Full text : 2.1938 (0002)

9. Selbst den Handwerksburschen draus suchten sie den Beutel aus,
griffen ihnen in die Taschen, Geld und Uhren zu erhaschen,
zogen Männern, Kindern, Weib Kleid und Hemder von dem Leib.
Was das schlimmste: die Viehseuch brachten sie hinein ins Reich,
weil sie kein Vieh ließen tränken, wenn die Zung tat zum Hals raus henken,
haben dem Bauer Schaf und Rind oft lebendig abgeschindt.
Hungrig und im Beutel leer kamen sie nach Deutschland her,
daß sie uns (mehr als wir) glaubten, plündern, preßten und auch raubten;
sie nahmen uns das Gewehr, ließen uns die Läus dafür.
Aufgeblasen, stolz und frech machten sie sich auf den Weg,
dachten: Wenn sie retirieren, haben wir gut nachmarschieren;
tragen unterwegs dabei, wie weit es nach Wien noch sei.
Als sie nun bei Regensburg nach Wien wollten brechen durch,
ommt Prinz Karl mit Roß und Reitern, blies den faulen Bärenhäutern
Rauch und Pulver in den Hals und verjagt sie aus der Pfalz.
Nun ist alles retirieret und nach Frankreich zu marschieret,
taten nichts als laufen, jagen, mußten vieles, Roß und Wagen
und das Geld, acht Zentner schwer, alles wieder geben her.
Als sie nun gesprungen schon, baten sie jetzt um Pardon,
und was nicht davon konnt laufen, mußt im Main und Rhein ersaufen,
und die ganz Franzosenmacht ist geschlagen und verjagt.
Das französ'sche Teufelspack ist nicht wert ein Pfeif Tabak.
Ach behüt uns vor Franzosen in dem Land und in den Hosen,
denn sie machen, wo sie sein, nichts als Jammer, Angst und Pein.
Nun, ihr Herren von Paris, sagt doch wie gefällt euch dies?
Ihr Freiheits- und Gleichheitslehrer seid der ganzen Welt Zerstörer,
und nebst eurer Nation tragt ihr Schand und Spott davon.
Vom russischen Feldzug 1812 erzählt auch das bekannte Lied „Ist es denn
nun wirklich wahr, was man hat vernommen, daß so viele tausend Mann
sind nach Frankreich kommen“. Es wurde vor dem Kriege in der ursprünglichen
Form in Großfischlingen und Oudenhofen noch gesungen; auch in einem hand⸗
ichriftlichen Liederbuch aus Niederlustadt v. J. 1830 steht es mit dem Anfang
„Kaiser der Napoleon ist nach Rußland kommen“ H. Im letzten Gesätz der Groß—
fischling er Lesart wird die Niederlage Napoleons als Strafe Gottes angesehen:
Hochmut wird von Gott bestraft, weil es steht geschrieben:
Kaifer der Napolion, der muß unterliegen.
Auf den russischen Feldzug geht auch das Lied von „Napoleon dem stolzen
Krieger“ zurück, das in einigen Orten in der alten Weise, in anderen so erklang,
wie es 1870 umgeformt wurde. Hier sei eine ursprüngliche Leseart aus Franken⸗
thal und Oppau mitgeteilt: die Singweise wurde in Kaiserslautern aufgezeichnet.

4.

J

Fritz Heeger, Pfälzer Volkslieder über Napoleons russischen Feldzug; Pfälz. Heimat⸗
kunde. (Kaiserslautern 1916. S. 43 f.; W. Klein, Der Napoleonkult in der Pfalz.
München-Berlin 1934. S. 108; Vgl. Erk-Böhme. II. Ar. 349 u. 368; Ditfurth, Hist.
Volksl. 1. Bd. Abt. III. Nr. 4; E. Meier. S. 202. Ar. 101; Mündel. Ar. 173 175;
Bender. Ar. 113; Wolfram. Ar. 507; Lewalter. II. Nr. 13 Ditfurth, Fränk. Volksl.
I. Ar. 233; Amft. Ar. 146; Köhler-Meier. Nr. 292; Grolimund, Voikslieder aus dem
Kanton Solothurn. Basel 1910. Nr. 78; Meisinger. Nr. 25; Pinck. III. S. 347 f.;
Schäfer Martin, Volksl. aus dem Kinzigtal. Marburg 1925. Nr. 86; Zeitschr. f. Volks
unde. 25. (1915.) S. 105.
            
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