Nr. 6.
Nur Ihre Hände können den verworrenen Knoten
so lösen, wie er zum Wohl des Landes gelöst
werden muß!“
Wie gelähmt starrte Regina in die unerbittlichen
Augen des Mannes, der auch das letzte von ihr
forderte, was Weibesliebe zu opfern hat.
Mühsam richtete sie sich empor und stand nun,
schwer auf die Lehne des Sessels gestützt, vor dem
Minister, der sich gleichfalls erhoben hatte, und
leise kam es jetzt über ihre schmerzbebenden Lippen:
„Sie wissen, Erzellenz, ich würde für den Herzog
sterben, wenn es sein müßte, und es würde ein
leichteres sein als das, was Sie von mir fordern.“
Es zuckte einen Augenblick wie Mitleid über
das Gesicht des Ministers, als er mit bewegter
Stimme sagte: „Ich weiß es, gnädigste Gräfin,
aber es bleibt kein andrer Ausweg.“
Reginas Kraft war zu Ende. Mit letzter An⸗—
trengung raffte sie sich auf und sagte:
„Erzellenz verzeihen, wenn ich die Unterredung
jetzt abbreche, aber ich fühle mich außerstande,
Ihnen weiter zu folgen. Sie werden von mir
hören, Exzellenz, aber einen Entschluß kann ich
in dieser Stunde nicht fassen. Was Sie mir eben
—
bdin nur eine schwache Frau.“
Der Minister verneigte fich.
„Ich, habe getan, was die Pflicht mir gebot,
und die Entscheiduug in Ihre Hände gelegt,
gnädigste Gräfin. Der Dank eines ganzen Landes
wird Ihnen sicher sein, wenn Sie kun, was ich
von Ihnen erbitten mußte!“
Gräfin Regina hob langsam die Hand zum
Zeichen der Verabschiedung. Mit einer tiefen Ver—
neigung zog sich der Minister zurück.
Als er sich schwer aufatmend in die Polster
eines vor dem Schloß wartenden Wagens warf,
war sein Antlitz blaß und verstört.
„Wahrlich, diese Stunde werde ich nie in meinem
Leben vergessen“, sagte er zu sich selbst. Er wußte
auch, daß er mit dem, was er getan, die Gunst
seines Herzogs für immer verscherzt und sich ihn
zum unversöhnlichen Feinde gemaächt hatte.
Doch auch das vermochte den Willen dieses
Mannes nicht zu brechen, denn er hatte nur getan,
was er seiner Überzeugung nach hatte tun müssen;
aber das schmerzgequälte blasfe Frauenantlitz, in
das er in dieser Stunde geschaut hatte, würde ihm
zeitlehens vorjichweben — auch das wußte er!
Der Abend dämmerte schon, und noch immer
jaß Gräfin Regina drüben im Roten Salon, wo
sie den Minister empfangen hatte. Die Kinder
hatten nach der Mutter gefragt, die sich ihnen
sonst so gern widmete, aber die Gräfin hatte der
Bonne nur kurz zur Antwort gegeben, sie wünzche
heute allein zu bleiben; sie sei angdegriffen und
bedürfe der Ruhe.
Als sich Exzellenz Dahlhorst zurückgezogen, hatte
sie sich einer Ohnmacht nahe gefühlt, aber mit
—
keit hatte sie die Schwächeanwandlung nieder—
gekämpft. Der Minister, den sie in dieser leid—
vollsten Stunde ihres Lebens erst kennen gelernt
Jatte, sollte nicht umsonst an das Beste und Edelste
in ihr, an die stille Dulderkraft des Weibes
appelliert haben! Sie wollte stark bleiben und sich
nicht niederzwingen lassen.
So hatte sie sich zusammengerafft und noch
einmal Wort für Wort der Unterredung an ihrem
Innern vorüberziehen lassen. Und langsam hatte
ich der wilde Aufruhr der Gedanken und der
Sturm der Empfindungen in ihr gelegt. Sie über—
dachte ihr Leben dis heute. Wie ein aufgeschlagenes
Buch lag es vor ihr von der Stunde an, da sie
Herzog Ferdinand ihre Hand gereicht hatte. Damals
reilich hatten sie beide nicht geahnt, daß ihr Glück
einmal so jäh in Scherben gehen könnte. Damals
hatte als Hoffnungsftern ain Himmel ihrer Liebe
goch immer die Möglichkeit bestanden, daß die
Fesseln des starren Häusdesctzes durch ein Macht—
vort gesprengt werden könnten. Es war nicht
geschehen.
—
—
Der VBeramannusfreund.
AX —A —⏑——
unte Zeitung.
