Full text: Der Bergmannsfreund (3)

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überhaupt, wie auch insbesondere später bei Besetzung der 
höheren Grubenbeamtenstellen (Fahrsteiger, Obersteiger, Ma— 
schinenwerkmeister) vorzugsweise berücksichtigt werden. 
Arbeiterverhültnisse auf den Königl. Steinkohlen⸗ 
gruben bei Saarbrücken im Jahre 1872. 
Gerichtliche Bestrafung von Bergleuten. 
Bei den Assisenhöfen und Zuchtpolizeigerichten zu Saar— 
brücken, Trier und Zweibrücken (Rheinpfalz) sind im Jahre 
1872 von den auf den Saarbrücker Steinkohlengruben be— 
schäftigten Bergleuten verurtheilt worden wegen: 
1) Diebstahl und Unterschlagung... 22 Mann 
2) Hehleren. ..2 
3) Betrug und Fälschung.. 
4) Verbrechen wider die Sittlichkeit .. 
5) Verbrechen und Vergehen wider das 
Leben (Mordversuch und fahrlässige 
Tödtungh.. .. 5. 2 
Körperverletzung oder Mißhandlung. 55 
Beleidigung.. —20 
Widerstandsleistung gegen die Staats— 
gewalt.. 283 
Beschädigung fremden Eigenthums und 
öffentlichen Unfug......— 
Polizeilicher Uebertretungen. ... F 
im Ganzen 133 Vergleute. 
Gegen das Vorjahr 1871 hat sich die Gesammtzahl um 8 
vermehrt. Wenn man dagegen die Zahl der gerichtlichen 
Bestrafungen mit der vorhanden gewesenen Ärbeiterzahl 
vergleicht, so gestaltet sich das Verhältniß in 1872 günstiger 
als im Vorjahre. Auf je 1000 durchschnittlich in Arbeit 
gestandene Bergleute kamen nämlich gerichtliche Verur— 
theilungen: 
in 1869 zusammen 1324 
1870146 
1871 ⸗ 810 
18737 715 
Die erfreuliche, bedeutende Abnahme der Verurthei— 
lungen in den beiden letzten Jahren beruht zwar im Wesent— 
lichen auf den durchgängig viel mildern Bestimmungen des 
seit 1871 eingeführten neuen deutschen Strafgesetzbuches, wel— 
ches bei einer großen Zahl von Vergehen den gürlichen 
Vergleich an Stelle der sonstigen gerichilichen Verurtheilung 
exleichtert. Aber gleichwohl muß doch dem Saarbrücker 
Bergmannsstande im Allgemeinen für 1872 ein entschieden 
besseres Führungszeugniß ausgestellt werden, wie in früheren 
Jahren. Es erhält diese erfreuliche Thalsache eine um so 
größere Bedeutung, als das Jahr 1872 in Bezug auf das 
Lohnverdienst der Bergleute ein sehr gutes war und als 
nach allen seitherigen Erfahrungen grade mit steigenden 
Löhnen — wie dies bereits der aͤlte Bergmannsspruch sagt: 
Je besser das Bergwerk steht, deso bunter pflegen es 
die Bergleut' zu treiben“ — 
auch eine Vermehrung von Excessen aller Art und demzu⸗ 
folge von gerichtlichen Bestrafungen einzutreten pflegte. Das 
Jahr 1873 aber zeigt — zur Ehre des Saarbrucker Berg— 
mannsstandes kann es ausgesprochen werden — grade das 
Gegentheil hiervon! 
Vergleicht man die verschiedenen Arten von Verbrechen 
und Vergehen, wegen deren Bergleute gerichtlich verurtheilt 
wurden, so sind die sogenannten gemeinen Verbrechen, 
wie Diebstahl, Unterschlagung, Hehlerei, Betrug ꝛc. ver— 
hältnißmäßig bei dem Saarbrücker Beramannsstände selten: 
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wegen solcher Verbrechen kamen in 1872 auf je 1000 be— 
schaͤftigte Bergleute nur 193 Bestrafungen. 
