Full text: Der Bergmannsfreund (3)

Doch es kann nicht Jeder in diesen Schulen Aufnahme 
finden. Es muß, wenn dieselben das Ziel erreichen sollen, 
welches ihnen gesteckt ist, ein gewisses Maaß von Kennt— 
nissen bei den Schülern vorausgesetzt werden können. Es 
gilt also für alle die, welche auf die Zulassung zu diesen 
Schulen hinstreben, sich dieses Maaß von Vorkenntmissen zu ver— 
schaffen. Auch dafür ist Gelegenheit geboten. Im Bereich 
jeder Grube besteht eine sogenannte Werksschule oder berg— 
mäunische Fortbildungsschule, welche alle jugendlichen Ar— 
beiter der Grube besuchen müssen. Hier, meine ich, sei die 
Stätte, wo das Wissen und Können erworben werden kann, 
welches für die Aufnahme in die Steigerschulen erforder— 
lich ist. 
Leider aber steht es hierbei derartig, daß die meisten 
der jungen Arbeiter dieses „in die Schule gehen“ nur als 
eine Last betrachten. Ihr Verstand ist noch zu wenig gereift, 
um selbst einzusehen, daß es nur ihr eigener Vortheil ist, 
wenn sie Etwas lernen; ihre Willenskraft ist noch zu wenig 
erstarkt, als daß sie mit vollem Ernst und Eifer an die 
Geistesarbeit gingen. Und da, meine ich, sei es Pflicht der 
Eltern und Vormuͤnder, die ihren Kindern und Mündeln fehlende 
Verstandes- und Willenskraft durch ihre eigene zu er— 
setzten, d. h. sie mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mit— 
teln dahin zu bringen, daß sie die Werksschule regelmäßig 
und mit dem nöthigen Eifer für das Lernen besuchen. Das 
ist Pflicht der Eltern, und alle diejenigen, die diese Ver— 
flichuung nicht erfüllen, begehen eine Unterlassungssünde an 
—— 
möchte später von ihren Kindern der Vorwurf treffen, den 
ich weiter oben schon angedeutet habe. 
Ich bin überzeugt, daß viele Eltern diese ihre Schul— 
digkeit thun; aber ebenso habe ich die Ueberzeugung, daß 
viele dieser elterlichen Pflicht nicht nachkommen. An letztere 
möchte ich die dringende Mahnung richten, sich aus hrer 
Gleichgültigkeit für das Wohl ihrer Kinder emporzuraffen 
y das zu thun, was elterliche Liebe dem Kinde schuldig 
ist! 
Der Dichter Göthe in Saarbrücken und 
am brennenden Berge bei Dudweiler. 
Wohl jeder deutsche Bergmann hat einmal vom deunt— 
schen Dichter Wolfgang von Göthe gehört oder kennt wenig—⸗ 
stens eines oder das andere seiner schönen Lieder und Ge— 
dichte. Geboren zu Frankfurt a. M. am 28. Auguft 1749, 
studirte Göthe zu Leipzig und Straßburg die Rechtswissen— 
schaft, war dann mehrere Jahre beim Reichskaminergericht 
zu Wetzlar thätig und lebte seit 1776 in Diensten des Groß—⸗ 
herzogs von Sachsen-Weimar als Geheimer Rath in der Stadt 
Weimar, wo er in hohem Alter am 22. März 1832 starb. 
Nicht bloß als Dichter ist Göthe berühmt geworden 
er hat sich auch vielfach mit den Naturwissenschaften beschäf— 
tigt, war Mitglied einer mineralogischen Gesellschaft und 
auch mit dem Bergbau und seiner Wisfenschaft sehr bekannt. 
Für uns Saarbrücker Bergleute hat es daher um so größeres 
Interesse, was er über unsern Saarbrüder Kohlenbergbau 
und namentlich über den brennenden Berg bei Dudweiler, 
die dortigen Alaunhütten und Kohlengräbereien aus eigener 
Anschauung erzählt. Er sagt selbst, daß gerade die Saar— 
brücker Berggegenden in ihm die Lust erregt haben zu den 
ökonomischen und technischen Betrachtungen, die ihn wäh⸗ 
rend eines großen Theils seines Lebens beschäftigt haben. 