*„Ihr werdet zu Stahl werden“. Sie sind nicht
durchgekommen! Zerschellt ist ihr Ansturm an dem eisernen
Mut, an der zähen Standhäftigkeit, festen Entschlossenheit
nur weniger Bataillone und Vatterien. Der unbeirrbaré
Wille zum Sieg ist's, der solche Taten vollbringt. Pflicht
erfüllung bei jedem cinzelnen bis ins kleinste. Ich will
bon einem deutschen Pfarrerssohn aus Hamm a. d
Sieg erzählen (Kan. Schuser), der seine Treus zum Vater—
iande mit dem Tode bezahlt hat. Nur die wenigften ahnen,
wie schwer es gerade unsere Telefonistensim Felde
)aben. Das Telessn erinnert auch garnicht an den Krieg,
ind Telefsonist zu sein, hat so wensig kriegerischen Klang.
Hier draußen find sich wohl alle darin einig, daß nur
beherzte Männer dazu zu gebrauchen sind. Und so einer
war er. Der hatte sein Herz mit dinem dreitachen Panzer
uimgürtet: Gottvertrauen, Tapferkeit, Trene. Unbe
kümmert um die Gefahr, unbeirrt durch das nahe Ein—
schlagen der Geschosse, saß er im tolliten Feuer mit Steig—
eisen und Haltegurt vewaffnet, oben in den Telefonmasten,
am immer von neuem wieder zersibrte Trätzte zu verbinden.
Wiebiel schwerer ist es, wenrlos den Kageln preisgegeben
eine Drahiscrippe — scheinbar so unbedutend im Mgen—
olick — zu flicken, als mit Gewehr und Handgranate im
dordersten Graben den ZFeind zu erwarten, oder an der
Kanone das Geschoß ins öohr zu schienen, das Seckunden
sräter, so weis ich's, seine Opfer unter den Feinden fordert.
Wieviel schwerer als stürmen, schlagen, verfolgen ist stand—
halten allein mit den Nerven, mir dem Wilen. Sich zu
vehren, erfordert gewiz Mut, sich nicht wedren zu köntten
mendlich mehr! Und dabei hängt alles davon ab, ob die
Leitung von der Artillericheobachtung zur Balterie in
Qednung ist. Batterie ohne Seobachtung ist wie ein Mensch
ohne Angen! So lief er denn ungeachtet der glühenden,
ackigen Stahlstüicke, die surrend und' pfeisend ihr Ziel
uchten, mit seinen Kameraden nach vorne, immer der
Leitung nach, bis er die zerschossenen Drähte fand, knotete
ie immer, wieder geduldig aneinander. Die russuschen Au—
türme scheiterten. Verbindung war zur rechten Zeit
»agewesen. Am nächsten Morhen schwoll das rufsfische
Artellexsefeuer von neuem zunn Trommelfeuer an. Neut
Angr.sfe sanden bvor. Neue Störungen traten ein, schließ—
ich war kein einziger Draht mehr heil. Da kam er wieder
chon gelaufen, den Stahlrelm im Nacken, unermüdlich
eine Pflicht zu tun. Muüde und augespann: kam er mittags
urück, um sich auszuruhen, da packt ihn auf der Stufe
des Unterstandes schon stehend ein Schrapnell und reißt ihn
zu Boden. Stumm wird die lezte Pflicht getan, stumm
Wunden und Tod hingenommen. Solcher Wille, folche
Pflichterfüllung, solche nie wankende Treue
machen uns kräftig, gegen vielfache Übermacht zu sireiten
und zu siegen: deutsche Männer, die in sich nur Deutsch—
land sehen, unablässig bedacht, es zu verherrlichen, ihm zu
dienen und für das Vaterland zu sterben.
*AUns den Fliegzenden Blättern. Kaltblütig
Unsere Stellung bekommt eines schönen Tages eine größere
Menge „Eisenpillen“ als sont, und zwar bei dunkler Nacht.
raum hatte das Feuer etwas nachgelaffen, ezle ich die
Postenlin;e entlang, unzu sehen, ob die e noch siehe. Ich
refsfe meinen lieben Seppl. Geinsend zeigt er mir duf
meine Frage, ob ihm etwas passiert fei, den Rest seines
Gewehres: den Lauf und den Lederriemen. BRlilles andere
hatte ihm eine kleine Granate zersamettert. Ich lobe ihn,
weil er nicht gewanktt und gewichen ist, und frage ihn:
„Na, was hast du denn bei der Geschichte gedacht?“ Seine
verblüffende Lintwort lautet: „Dch dacht' halt, ich bräucht
a neues G'wehr!“ — Anmazung. Buchhalter: „Herr
Boldmann, die Firma Maier & Kowmpanie hat Sie heut'
direkt des Betruges beschuidigt, das könuen wir uns doch
nicht gefallen lassen? — Chef: „Wie heißt „wir“? Sind
Sie mein Kompagnon?“ — Die Schwarzseher. Tie
Braut des Feldgrauen (zum Dor pfarrer): „Run will er
ich zu den Fliegern melden, der mit seinem Pech, was er
zat! Ach, Herr Pfarrer, der stürzt am ersten Tag ab und
allt in 'd Porzellanladen 'nein!“ — Stirblüte
.. Vorbei flogen Telegrapheustangen, Apfel-, Kirsch- und
Zwetschgendäume sowie sein ganzes vergangenes Lben..
