Full text: Der Bergmannsfreund (5)

211 — 
in Thätigkeit und scheint seinen wohlthätigen Einfluß nicht 
zu verfehlen. Dasselbe besteht aus einem Vorsitzenden und 
sechs Beisitzern, welche von den Grubenbeamten und Ar⸗ 
beitern aus ihrer Mitte gewählt werden. 
Wie im Wormrevier, besteht auch zu Eschweiler 
seit dem Jahre 1870 bei den Arbeitern und Beamten des 
Eschweiler Bergwerksvereins ein Verein zu Zwecken 
der Hebung des Bergmannsstandes, zu gegenseitiger Unter⸗ 
stützung und Belehrung, sowie zur FoͤrderungIder, Gesellig⸗ 
keit, welcher 500 Mitglieder zählt. 
Verantwortlichkeit des Bergarbeiters. 
Bei der Gefährlichkeit des bergmännischen Berufes ist 
es durchaus Erforderniß, daß jeder Bergarbeiter bei der 
Arbeit und in seinem Dienste den Befehlen seines unmittel— 
baren Vorgesetzten Folge leistet. Er ist hierbei vollständig 
in der gleichen Lage, wie der Soldat, und kann auch eben— 
so wenig wie letzterer dafür verantwortlich gemacht werden, 
wenn etwa durch die Ausführung des Befehls seines un— 
mittelbaren Vorgesetzten eine allgemeine Anordnung über— 
treten wird. 
Dieser Grundsatz ist neuerdings auch durch ein Er— 
kenntniß (vom 9. November 1875) des höchsten deutschen 
Gerichtshofs, des Reichs-Oberhandelsgerichtes zu Leipzig, 
festgestellt worden. 
Nach der endgültigen Entscheidung des genannten 
Gerichtshofes begeht ein gewöhnlicher Bergarbeiter, welcher 
von einem unmittelbaren Vorgesetzten einen Befehl empfängt, 
der, um überhaupt wirksam zu sein, sofort befolgt werden 
muß, und welcher sich auf eine Arbeit bezieht, in deren 
Ausführung der Arbeiter begriffen ist und die jener Vor— 
gesetzte zu leiten und zu beaufsichtigen hat, kein Vecsehen, 
wenn er Gehorsam leistet, sollte auch der Befehl einem 
früher von einer höhern Stelle erlassenen Verbote zuwider 
sein. Es ist dabei als die Regel angenommen, daß dem 
Arbeiter nicht zugemuthet werden kann, zu prüfen, ob der 
unmittelbare Vorgesetzte seine Befugnisse uͤberschreitet, zumal 
ja auch mancherlei, der Beurtheilung des Arbeiters sich 
entziehende Umstände eingetreten sein können, welche es 
räthlich und sogar nothwendig machen, das Verbot außer 
Acht zu setzen. Es kann daher der Arbeiter nicht für die 
Folgen verantwortlich gemacht werden, wenn er unverzüglich 
ausführt, was der unmittelbare Vorgesetzte ihn sofort zu 
thun heißt. 
Ein trauriges Bild aus dem Arbeiterleben. 
Es ist Sonntag Abend. Wir befinden uns auf einer 
Eisenbahn-Station zur Zeit, als der gewöhnliche Arbeiterzug 
abgehen soll, welcher Hunderte von Arbeitern wieder zů 
den fernen Werken und Fabriken hinführen wird, von wo 
er sie am Tage vorher uͤber Sonntag nach ihrer Heimath 
gebracht hat. Der Wartesaal des Bahnhofs ist bereits 
angefüllt mit einer großen Zahl von Arbeitern und auch 
Arbeiterinnen, jeder einen Sack oder ein Bündel mil 
Kleidern und Lebensmitteln aller Art bei sich, dem Vor— 
rath für die Woche. Sie unterhalten sich sehr geräuschvoll 
in zahlreichen Gruppen. 
