Full text: Der Bergmannsfreund (5)

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oder unten — treffenden Bällen oder Strahlen bei ihrem 
Zurückgehen ganz genau in einem und demselben Punkte der 
Axe des Spiegels vereinigen. Diesen Punkt nennt man 
den Brennpunkt und einen solchen Spiegel einen 
Brennspiegel. Je nachdem der Spiegel staärker oder 
schwächer gekrümmt ist, oder mit andern Worten, je nach⸗ 
dem die der Form des Brennspiegels zu Grunde liegende 
Hohlkugel einen kleineren oder größeren Durchmesser hat, 
desto näher oder weiter vom Spiegel entfernt wird sein 
Brennpunkt liegen. Andererseits kann man durch entsprechende 
Aufstellung des Spiegels es so einrichten, daß sein Brenn⸗ 
punkt irgend einen beliebigen Gegenstand trifft. 
Will man nun mit einem solchen Brennspiegel den 
Versuch machen, Wasser zum Kochen zu bringen, so braucht 
man das Gefäß mit dem Wasser nur derartig aufzustellen, 
oder auch umgekehrt den Spiegel in eine solche Lage zu 
bringen, daß der Brennpunkt des letztern das Gefäß er⸗ 
reicht. Die von dem Spiegel aufgefangenen und wieder 
zurückgeworfenen zahllosen, ursprünglich parallelen Sonnen⸗ 
strahlen treffen dann, in dem einen Punkte concentrirt, das 
Befäß und werden dasselbe mit ihrer vereinten Wärme⸗ 
kraft nach und nach derartig erhitzen, daß schließlich der 
gewünschie Erfolg eintritt und das Wasser im Gefäß kocht. 
Von einem solchen Brennspiegel ließe sich auch noch 
manches Andere erzählen. Es mag hier nur nebenbei er— 
wähnt sein, daß man mit demselben nicht nur Wasser durch die 
Sonne zum Sieden gebracht und Fleisch gekocht hat, sondern 
sogar Metalle damit geschmolzen, grünes nasses Holz ent⸗ 
zündet und dessen Asche zu Glas geschmolzen hat. Knochen, 
Erde, Steine, Ziegel sinken ebenfalls, der Wirkung eines 
roßen Hohlspiegels ausgesetzt, zu Glas zusammen. Dicke 
deeenn Thalerstücke werden sofort durchbohrt, ja 
selbst Diamauten kann man im Feuerpunkte eines Spiegels 
verbrennen. Solche Brennspiegel, oder wie man sie auch 
nennt, Sammelspiegel, kannten schon die Alten und erzielten 
damit die großartigsten Wirlungen. Archimedes soll mit 
einigen Brennspiegein die seine Vaterstadt Syracus bela— 
gernde Flotte der Römer in Brand gesteckt haben. 
Die treue Bergmannsbraut. 
VBon Heinrich Gr... aus O.. 
Bei der Stadt Falun in Schweden wird schon seit 
300 Jahren ein Kupferbergwerk betrieben. Die Stiadt selbst 
hat ein düsteres Ansehn, und denselben Character trägt 
zuch ihre ganze Umgebung. Kein Grashälmchen schmückt 
den Erdboden, kein Quell durchrinnt den Sand, kein Baum 
gzibt Schatten dem ermatteten Menschen. Nur braune 
Schlacken und hie und da ein brennender Schutthaufen, 
unterbrochen von zerstreut liegenden Kupferschmelzen, die 
ihr Feuer ausspeien und besonders Abends ihren grellen 
Schein weithin über die wüste Fläche verbreiten, ist Alles, 
was das Auge meilenweit in der Runde erblickt. 
Und doch vermag das Menschenherz auch solche Wüste⸗ 
neien in Paradiese zu verwandein, wenn es die Tugenden 
übt, die allein unsere innere Glückseligkeit ausmachen. 
Die dortigen Bergleute sind zum Theil selbst Eigen⸗ 
chümer der Gruben und arbeiten auf eigene Rechnung; 
zum Theil sind sie aber auch Tagelöhner und arbeiten auf 
Rechnuug anderer Eigenthümer. Jedes achte Pfund Kupfer, 
das gewonnen wird, ist Staatssteuer und muß auf Rechnung 
des Staats abgeliefert werden. — — 
Am St. Johannistage des Jahres 1687 geschah es, 
daß der Bergmann Klas seine Wohnung zu Falun verließ, 
um sich an die Arbeit im Berawerk zu begeben Er ge⸗ 
pde zu den Bessergestellten, die auf eigene Rechnung ar—⸗ 
eiteten. 