— VDie reiche Erbin. „Was würdest du sagen, Erich
wenn ich mich mit Deiner Schwester verloben würde?“ —
„E Geschäft!“ — Berliebt. Sie: „Wann wollen wir
uns denn morgen nachmittag treffen, um 4 oder bereit—
um 8?“ — Er: „Ach, am lieosten schon um zwei, Fläulein
Käthe ... um eins bin ich da!“ — Verlockende Aus—
tteuer. Bäuerin (zu dem Verehrer der Tachter): „.. Die
Vroni suchen S'? Die arbeit' g'rad an ihrer Aussteuer!“
— „Ich meine, sie draußen beim Schweinefüttern gesehen
zu haben?“ — „Na eben ... das Schwein kriegt s' mit,
venn s heiratet!“ — Mildernd. Amtmann: Über mich
verden im Wirtshaus ja schöne dieden geführt; gestern
abend soll ich als dumm, faul und gefräßig hinzestellt
vorden sein?!“ — Polizin: „Vas ist nit wahr, Herr Amt—
nann ... von Gefräßigkeit ist ta' Red' g'wesen! — Beim
heiratsvermittler. Aitliche Dame (vermögend): „Ob
aber 'was Passendes für mich da sein wird?“ — Wer—
mittler: „Hm, wir werdon segen: Hier ist einer, der heiraten
könnt', der wird aber nicht zu jzaben sein; da wär' einer,
der heiraten möcht', ist aver auch fraglich; aber der da ist
einer, der heiraten muß, das wird der richtige sein!“
Trost. „Sieh' mal, Männchen, in meiner Granatbrofsche
sehlen einige Steine!“ — „Tas macht nichts ... Granagt—
löcher sind jetzt modern!“ — Bercchnung. Zwei Zech—
preler merden hintereinauder verarcrint. — Ser zwöile
sgis für den erlen das Urteil pertündet wird): „Fur die
Sa weinsbare und drei Waß Vier kriegt er sechs Wochen
Sfüugnizc — da werde idgyh sür meinen NRihbraten mit
ren rn rrne e,e,nte frlote
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Doppelsinnig. Ehemann (vor Gericht, als seine Frau
schon wieder wegen Beleidigung belangt ist): „Hoher Ge—
richtshof, es ist wahr, der Mund meiner Frau hat —
offen gestanden — schon viel Unheil gestiftet!“ — Vor—
gebeugt. „Zehn Uhr! Ich geh' jetzt nach Hause, weil
neine Frau morgen in einem Konzert austreten muß ...
sonst ist sie wieder den ganzen Tag heiser!“
* Der Nachtwächter. Neulich besuchte ich auf Urlaub
einen albten Schulfreund. Kleines Nest in Sachsen. Um
) Uhr gings zum Stammtisch, um 10 Uhr war Feierabend,
im Honoratiorenstübchen freilich noch nicht. Zwischen halb
ind dreiviertel 11 Uhr steckt der Nachtwächter seinen
Fopf zur Tür herein und sagt vorwurfsvoll: „Awer meine
Härren, 's is doch kleich dreiviertel elwe!“ Der Wirt er⸗
widert treuherzig: „Ja, das dud uns ooch leid, das ist doch
awer nich zu ännern!“ Das leuchtete auch dem HNktacht
wächter ein, und er verschwand.
