Full text: Der Bergmannsfreund (3)

68 
aber bei steigender Fluth gefährlich wurde. Bei Tagesan— 
bruch kamen von der Mars-Insel Fischerfahrzeuge und ret⸗ 
teten von dem Felsen und aus der Takelung, so viele sie bei 
dem rauhen Seegange fortbringen konnten. Diese Anstreng— 
ungen wurden bis Mittag fortgesetzt, wo alle Ueberleben— 
den in Sicherheit gebracht waren, mit Ausnahme des ersten 
Officiers Firth, der noch in der Takelung hing, zu dem 
man aber wegen des hohen Seegangs nicht gelangen konnte. 
Es sind etwas über 400 Personen gerettet, darunter der 
Capitän Williams, die Officiere Bradyd und Brown, der 
Schiffsarzt und mehrere Maschinisten. Die Gesammtzahl 
der an Bord befindlichen Passagiere betrug nach der Schiffs— 
liste 615, darunter viele Frauen und Kinder, welche letztere 
alle ertrunken sind. Doch waren nicht alle Personen in 
die Liste eingetragen. Insgesammt wird die Zahl der an 
Bord Gewesenen jetzt auf 938 angegeben. Man nimmt an, 
daß der Capitän das Sambro-Leuüchtfeuer mit einem andern 
verwechselt hat und so in falsches Fahrwasser gerathen ist. 
Der Atlantic gehörte der White Star-Gesellschaft und 
machte seine erste Reise im Juni 1871. Das Schiff war 
487 Fuß lang, 41 Fuß größte Breite, 32 Fuß Tiefe im 
Raum. Es hatte Maschinen von 600 Pferdekraft, vier ei— 
serne Masten und konnte so viel Segel tragen, daß es nö— 
thigenfalls unter diesen fahren konnte. Der Werth des 
Schiffes wird auf 150,000 Pf. Sterling Englisch (1 Million 
Thlr.) der Werth der Ladung auf etwa 50,000 Pf. Ster— 
ling angeschlagen. 
Die Nachricht von dem Unglück hat in England große 
Aufregung verursacht und namentlich auch in Irland, weil 
viele Irländer sich auf dem Dampfer befanden. Einem 
Telegramm zufolge sollen auch viele Deutsche bei dem Un— 
glücke umgekommen sein. In einem Verzeichnisse der ge— 
retteten Passagiere finden wir folgende Namen, welche einen 
deutschen Klang haben: L. Levinson, Heinrich Hirzel, F. D. 
Marckwald, N. Brandt, A. und P. Hansen, J. Lucas, An— 
drehs, Joh. und M. Schwarz, Jacob Schmidt, Emil Ellen— 
ger, Bictor Leyer, Rob. Thomas. J. Burkmann, Edmund 
Gainer, C. Huff, C. Cornelius, H. Jacobs, W. Christbaum, 
Aug. Elfick, Joseph Dellepp, Johann Hessel, Wilh. Schultz, 
J. Schlanzer, Friedrich Kohn, Joh. Wieckenburg. Diese 
Namen sind aus der Liste von 366 Geretteten entnommen, 
welche in Halifax angekommen sind; es befanden sich außer— 
dem am 8. April noch 77 Personen an Bord des Schiffes 
Lady Head, deren Namen noch nicht aufgezeichnet sind. 
auf die Hand und setzte sich in eine Ecke der Stube, um 
ein wenig auszuruhen. 
Der Wirth verschwand sogleich, des Fremden Begehr 
zu vollziehen. Noch bevor er wieder erschien, hörte Zobel 
draußen immer näher und näher lachende Stimmen er— 
schallen, deren eigenthümlicher Ton seine ganze Aufmerksam— 
keit in Anspruch nahm. 