Inzwischen tritt ein neues Paar in den Saal. Es 
ist eine ältliche Frau mit ergrautem Haar und bereits etwas 
gebogenem Rücken, sie scheint an die 60 Jahre zu zählen, 
indessen Kummer und Entbehrungen, die in ihren wohl 
einst schönen Zügen sich ausgeprägt haben, mögen sie viei⸗ 
leicht älter erscheinen lassen, als sie in Wirklichkeit ist. Mit 
ihr kömmt ihr Mann, unverkennbar ein Arbeiter, noch rüstig 
und von kräftiger Gestalt, aber mit etwas unsicherem Gang; 
das geröthete Gesicht und die rothe Nase lassen vermuthen, 
daß wir es mit einem jener Trunkenbolde von Profession 
zu thun haben, die ihr Leben, ihre Ehre und ihre Familie 
dem Branntwein verkaufen. 
Der Mann setzt sich auf eine Bank, die Frau auf eine 
andere. Plötzlich wendet sich letztere dem Manne zu mit 
der Frage: 
„Hast Du auch Dein Billet genommen?“ 
Schweigen von Seiten des Mannes. 
„Ich habe Dir das Geld gegeben, um eins zu nehmen; 
wenn Du es nun wieder verlumpt hast, dann werde ich 
allein fahren.“ — 
„Na, so werde ich hier bleiben“, unterbrach jetzt der 
Mann sein Schweigen und wandte ihr den Rücken. 
Diese wenigen Worte, mit lauter Stimme gesprochen, 
hatten die allgemeine Aufmerksamkeit erregt, und diejenigen, 
welche der alten Frau in's Gesicht sehen konnten, weis— 
sen einen nahen Sturm. Und letzterer brach auch sofort 
Dos. 
„Ja“, schrie die Frau in den Saal hinein, „da könnt 
Ihr einen schlechten Kerl sehen! Bringi mir ganze 25 
Groschen als Lohn von 14 Tagen mit nach Haus, und 
verdient doch als Steinhauer Tag für Tag seine 1 Thlr. 
10 Sgr! Aber er versäuft Alles, was er verdient, und wird 
mit jedem Tag immer mehr zum Vieh ....“ 
Die arme, alte Frau hatte mit immer steigender Stimme 
diese Worte hervorgestoßen, während ihr Opfer den Kopf 
senkte, ohne zu antworten. Doch murmelte er halblaut vor 
sich hin: „Schändlich von dem Weib, solch einen Skandal 
zu machen!“ — Aber die Alte, die sich eben erhoben, hatte 
die Worte gehört. 
„Was!“ schrie sie. „Eine Schande ist es, ja, aber 
nur für Dich! Ich muß arbeiten und schaffe, soviel ich nur 
kann, während Du ..... Du solltest vor Scham ver— 
sinken. Aller Welt werde ich es sagen und Dich in Deinem 
wahren Lichte zeigen!“ 
„Es ist doch wirklich wahr,“ fuhr sie fort, indem sie 
sich zu den umstehenden Personen wandte, „was kann man 
denn heutzutage mit 25 Sgr. für 14 Tage machen? — 
Arbeiten, werdet Ihr mir sagen. Ja, ich thuüe es auch, aber 
ich bin keine 20 Jahre mehr alt, währeud der Lump noch 
rüstig ist. Betrachtet ihn nur, er hat sich noch nicht einmal 
rasiren lassen, er hatte kein Geld mehr. Er versäuft es 
lieber und läuft wie ein Schwein heruin!“ 
Das war doch dem Mann zuviel. Er erhob sich, 
näherte sich seiner Frau, rief ihr mit drohender Geberde 
einige Worte zu und ging dann zur Thüre hinaus. Bald 
kam der Zug, die alte Frau stieg allein ein, ihr Mann 
war verschwunden. — 
Aehnliche Bilder, wie häufig mögen sie wohl vorkommen! 
Wie viele Arbeiterfamilien könnten glücklich und zufrieden 
und in Wohlhabenheit leben, wenn nicht das scheußliche 
Laster des Trunkes wäre, das immer und immer wieder 
Opfer findet und so manchen, von Herzen guten Menschen 
für Zeit und Ewigkeit gebrandmarkt hai. 
Wie schön leuchtet der Morgenstern. 
Eine Geschichte aus dem siebenjährigen Krieg. 
Wir waren wohl ost in großer Angst und Noth (er— 
zählt ein alter Dorfschulmeister in Schlesien), wenn wir 
im siebenjährigen Kriege auf jenen Anhöhen die Oester—
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.