Full text: Der Bergmannsfreund (3)

hielt sich für einen geschlagenen Mann. Aber was geschieht? 
Kaum hat er Zeit gehabt, seinen Aerger und Kummer ge— 
hörig durchzukauen, da thut ihm der alte Napoleon den 
Gefallen und führt die Continentalsperre ein. 
„„Und ein einzig Loth Kaffee 
Kam auf zwanzig Pfennige —“ 
Der Preis des Tabaks stieg auch rasend, und mit ihm 
Donderbergs Achtung vor seinem Besitz. Immer höher. — 
Und sein Verzagen verwandelte sich in Entzücken. — Noch 
höher! Und er war halb und halb überzeugt, er hätte die 
Null absichtlich gemacht. Er paßte seine Zeit ab, schlug 
im günstigsten Augenblicke los und war ein gemachter Mann.“ 
„So spielt das Glück und macht aus einem Nichts ein 
Vermögen! Uebrigens verdiente der alte Donderberg die 
Gunst der launischen Göttin. Er war ein guter Nachbar, 
ein etwas prätentiöses, aber höchst schätzbares Gemeinde— 
mitglied, ein Wohlthäter der Armen und ein großer Kin— 
derfreund. Manchen Apfel hab' ich aus seinem wohlge— 
pflegten Garten gehabt. Als er zum ersten Mal in der 
kleinen Dorfkirche erschien, und, wie es seiner Würde zu— 
kam, in einem der vordersten Stühle Platz nahm, hatte er 
kein, oder doch nicht das richtige Gesangbuch bei sich. Sein 
Nachbar, ein höflicher Mann und armer Familienvater, 
reichte ihm dienstfertig das seinige hin, das mit huldvollem 
Kopfnicken angenommen und wenn auch nicht zum Singen, 
doch zum Hineinstarren benutzt wurde. Denn die Natur 
hat, wie dem Vogel Strauß, so auch manchem großen 
Manne des Gesanges Gabe, der Lieder süßen Mund ver— 
sagt, dennoch ziemt es sich für jeden „deftigen“ Christen, in 
der Kirche ein schwarzes Buch mit Goldschnitt vor sich zu 
haben. Nach dem Gottesdienste gab Donderberg das Ge— 
sangbuch mit einem zweiten gnädigen Kopfnicken zurück 
Zu Hause spielten vor Tisch die Kinder damit, sieh da! es 
fiel ein buntes Papierchen heraus, das sie freudig zum Va— 
ter brachten, und er noch freudiger einsteckte, denn es war 
ein Fünfthalerschein, wirklich ein anständiger Leihschilling.“ 
„Das sollt' ich meinen!“ fiel K. ein; „freilich, wem das 
Glück so im Schlafe kommt, der hat leicht den Großmüthi— 
gen spielen. Mir trägt ein Schreibfehler höchstens eine 
Verdrießlichkeit ein. Aber nun die andere Geschichte, Herr 
Gevatter!“ 
„Sie schließt sich unmittelbar an diese an,“ fuhr D. 
lächelnd fort. „Donderberg hatte einen nüchteren, strebsamen 
Knecht, der nach langem treuem Dienst darauf ausging, sich 
zu beweiben und ein eigenes Hauswesen zu begründen. So 
ungern sein Herr auch den zuverlässigen, pünkllichen Men— 
schen verlor, er dachte zu billig, um ihm sein Vorhaben zu 
verargen oder gar zu erschweren; im Gegentheil, er förderte 
es, und schmunzelte in einer guten Stunde, als sie gemein— 
schaftlich Peters Zukunftspläne überlegten, sogar: „„Aber wo 
führst Du die junge Frau denn hin? — Mein Haus in 
der Eckmühl, das wär' so was für Dich! Nun, nun, wir 
wollen mal sehen.““ Peter grinste vergnügt. Hätte er 
doch sofort geschickt und dreist zugegriffen! — So kam ihm 
mein seliger Vater, ohne es zu wissen, in die Quere, indem 
er bald darauf besagtes Haus um einen anständigen Preis 
an sich brachte — dem Vergnügen, ein gutes Geschäft zu 
machen, konnte der alte Donderberg eben nicht widerstehen. 