Hell und froh blickten seine Augen in den prachtvollen 
Sommermorgen hinein, als er seine festen und doch elasti— 
schen Schritte nach Westen wandte, wo sich die Erzgruben 
hbefanden. Er war so recht ein Bild kräftiger Gesundheit 
ind fröhlichen Jugendmuthes, dem durch den schlichten 
Bergmannsanzug kein Abbruch geschah, vielmehr hob dieser 
die schöne Gestalt nur noch besser hervor. 
Manches Mädchenauge blickte der schönen Gestalt mit 
Wohlgefallen nach, aber er sah weder zur Rechten noch 
zur Linken, bis er an das letzte Haus in der Straße kam. 
Hier wohnte eine arme Bergmannswittwe mit ihrer einzigen 
Tochter Maria, und letztere hatte schon längst sein Herz 
erobert. Sie war seine Braut. — Morgen sollte die Hoch⸗ 
zeit stattfinden. 
Er trat nicht in die Stube, sondern nur ans Fenster; 
henn hier hatte er seine liebe Marie schon bemerkt, welche 
am offenen Fenster saß und sich eifrig mit der Nadel be— 
chäftigte. 
„Glückauf, mein süßes Bräutchen“ — so lautete sein 
Bruß, als er zu ihr trat. — „Was arbeitet denn meine 
Marie schon in aller Frühe?“ — — 
„Wie Du mich erschreckt hast,“ entgegnete sie, schelmisch 
ächelnd und die Augen zu ihm aufschlagend, in deren 
Bläue sich der Thau einer Thräne abspiegelte. Voll inniger 
diebe waren sie auf ihn gerichtet, als sie ihn jetzt bat, doch 
hjeute nicht zur Grube zu gehn. „Es liegt mir im Ge— 
nüthe,“ fuhr sie fort, wie ein Alp ruht es auf meiner 
Brust, es könnte Dir ein Unglück begegnen.“ 
„Seit wann ist denn meine Marie, das starke Mädchen, 
so ängstlich geworden ?“ war seine Antwort. „Können wir 
dem entrinnen, was die weise Vorsehung über uns be— 
chlossen hat? Sind wir nicht überall in Gottes Hand? 
Zann uns nicht über der Erde grade so gut ein Unglück 
reffen, wie unter der Erde? Es ist genug daß ich morgen 
und übermorgen feiere, was ich mit Freuden thue; denn 
dann darf ich Dich an mein Herz drücken und Dir zeigen, 
wie lieb ich Dich habe. Aber heute würde mir nur die 
Zeit lang werden, da ich für morgen Alles besorgt und 
rusgerichlet habe. Sei also wieder fröhlich und verscheuche 
die iraurigen Gedanken! — Du hast aber meine Frage noch 
nicht beantwortet,“ fuhr er fort und griff nach dem seidenen 
Tuch, welches auf ihrem Schooße lag. 
.Das soll Dein Hochzeits-Halstuch geben,“ lispelte fie 
hm in's Ohr, und ihre Stimme klang lieblicher als Nach⸗ 
igallengesang, etwas Herzgewinnenderes konnte es nicht 
jeben. Dabei schlang sie ihm das Tuch um den Hals, um 
u sehen, ob es ihm auch schön stehe und ihn putze. Er 
ber ergriff ihre Hände und drückte unzählige Küsse darauf. 
o daß dieselben ganz roth wurden. 
Endlich entzog sie ihm die Hände und meinte: „Nun 
laß mich aber auch arbeiten; es ist noch viel an dem Hals⸗ 
uch zu steppen, sonst bringe ich es nicht fertig.“ 
„Ja, ja, nun ist mir's selbst, als könnte ich nicht von 
Dir scheiden, als müßte ich bei Dir bleiben; — aber ich 
werde in der Grube immer an Dich denken, dann vergeht 
die Zeit desto schneller, und bald bin ich wieder bei Dir.“ 
Noch ein fröhliches „Glückauf“ wünschte er ihr, und 
dann war er ihren Augen entschwunden. — 
Wie konnte sie ahnen, daß dieser Abschied 50 Jahre 
dauern würde, bis sie ihn wiedersehen werde! Und doch 
var es so!.. Kein Stand hat mehr Ursache, das schöne 
Lied zu beherzigen:
	        
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