Auf einer Reise von Straßburg im Jun 1770 nach 
Saarbrücken gekommen, beschreibt Goͤthe, was er dort und 
in der Saargegend erlebt und gesehen, in seinem Buche 
„Aus meinem Leben“ (II. Theil 10. Buch), wie folgt: 
Wir gelangten über Saargemünd nach Saarbrück, und 
diese kleine Residenz war ein lichter Punkt in einem so fel— 
sig⸗waldigen Lande. Die Stadt, klein und hügelig, aber durch 
den letzten Fürsten (Wilhelm Heinrich, 1741 -1768) wohi 
ausgeziert, macht sogleich einen angenehmen Eindruck, weil 
die Häuser alle grauweiß angestrichen sind und die verschie— 
dene Höhe, derselben einen manigfaltigen Anblick gewährt. 
Mitten auf einem schönen, mit ansehnlichen Gebäuden um— 
gebenen Platze steht die Lutherische Kirche, in einem kleinen, 
aber dem Ganzen entsprechenden Maßftabe. Die Vorder 
seite des Schlosses liegt mit der Stadt auf ebenem Boden, 
die Hinterseite dagegen am Abhange eines steilen Felsens. 
Diesen hat man nicht allein terrassenweise abgearbeitet, um be— 
quem in das Thal zu gelangen, sondern man hat sich auch un⸗ 
ten einen länglich viereckten Gartenplatz, durch Verdrängung 
des Flusses an der einen und durch Abschroten des Felsens an 
der anderen Seite, verschafft, worauf denn dieser ganze Raum 
erst mit Erde ausgefüllt und bepflanzt worden. die Zeit 
dieser Unternehmung fiel in die Epoche, da man bei Gar— 
tenanlagen den Architekten zu Rathe zog, wie man gegen— 
wärtig das Auge des Landschaftsmalers zu Hülfe minmt. 
Die ganze Einrichtung des Schlosses, das Kostbare und An— 
genehme, das Reiche und Zierliche deuteten auf einen lebens— 
lustigen Besitzer, wie der verstorbene Fürst gewesen war; 
der gegenwärtige (Fürst Ludwig, 1768 1798) befand sich 
nicht am Orte. 
Präsident von Günderode empfing uns auf's Ver— 
bindlichste und bewirthete uns drei Tage besser, als wir es 
erwarten durften. Ich benutzte die mancherlei Bekanntschaf— 
ten, zu denen wir gelangten, um mich vielseitig zu unter⸗— 
richten. Das genußreiche Leben des vorigen Fürsten gab 
Stoff genug zur Unterhaltung, nicht weniger die mannigfal— 
tigen Anstalten, die er getroffen, um Vortheue, die ihm die Na— 
tur seines Landes darbot, zu benutzen. Hier wurde ich nun 
eigentlich in das Interesse der Berggegenden eingeweiht, und 
die Lust zu ökonomischen und technischen Betrachtungen, welche 
mich einen großen Theil meines Lebens beschäftigt haben, 
zuerst erregt. Wir hörten von den reichen Dudweiler Stein— 
kohlengruben, von Eisen- und Alaunwerken, ja sogar von 
einem breunenden Berge, und rüsteten uns, diese Wunder in 
der Nähe zu beschauen. 
Nun zogen wir durch waldige Gebirge, die demjenigen, 
der aus einem herrlichen, fruchtbaren Laude kommt, wüst 
und traurig erscheinen müssen, und die nur durch den in⸗ 
neren Gehalt ihres Schooßes uns anziehen können. Kurz 
hinter einander wurden wir mit einem einfachen und einem 
zomplicirten Maschinenwerke bekannt, mit einer Sensen— 
schmiede und einem Drathzug. Wenn man sich an jener 
schon erfkeut, daß sie sich an die Stelle gemeiner Hände 
setzt, so kann man diesen nicht genug bewundern, in— 
dem er in einem höheren organischen Sinne wirkt, von dem 
Verstand und Bewußtsein kaum zu trennen sind. In der 
Alaunhütte erkundigten wir uns genau nach der Gewinnung 
und Reinigung dieses so nöthigen Materials, und als wir 
große Haufen eines weißen, fetten, lockern, erdigen Wesens 
bemerkten und dessen Nutzen erforschten, antwoͤrteten die 
Arbeiter lächelnd, es sei der Schaum, der sich beim Alaun— 
sieden obenauf werfe, und den Herr Stauf sammeln laffe, 
weil er denselben gleichfalls hofse zu Gute zu machen. 
Lebt Herr Stauf noch? rief mein Begleiter verwundert 
aus. 
Man beiahte es und versicherte, daß wir nach unserm
	        
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