*Unterstand. „Du bist doch ein heller Junge, sag
mal, kaunst du einen Satz bilden, in dem füßfmal das Wort
Anterstand vorklommt?“ „ARee.“ „Paß mal auf: Als
ich bei dem Regen in dem Unterstand, der Unteroffizier
Wuppdich unterstand, unterstand, understand sich der Kaͤrl,
unter standhaftem Qualmen einen Gasangriff auf uns zu
machen.“ „Weeste noch mehr son Quatsch?“
*Im Schützengraben. Einer von uns im Lazarett
hat, einen Armschuß. Es geht ihm aber schon ganz gut;
er hat den Arm nicht mehr in der Binde; nur merkt man
es ihm an, daß der Arm ziemlich steif ist. Der Arzt befiehlt,
er soll den Arm bewegen, und der Sanitäter macht mii
ihm kunstgerecht Bewegungen! Der Krante schneidet Gri—
massen und stöhnt dabei. Am zweiten Tag verzerrt er
zwar noch das Gesicht: aber es scheint schon leichter zu
zehn. Einer sagte hinterner: „Siehst du, das tut schön
aicht mehr so weh.“ „Ja“, erwiedert beruͤhigt der Kranke,
„ich hab' heute auch den gesunden Arm hingehalten.“
*Der Sachverstaändige. Die Familie hat uͤnter den
apfern, feldgrauen Streitern einen Vetter, den sie mit allen
hr erreichbaren Liebesgaben beglückt⸗ Nur Eßwaren können
nicht dabei sein. Das tut auch nicht not, denn der Vetter
»efindet sich in einer Gegend, wo man trotz der Anfammlung
zroßer Truppenmassen in den Ortschaften hinter der Fron
aach Belieben Fleisch kaufen kann. So schickt der Vetter
als Zeichen seines Dankes den lieben Verwandten eines
Tags ein Dutzend Würstchen. Würstchen sind bei Kahles
chon seit Jahr und Tag ein sagenhafter Begriff. Leider
ommt infolge der weiten Entfernung die Sendung in ver—⸗
dächtigem Zustand an. Die Würfichen sind schimmlig
geworden. Nun ist Wurstgist eine gefährliche Sache und
um das Wohl der Familie nicht auf das Spiel zu setzen,
beschließt Herr Kahle, das Versuchskaninchen zu spielen,
Die Würstchen werden gesäubert uͤnd im heißen Wasser
aufgebrüht. Herr Kahle probiert das erste, zweite, dritte
und so fort. Franu und Kinder schauen sehnfuchtsvoll zu
Als das letzte verschwunden ist, wischt er sich den Vart und
Pricht: „Die Dinger scheinen unschädlich zu sein. Wenn
der Velter wieder Würstel schickt. könut ihr auch einmal
kosten.“
*Win weit entfernt stehendes Geschütz feuert seit
iner halben Stunde auf unsere Stellung. Scharfschütze
Müller nimmt sein Gewehr und feuert wie rasend in die
dermeintliche Richtung nach dem Geschütz, als er plötzlich
schweigt. Jubelnd ruft Müller aus: „Geschütz vernichtet!
— — Infanterie-Volltreffer!“ „Ja, ja,“ sagt der Hüber
mit wichtiger Mine, „das viele G'red im Reichstag haat's
jor kan Zweck nöt. Solang die internationalen Schieß—
qu den, nöt polizeilich g'schlossen wird, solang hört's'a
d'r Kriag nöt auf!“
*Ein Geschäft. Gläubiger: „Sie sind gut! Mich
bezablen Sie nicht und da sitzen Sie bei einem Sektgelage!“
— „Was wollen Sie denn, den Wein pumpe ich, und für
jeden Sektpfropfen krieg' ich jetzt fünfundzwanzig Pfennige.“
* Zeitgemästse Umäunberuug. Auch d. u. mein
Sohn Brutus?e*
*Sparsamkeit.
Unter den vielen, gar sonderbaren
Leuten traf ich auch Käuze an,
Die brannten, um Zündhölzer zu sparen,
Eine Zigarre an der anderen an.
O. E. W.
hauswttel und CGemeinnutz ges.
*Zwiebel als Heilmittel. Will man ein Geschwür
schnell zum Aufgehen bringen, so lege man eine durch—
schnittene und in heißer Asche halbgebratene Zwiebel auf
die Spitze desselben. Auch gegen erfrorene Füße wird
Zwiehelsaft empfohlen. Man nehme hierzu täglich 4
Zwiebeln, schneide sie sein, streue eine halbe Tasse feines
Kodsalz darüber und lasse site mehrere Stunden in einem
Rasierten oder Porzellangefäß stehen, so daß sich der Saft
herauszieht. Mit letzterem reibe man die wunden Stellen
vor dem Schlafengehen tüchtig ein und lasse den Saft am
Ofen in die Kaut eintrocknen. Wenn der Geruch der
Zwiebeln nicht unangenehm ist, kann man dieselben auch
als Pflaster für die Nacht aufbinden. Schon nach wenigen
Tagen wird Besserung eintreten.
*B2vie spült man Töpfe und Pfannen? Man fülle
solche dieser Gefäße, worin mit Reis, Mehl oder dergleichen
Ingaredienzen angerichtete Speisen bereitet waren, vorher
mit daltein Wasser, damit sich diese mehligen Teile mit
Nachhülse eines alten Messers und einer kleinen Scheuer—
bürste und genug Seife leicht entfernen. Dann erst wasche
man diese Suchen, und stelle dieselben nach fauberem Aus—
vischen mit dem Tuch noch einen Augenblick auf den Hert
Amn vwölligen Nustrockne«