„Heda, Faßwirth, Bier herbei!“ riefen zwei Stimmen 
bereits unter der Thüre, und ein ganzer Haufe lustiger 
Bergburschen drang mit ziemlichem Geräusch in die Wirths— 
stube herein. „Hier dieser Tisch ist heute unser,“ rief der 
Anführer und schlug mit dem Stocke auf den bezeichneten 
Tisch, „und wer uns heute in der Freude stört, hat's mit 
uns zu thun!“ 
Bereits sammelten sich in wirrem Durcheinander, theils 
singend, theils laut verworren schreiend, die Burschen um 
den Tisch, rissen ihre Bergjacken aus und hingen sie an 
die Wand, als ob sie sich mit aller Gewalt einmal wollten 
lustig machen. Jetzt trat der Wirth herein, eine behäbige 
Gestalt, an der sichtbar das Fett vieler seiner Gäste hangen 
geblieben, mit einem freundlichen, stets lächelnden Gesichte, 
und einem lustigen schlauen Augenpaare, das zugleich nach 
allen Seiten zu lugen verstand. Mit etwas gebückter Halt⸗ 
ung, den gefüllten Schoppen in der Hand haltend, trat er 
unter die Neuangekommenen und fragte ganz unterthänigst— 
was die Herren anzuschaffen wünschten. 
„Bier herbei, Bier“, rief der Anführer. „Karten, 
Karten dazu,“ schrien Andre dazwischen. Einer der Lautesten 
griff zum Scherze nach dem gefüllten Glase in des Wirthes 
Händen: „Was! Ein einziger Schoppen für sechs lustige 
und durstige Brüder? Wollt Ihr uns foppen? Das ist ja 
nicht einmal genug, auch nur einem von uns die Lippen 
zu netzen. Oder kennt der Faßwirth seine Getreuen nicht 
mehr?“ 
„Mit Verlaub,“ lächelte der Wirth. „Der Schoppen 
ist fir den fremden Gast da!“ Damit deutete er in die 
Stubenecke. 
Der Angeredete wandte sich um und warf einen flüchtigen 
Blick nach Zobel, stand auf und trat zu diesem hin. „Das 
ist ja ein Zunftgenosse,“ rief er und reichte ihm die Hand. 
„Heda, Brüder, auch ein Bergmann! Woher Landsmann?“ 
„Aus der Rheinprovinz“, gab Zobel zur Antwort. 
„Also ein Rheinpreuße?“ und der Sprecher zog den 
Fremden sofort mit der Hand von seinem Sitze auf und 
nöthigte ihn, sich in den Kreis der lustigen Brüder 
niederzulassen. „Noch ein zugereister Bergmann, der sich 
zu dem Faßwirth verirrt hat“, sagte er, „ein rheinischer 
Bruder, nun ist eine ganze Musterkarte beisammen. Der 
da ist aus Steiermark, der ein Sachse, der aus Schlesien, 
der aus Baiern und der sogar aus der Schweiz. Nun, 
Bruder Rheinländer, kannst du auch trinken? Wenn nicht 
so mußt du es lernen!“ (Forts. folgt.) 
Der reisende Bergmann. 
Erzählt von Nikolaus Plein, Bergmann in Friedrichsthal. 
II. 
(Fortsetzung.) 
Nachmittag war's, als Zobel die Stadt Heidelberg 
erreichte. Ueberall, wohin er sich auch wandte, fremde Ge— 
sichter! Doch da begegneten ihm endlich auch einige Berg— 
leute, die von der Arbeit zu kommen schienen und ihm ein 
freundliches „Glück auf“ zuriefen, welchen Gruß er erfreut 
erwiederte. 
Fast in der Mitte Heidelbergs sah er ein Schild, 
welches ihn anzog, es hieß „Gastwirthschaft zum großen 
Faß“. Aha, dachte er bei sich, nun wirst du auch einmal 
das große Heidelberger Faß zu sehen bekommen. Er lenkte 
seine Schritte dem Gasthause zu. In der Wirthsstube an— 
gekommen, legte er seine Reise-Effekten neben sich auf den 
Tisch und verlangte ein Glas Bier. Den Kopf stützte er 
Auflösung des Räthsels in voriger Nummer: 
Idar, Ida, id, J! 
Marktpreise am 19. April 1873. 
—E 
zu St. Joha 
un. 
p⸗ 
2 
13 
WCentner Kartoffeln 
1 Pfund Butter 
J Dutzend Eier 
Droe y eeger Febrnß v Coe 
—X
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.