Den bei Weitem größten Theil zu den gerichtlichen 
Verurtheilungen liefern dagegen Wirthshaus-Raufereien und 
die daraus hervorgehenden, zumeist in der Trunkenheit be— 
gangenen Verbrechen und Vergehen, wie Körperverletzung, 
Lebensbedrohung, Widersetzlichkeit gegen Beamte, Beleidig— 
ungen und Unfug aller Art. Auf Grund derartiger Ver— 
brechen und Vergehen sind unter 1000 Saarbrücker Berg— 
leuten gerichtich bestraft worden 
in 1869 zusammen 10 
1870* — 
18711 8325 
1872 5ο. 
Die bedeutende Abnahme, wie sie vorstehende Zahlen 
für die beiden letzten Jahre zeigen, ist jedenfalls hauptsäch— 
lich dem Umstande zuzuschreiben, daß eine große Zahl sol— 
cher Vergehen jetzt nicht mehr zur gerichtlichen Bestrafung 
gelang, weil das neue Strafgesetzbuch ausdrücklich dazu 
einen Strafantrag der geschädiglen Parthei verlangt, dieser 
aber meist durch gütlichen Vergleich abgewendet wird. — 
Bemerkenswerth unter den in obigen Zahlen für 1872 ein— 
begriffenen Fällen ist leider ein von einem Bergmann ver— 
übter Mordversuch und eine fahrlässige Tödtung, von denen 
ersterer mit 12 Jahren Zuchthaus, letztere mit 8 Jahren 
Gefängniß bestraft wurde. Im Uebrigen hat in 1872 die 
bei Verurtheilungen von Bergleuten erkaunte Strafe nur 
in 2 Fällen 1 Jahr Gefängniß erreicht, meist beschränkte sie 
sich auf Geldstrafen oder Gefängniß von wenigen Tagen 
bis zu 3 und 6 Monaten. Die unselige Gewohnheit des 
Messergebrauchs bei Schlägereien ist zwar leider — trotz 
aller Abmahnungen und empfindlichen Strafen von Seiten 
des Gerichtes, wie auch von Seiten der Gruben (durch Ab— 
legen von der Grubenarbeit auf längere Zeit) — noch 
immer nicht völlig verschwunden, aber die Faͤlle häufen sich 
doch wenigstens nicht mehr in der Art, wie dies in früheren 
Jahren in manchen Bergmannsdörfern zeitweise einge— 
rissen war. 
Der Untergang des Dampfschiffes Atlautic. 
Ueber den Untergang des Dampfschiffes Atlantic, wel— 
ches zu den furchtbarsten aller bekannten Schiffsunglücke 
gehört, kommen aus Halifax (an der Südostküste von Neu— 
schottland in Britisch Nordamerica) nähere Nachrichten. Das 
Schiff war elf Tage in See bei rauhem Wetter, als am 
Montag den 31. März wegen drohenden starken Unwetters 
der Capitän seinen Cours änderte, um nach Halifax einzu— 
laufen. Der Capitän und der dritte Schiffsoͤfficier waren 
bis Mitternacht auf dem Deck, die Nacht war dunkel und 
die See ging hoch. Das Sambro—⸗-Leuchtfeuer ward in Nord— 
Nordwest auf 88 Meilen Entfernung geschätzt. Um 2 Uhr 
früh am Dienstag Morgen stieß das Schiff an den Meag— 
her Felsen, westlich von Sambro. Es stieß mehrere Male, 
Officiere und Mannschaft eilten auf Deck. Man versuchte 
die Boote los zu machen, aber erst eins war flott gemacht, 
als das Schiff seitwärts überschlug, sank und das Boot mit— 
riß, so daß alle, welche in demselben waren, ertranken. Der 
größte Theil der an Bord befindlichen Personen ist mit 
dem Schiffe im tiefen Wasser gesunken, nur die sich in das 
Takelwerk der Masten flüchten konnten, von welchem ein 
Theil über Wasser blieb, sind zum Theil gerettet worden. 
Est gelang dem dritten Schiffsofficier Brady, mit einer Leine 
nach dem Felsen zu schwimmen und somit eine Verbindung 
herzustellen. wodurch Einiage gerettet wurden. deren Lage
	        
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