Full text : 2.1938 (0002)

3. „Habt ihr auch Kanonen, seid tapfere Soldaten,
ich König von Frankreich, ich will euch schon sagen,
daß ihr müßt geben die Festung bald auf
und alles kriegsgefangen aus Germersheim hinaus.“

Wir tun uns nicht ergeben dem französischen König,
wir lieben die Bayern und fürchten uns wenig,
wenn auch die ganze Stadt liegt in Asche,
wenn nur das Sacktuch nicht brennt in der Tasche.

So sind in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts noch eine große
Anzahl Umprägungen unseres Liedes bei anderen Belagerungen erfolgt und
unser „Landauer Lied“ mit dem gelungenen Wortgefecht zwischen Belagerer
und Verteidiger wurde geradezu das typische Belagerungslied für ein halbes
Jahrhundert und verdrängte die früher in solchen Fällen beliebte Werbung um
die spröde Jungfrau. Es wurde entsprechend umgeändert gesungen auf die Be—
lagerung von Colberg und Glogau 1807, auf die Einnahme von Paris 1814 und
von Kolding 1849, auch im badischen Aufstand 1848 erklang es und ein Lied der
1815 in Frankreich einrückenden Bayern verwertet wenigstens die erste Strophe!).
Die hervorstechenden Züge unseres Liedes aber, die drohende Aufforderung zur
Ergebung und die mutvolle Antwort des Festungskommandanten mit der ein—
drucksvollen Wendung „Wenn nur das Schnupftuch nicht brennt in der Tasche“
sind übergegangen in ein Lied auf die Belagerung von Philippsburg 1799, das
in seiner ursprünglichen Form (nur das Schlußgesätz fällt aus der Rolle) in einem
um 1800 geschriebenen Liederbuch aus Niederlustadt steht.

Belagerung von Philippsburg 17902).
Die Franzosen brachen ein
bei Mannheim übern Rhein,
sie wolltens frisch wagen
die Stadt Philippsburg zu belagern,
sie bauen darauf
ihre Schanzen wohl auf.

2.

Der französische General
schickt Crompeter vor die Stadt:
Tut ihr euch nicht ergeben,
so kost'ts euer Leben,
mit Pulver und Flamm
schieß'n wir alles zusamm.

s Zum ursprünglichen Lied vgl. Ditfurth, Fränk. Volkslieder. II. Nr. 224; Oers., Hist.
Volksl. 1. Bd. Abt. II. Rr. 75; Glock. Nr. 78. Die Nachdichtungen s. Ditfurth, Hist.
Bolkslieder. J. Bd. Abt. II. Nr. 139; Soltau-Hildebrand. S. 436. Nr. 68. (Colberg
1807); Amft. Rr. 144. (Glogau 1807); E. Meier. S. 205. (Paris 1814); Ditfurth,
Histor. Volkslieder. J. Bd. Abt. III. Nr. 69 u. Hist. Volkslieder d. bayr. Heeres.
Ar. 40. (Feldzug 1815); Ders., Histor. Volkslieder. 2. Bd. Abt. IV. Nr. 98. (Einnahme
von Kolding 1849); Zeitschrift für Volkskunde. 26. (Berlin 1916.) S. 186. 38. (1928.)
S. 245. (Joh. Bolte.)
Bgl. Erk-Böhme. II. Nr. 342; Soltau-Hildebrand. S. 424. Nr. 66; Ditfurth, Histor.
Volksl. 1. Bd. Abt. II. Nr. 108; Ders., Hist. Volkslieder d. österr. Heeres. Nr. 43;
Ders., Fränk. Volksl. II. Nr. 227; Krapp. Nr. 262; Glock. Ar. 7; Wolfram. Ar. 4654;
Becker. Nr. 33; Bayr. Hefte f. Volkskunde. 4. (1917.) S. 93; Hess. Blätter f. Volks—
kunde. 9. (1910.) S. 16.

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