit und deutscher Einheit stark ergriffen war, tat sich immer schärfer hervor,
als die Gegenmaßnahmen der Regierungen die Erregung immer mehr schürten.
Unter den offiziellen Spitzeln in Weimar befand sich auch der russische Staatsrat
August von Kotzebue, der die gährenden Elemente beobachtete und durch seine
Angriffe auf die Burschenschaft die Erbitterung in akademischen Kreisen so
steigerte, daß schließlich der fanatische Karl Ludwig Sand als „Vollstrecker
des allgemeinen Volkswillens an dem Berräter und Volksverderber“ ihm am
23. März 1819 zu Mannheim den Cod gab. Am 20. Mai 1820 fiel dafür das
Haupt des leidenschaftlichen Baterlandsfreundes unter dem Schwertstreich des
Henkers auf der ‚Kuhwiese“ in Mannheim. Noch bis in unsere Tage sang das
Volk von Sands Tat und Tod in einem Lied, das im Beginn unseres Jahr—
hunderts in Outtweiler, Iggelheim, Lemberg, Ludwigshafen, Mußbach, Pir—
masens, Westheim und Würzweiler aufgezeichnet werden konnte: die Weise
sttammt aus Essingen.

Klein. S. 132; Bgl. Köhler-Meier. Nr. 294; Glock. Nr. 26; Pinck. III. S. 342, 355
Soffmann-Prahl. Nr. 698; J. Meier, Kunstl. i. B. S. 28.
) Klein. S. 132; Bal. Mündel. Nr. 179; Glock. Nr. 25; Pinck. III. S. 341.
            
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