Full text: Der Bergmannsfreund (5)

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in Zollern und Schalksberg that man fünfundzwanzig Schüsse. 
Dies Mal hat er doch daran glauben müssen,“ sagte der 
Schalk, als sie unterwegs zusammentrafen. 
„Ja,“ antwortete Wolf, „und wenn er noch ein Mal 
auferfteht und zum Fenster herausschimpft, wie damals, so 
jab ich' eine Büchse bei mir, die ihn höflich und stumm 
machen soll. 
Als sie den Schloßberg hinanritten, gesellte sich ein 
Neiter mit Gefolge zu ihnen, den sie nicht kannten. Sie 
glaubten, er sei vielleicht ein Freund ihres Bruders und 
fomme, um ihn beisetzen zu helfen. Daher geberdeten sie 
sich kläglich, priesen vor ihm den Verstorbenen, beklagten 
ein frühes Hinscheiden, und der kleine Schalk preßte sich 
ogar einige Krokodilsthränen aus. Der Ritter antwortete 
hnen aber nicht, sondern ritt still und stumm an ihrer 
Seite den Hirschberg hinauf. „So, jetzt wollen wir es 
uns bequem machen, und Wein herbei, Kellermeister, vom 
besten!“ rief Wolf, als er abstieg. Sie gingen die Wen—⸗ 
deltreppen hinauf und in den Saal, auch dahin folgte ihnen 
der stumme Reiter, und als sich die Zwillinge ganz breit 
an den Tisch gesetzt hatten, zog jener ein Silberstück aus 
dem Wamms, warf es auf den Schiefertisch, daß es um— 
herrollte und klingelte, und sprach: „So, und da habt Ihr 
etzt Euer Erbe, und es wird just recht sein, ein Hirsch— 
zulden.“ Da sahen sich die beiden Brüder verwundert an, 
achten und fragten ihn, was er damit sagen wolle. 
Der Ritter aber zog ein Pergament hervor, mit hin⸗ 
länglichen Siegeln; darin hatte der dumme Cuno alle Feind⸗ 
eligkeiten aufgezeichnet, die ihm die Brüder bei seinen Leb— 
eiten bewiesen, und am Ende hatte er verordnet und be— 
annt, daß sein ganzes Erbe, Hab und Gut, außer dem 
Schmuck seiner seligen Frau Mutter, auf den Fall seines 
Todes an Würtemberg verkauft sei, und zwar um einen 
Aenden Hirschguülden! Um den Schmuck aber solle 
man in der Stadt Balingen ein Armenhaus erbauen. 
Da erstaunten nun die Brüder abermals, lachten aber 
aicht dazu, sondern bissen die Zähne zusammen, denn sie 
fonnten gegen Würtemberg Nichts ausrichten, und so hatten 
sie das schoöͤne Gut, Wald, Feld, die Stadt Balingen und 
selbst — den Fischteich verloren, und Nichts geerbt, als einen 
chlechten Hirschgulden. Den steckte Wolf trotzig in fein 
Wamms, sagte nicht ja und nicht nein, warf sein Baret auf 
den Kopf und ging trotzig und ohne Gruß an dem würtem⸗ 
bergischen Commissär vorbei, schwang sich auf sein Roß 
and ritt nach Zollern. 
Als ihn aber am andern Morgen seine Mutter mit 
Vorwürfen plagte, daß sie Gut und Schmuck verscherzt 
hätten, ritt er hinüber zum Schalk auf die Schalksburg: 
Wollen wir unser Erbe verspielen oder vertrinken ?“ fragte 
er ihm. 
Vertrinken ist besser,“ sagte der Schalk. ‚dann haben 
wir Beide gewonnen. Wir wollen nach Balingen reiten 
und uns den Leuten zum Trotz dort sehen lassen, wenn wir 
auch gleich das Städtlein schmählich verloren.“ 
And im Lamm schenkt man Rothen, der Kaiser trinkt 
ihn nicht besser,“ setzte Wolf hinzu. 
So ritten sie mit einander nach Balingen ins Lamm 
und fragten, was die Maß vom Rothen koste, und tranken 
sich zu, bdis der Gulden voll war. Dann stand Wolf auf, 
zog das Silberstück mit dem springenden Hirsch aus dem 
Wamms, warf es auf den Tisch und sprach: „Da habt 
Ihr Euren Gulden, so wird's richtig sein.“ 
Der Wirlth aber nahm den Guülden. besah ihn links. 
hesah ihn rechts, und sagte lächelnd: „Ja, wenn es kein 
dirschgulden wär', aber gestern Nacht kam der Bote von 
Stuttgart, und heute früh hat man es ausgetrommelt im 
Namen des Grafen von Würtemberg, dem jetzt das Städt⸗ 
—⁊ die sind abgeschätzt, und gebt mir nur anderes 
Beld.“ 
Da sahen sich die beiden Brüder erbleichend an. „Zahl' 
us,“ sagte der eine; „hast Du keine Münze?“ sagte der 
indere, und kurz, sie mußten den Gulden schuldig bleiben 
m Lamm in Balingen. Sie zogen schweigend und nach— 
denkend ihren Weg; als sie aber an den Kreuzweg kamen, 
vo es rechts nach Zollern und links nach Schalksberg 
zsing, da sagte der Schalk: „Wie nun? Jetzt haben wir 
ogar weniger geerbt als gar Nichts, und der Wein war 
iberdies schlecht.“ 
„Ja wohl,“ erwiderte sein Bruder. „Aber was die 
Feldheimerin sagte, ist doch eingetroffen: Seht zu, wieviel 
son seinem Erbe übrig bleiben wird, um einen Hirschgulden! 
Jetzt haben wir nicht einmal ein Maß Wein dafür kaufen 
önnen.“ 
„Weiß schon!“ antwortete der von der Schalksburg. 
Dummes Zeug! sagte der Zollern, und ritt zerfallen 
mit sich und der Welt seinem Schloß zu. 
— 
Deutsche Sprũuche. 
Nicht hoffe, wer des Drachen Zähne fät, 
Erfreuliches zu ärnten. Jede Unthat 
Trägt ihren eignen Rache Engel schon, 
Die böse Hoffnung, unter ihrem Herzen. 
Das gegenwärt'ge Unglück trägt sich leicht, 
Doch grauenvoll vergrößert es der Zweifel 
Und der Erwartung Qual dem weit Entfernten 
Streben wir nicht allzu hoch 
Hinauf, daß wir zu tief nicht fallen mögen. 
Wo große Höh', ist große Tiefe 
Der Mensch ist ein nachahmendes Geschöpf, 
Und wer der Vorderste ist, der führt die Heerde. 
Auflösung des Räthsels in voriger Nummer: 
* 
6 
Marktpreise am 28. Januar 1875. 
zu Saarbrücken. zu St. Johaun. 
Marx Pig. Markx Pitg. 
Centner Kartoffeln 2 — 2 — 
l Pfund Butter 1 20 1 2 
1 Dutzend Eier 85 — 85 
—— — —— —— — —— x5 — 
Orucker und Verleger Februder Ho fer in Saarbrucken. (Erpedition der Saarbrücker Zeitunq.) 
oannicher Revacteur? A Haklacher m Saorhrücken
	        
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