Der arme Knecht mag bittere Qualen der Enttäuschung ge— 
litten haben, verbiß aber seinen Schmerz, räsonnirte nicht, 
und das war klug. Denn wenn Versprechen auch Schulden 
macht, Andeutungen und Winke sind noch kein exekutorisches 
Instrument, und freie Gütigkeit verkehrt sich, sobald man 
Drucker und Nerleoder: Gebrüder Hofer in 
auf ihre Beweise als auf ein Recht pocht, leicht in's Gegen— 
theil. Umgekehrt aber braucht man auch einen Ehrenmann 
an keine Ehrenpflicht zu mahnen. Ein paar Tage nach der 
Hochzeit beschied Donderberg seinen getreuen Knecht zu sich 
und sprach nach den üblichen Fragen und Neckereien: 
„„Das Haus ist fort, Peter. Es war ohnehin etwas groß 
für Dich; Du bau'st besser selbst. Doch dazu braucht man 
Geld. Nun, nun, wir sind auch noch da, ich hab' mein 
Wort nicht vergessen.“. Dabei nahm er ein leinenes Beu— 
telchen aus dem Schrank und zählte munter 150 holländi— 
— 
Thaler, das hilft Dir über den Berg.““ Peters Augen 
funkelten wie die Goldstücke. Aber da mußte der Teufel 
ihn plagen, seine Geschäftskenntniß leuchten zu lassen: 
„„Schönes Geld, Herr!““ sagte er, „„der Cours ist aber 
jetzt nur 5 Thlr. 99“. — „„Wenn ich sie Dir zu hoch ge— 
rechnet hab',““ sprach Donderberg verstimmt, „„so nehm' ich 
sie lieber zurück!““ und damit strich er rasch die goldenen 
Vögel wieder ein und verschloß sie. Er hatte einen bösen 
Abend, einen schlimmeren aber der arme Peter, der eine Zeit— 
lang wie betäubt und nachher wie rasend war, ob seiner 
pfiffigen Dummheit oder seiner dummen Pfiffigkeit.“ 
„Aber es war doch hartherzig, eine bloße Dummheit so 
zu ahnden!“ fuhr K. auf. 
D. zuckte die Achseln. 
„Hat der Alte sich nicht erweichen lassen?“ 
„Eigentlich sollt' ich, des stärkeren Eindrucks wegen, 
Nein sagen,“ versetzte D. lächelnd. „Aber mein weiches 
Herz hat Mitleid mit dem Ihrigen. Also Ja — wenigstens 
munkelte man in meiner Heimath so; auf jeden Fall hat 
der alte Peter nie Noth gelitten.“ 
„So, nun bin ich zufrieden mit beiden Geschichten!“ 
rief K., „und wenn Sie mir ein gleiches Glück verbürgen, 
so bestell' ich mit nächster Post „aus Versehen“ 6000 Stüch 
Tuch in Lennep oder Luckenwalde!“ 
„Und ich hab' die Freudenwies gekauft, Herr Gevatter 
und wenn Sie mir den Kaufpreis schenken wollen, so nehm 
ich alle Ihre Napoleons 2 Groschen höher als die heutige 
Notirung an, obgleich der Exkaiser das Zeitliche gesegnet 
hat. Aber da Sie Sich schwerlich so hoch versteigen wer— 
den, so thun Sie mir wenigstens den Gefallen, weßwegen 
ich eigentlich hergekommen bin, gehen Sie mit zum Notar 
als Zeuge und dann in's Lämmchen zum Weinkauf. — 
Weil ich wußte, was uns bevorstand, hab' ich Ihre freund— 
liche Einladung zu einer Flasche nicht acceptirt.“ 
— — — — — — — 
Aufloͤsung der Räthselfragen in voriger Nummer. 
Löwenzahn (Pflanze). Glaslinse. Kosack. Ungarn. Kalmücken 
Völkerschaft). Ameisen. Armbrust. Mitleid. Eichhorn. Nashorn. 
Schreckhorn (Alpen). Horn, der Wohnort des Spinnstubenschreibers 
W. O. von Horn. Grunspan. Eisbahn. Wallroß. Seckühe. Maurer— 
speise (Mörtel). Wirkungskreis. Pulver (Kraut) und Blei (Loth) 
Weberschiff. Tangenten. Das Auge der Nähnadel. Dreifuß. 
Der Hund (ein Karren) im Bergwerk. Vormund. Die größte 
Zahl. Das oder der Gemahl. Ober⸗- und Unterkiefer am Mund 
Marktpreise am 15. März 1878. 
— * u St. Johann. 
2 5 
1 5 — 
13 
1 Centner Kartoffeln 
1 Pfund Butter 
1 Dutzend Eier 
Aen. IFrve lion der Soarbruger 
h
	        
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